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Kommentar
14:07 Uhr, 31.07.2026

Anleihen: "Fed lässt Renditekurve steiler werden"

Die US-Notenbank hält still, doch der Markt reagiert deutlich: Kurze US-Laufzeiten geben nach, lange Renditen steigen auf ein Mehrjahreshoch. In Frankfurt bleibt der Handel ferienbedingt ruhig; gesucht sind vor allem kürzere Firmenpapiere.

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31. Juli 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Obwohl die US-Notenbank in dieser Woche wie mehrheitlich erwartet die Leitzinsen unverändert gelassen hat, war ihr Einfluss auf die Renditen an den Anleihemärkten dennoch enorm. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh betonte zwar: „Es gibt nur ein Ziel, und das sind zwei Prozent.“ Er konnte oder wollte jedoch nicht überzeugend darlegen, mit welchen Instrumenten die Preisstabilität bei einer auch weiterhin erhöhten Inflation erreicht werden soll.

Edgar Walk, Chefvolkswirt von Metzler Asset Management, wertete die Entscheidung als vertane Chance. „Wenn eine Notenbank nicht handelt, obwohl die wirtschaftlichen Bedingungen einen Zinsschritt rechtfertigen, übernimmt irgendwann der Anleihemarkt. Und der handelt meist abrupter, weniger zielgerichtet und ohne Rücksicht auf die Konjunktur.“ Seiner Ansicht nach ist die US-Notenbank vor diesem Hintergrund fast schon gezwungen, den Leitzins im September um 25 Basispunkte anzuheben.

Langläufer geraten unter Druck

Auffällig war im Anschluss an die Notenbanksitzung die gegenläufige Bewegung der Renditen. „Die Kurve ist steiler geworden“, erklärt Arthur Brunner von der ICF Bank. Während die Rendite der zweijährigen US-Treasuries auf Wochensicht von 4,34 auf 4,26 Prozent gesunken ist, erreichten 30-jährige Laufzeiten am Donnerstag mit 5,24 Prozent den höchsten Stand seit dem Jahr 2007.

„Der Appetit der Anleger auf ultra-langlaufende Anleihen litt überdurchschnittlich stark unter den neu angefachten Sorgen hinsichtlich der Glaubwürdigkeit des neuen Fed-Chefs“, erklärt Elmar Völker von der LBBW. Gleichzeitig dürfte das geldpolitische Stillhalten der US-Währungshüter seiner Meinung nach „manche Marktteilnehmer dazu bewogen haben, Positionierungen auf eine flachere Zinskurve glattzustellen“. Die Gefahr eines neuerlichen Kursrutsches am US-Staatsanleihemarkt bezeichnet der Analyst als „beträchtlich“.

Käufe bei Katjes und US-Staatsanleihe

Im Anleihehandel macht sich die Ferienzeit insbesondere bei den Neuemissionen bemerkbar. „Der Euro-Primärmarkt kam am Donnerstag weitestgehend zum Erliegen“, berichtet Ilona Korsch von Bethmann HAL. Käufe seien im Sekundärmarkt überwiegend in kürzeren Laufzeiten von Unternehmensanleihen zu sehen. Auch Brunner berichtet von einem „sehr ruhigen Geschäft“. Relativ hohe Umsätze sieht er in einer noch gut zwei Jahre laufenden Anleihe von Katjes International GmbH & Co. KG (<NO0012888769>). Bei einem jährlichen Kupon von 6,75 Prozent liegt der Kurs aktuell bei gut 103 Prozent. Gefragt ist zudem eine 2030 fällige Anleihe der United States of America mit einer Rendite von 4,4 Prozent (<US91282CHF14>).

Arthur Brunner

Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank meldet Käufe in Bonds von Mercedes-Benz (<DE000A3LH6U5>) und E.On (<XS2791960664>), die bis 2031 bzw. 2044 laufen und Renditen von 3,5 Prozent bzw. 4,3 Prozent bringen.

Von Thomas Koch, 31. Juli 2026, © Deutsche Börse AG

Über den Autor

Thomas Koch ist CEFA-Investmentanalyst, Investmentspezialist für strukturierte Produkte und geprüfter Zertifikateberater. Seit Anfang 2006 beschäftigt er sich als freier Journalist mit dem Geschehen an den Kapitalmärkten.

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