Anleihen: „Renditen auf 15-Jahres-Hoch“
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27. März 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Die Weltpolitik hat die Anleihemärkte weiter fest im Griff. „Das Szenario einer Stagflation, sprich schwächeres Wachstum bei gleichzeitig hoher Inflation, bereitete Anlegern Sorge", erklärt Raffaele Antacido von der ICF Bank. Unter dem Strich bleiben die Kurse daher im Sinkflug. Die zwischenzeitlichen Erholungen im Wochenverlauf entpuppten sich lediglich als kurzes Strohfeuer. „Käufe in schwächere Kurse hinein erfolgen zwar immer wieder, allerdings sind bisher keine Signale einer größeren Gegenbewegung zu sehen“, berichtet Ilona Korsch von Hauck Aufhäuser Lampe.
Deutlicher Rendite-Anstieg seit Anfang März
Nach einer zunächst volatilen Seitwärtsphase legte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen zum Wochenschluss spürbar zu und kletterte am Freitagmittag mit 3,13 Prozent nach 2,98 Prozent in der Vorwoche auf den höchsten Stand seit über 15 Jahren. Im laufenden Monat ist die Rendite um einen halben Prozentpunkt gestiegen. Noch deutlicher fällt die Veränderung für die zweijährigen Bundesanleihen aus, deren Rendite im März von 2 Prozent auf 2,74 Prozent geklettert ist. Korsch sieht eine Verschlechterung des technischen Bildes und geht davon aus, dass hier die Marke von 2,80 Prozent in Kürze erreicht werden sollte.
Elmar Völker von der LBBW verweist darauf, dass sowohl die zehnjährige US-Treasury-Rendite als auch die zehnjährige Bund-Rendite „wichtige Widerstände nach oben durchbrochen haben“. Auch deshalb überwiegen nach Ansicht der Analysten in den kommenden drei Monaten die Risiken weiterer Kursrückschläge. Andererseits seien die Rentenmärkte „kurzfristig überverkauft, was den Boden für eine Kurserholung bereiten könnte“. An der Deutschen Börse Frankfurt wurden die gestiegenen Renditen in dieser Woche jedenfalls zum Einstieg genutzt. „Bundesanleihen mit verschiedensten Laufzeiten waren mit hohen Volumina gesucht“, berichtet Antacido.
50-jährige Amazon-Anleihe wird gekauft
Ebenfalls im Fokus stehen US-Dollar-Anleihen, nachdem die deutliche Abwertung des Greenback in den vergangenen zwei Monaten gestoppt wurde. Tim Oechsner von der Steubing AG meldet starke Nachfrage vor allem nach langlaufenden Bonds von Amazon und Salesforce. Ein erst in 50 Jahren fälliger Amazon-Bonds rentiert aktuell mit 6,3 Prozent (<US023135DK94>) und reagiert aufgrund der sehr langen Laufzeit relativ stark auf Veränderungen des Zinsniveaus.
Ähnlich sieht es für eine bis 2056 laufende Salesforce-Anleihe aus, die bis zur Fälligkeit eine Rendite von 6,7 Prozent abwirft (<US79466LAW46>). Gut nachgefragt wurden laut dem Händler zudem italienische Staatsanleihen (zum Beispiel (<IT0004286966>)).
Tim Oechsner
Bei den Unternehmensanleihen sieht Beate Mägerle von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank anhaltende Käufe einer bis 2044 laufenden E.ON-Anleihe, die in den vergangenen Wochen ebenfalls an Wert verloren hat und aktuell mit 4,3 Prozent rentiert (<XS2791960664>). Ebenfalls auf der Einkaufsliste stehen Anleihen der Deutschen Post (<XS3084418907>) und von MTU (<XS2887896574>). Verkäufe gab es hingegen des 2030 fälligen Bond von Würth Finance International, dessen Kurs nach einem steilen Anstieg zuvor seit Mitte 2025 von über 100 Prozent auf unter 95 Prozent gesunken ist. Aktuelle Rendite: 3,3 Prozent (<XS2480515662>).
Von Thomas Koch, 27. März 2026 © Deutsche Börse AG
Über den Autor
Thomas Koch ist CEFA-Investmentanalyst, Investmentspezialist für strukturierte Produkte und geprüfter Zertifikateberater. Seit Anfang 2006 beschäftigt er sich als freier Journalist mit dem Geschehen an den Kapitalmärkten.
