Anleihen: "Höhere Inflation und höhere Renditen"
- Lesezeichen für Artikel anlegen
- Artikel Url in die Zwischenablage kopieren
- Artikel per Mail weiterleiten
- Artikel auf X teilen
- Artikel auf WhatsApp teilen
- Ausdrucken oder als PDF speichern
Erwähnte Instrumente
- VerkaufenKaufen
Schnell. Sicher. Direkt.Trading über stock3 war noch nie so einfach.
Mehr erfahren Nein, danke - VerkaufenKaufen
10. April 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Mit der Feuerpause im Nahen Osten sind die Ölpreise zwar leicht gefallen – und mit ihnen Inflationserwartungen und Renditen. Von echter Entspannung kann aber keine Rede sein. Der energieinduzierte Inflationsanstieg könnte sich nach Einschätzung von LBBW-Analyst Matthias Krieger durchaus noch fortsetzen. „Ein wirkliches Ende des Konflikts ist noch immer nicht erkennbar ist, zudem besteht ein hohes Risiko, dass auch nach Ende der Kampfhandlungen der Weltmarkt für Öl und LNG noch längere Zeit unter Druck bleiben wird“, erklärt er. Was auch immer die Finanzmärkte gerade kurzfristig spielten: Solange die Straße von Hormus für den größten Teil der Schiffe gesperrt bleibe, werde es keine Ruhe geben. „Zu wichtig ist das Nadelöhr für die Energieversorgung der Welt.“
Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen war zwischenzeitlich auf 3,13 Prozent gestiegen, am Freitagmittag sind es 3,03 Prozent – immer noch der höchste Stand seit 15 Jahren.
Deutlich höhere Leitzinsen erwartet
Insgesamt haben sich die Erwartungen an die Geldpolitik mit dem Iran-Krieg deutlich nach oben verschoben. Einer von Bloomberg Economics erstellten Gesamtkennzahl zufolge liegt der Leitzinsausblick für Industrieländer per Jahresende inzwischen rund 35 Basispunkte höher als noch vor drei Monaten.
Am heutigen Freitag geht der Blick gen USA. Dort werden am Nachmittag die US-Verbraucherpreise für den März veröffentlicht. „Kurzfristig lassen die stark gestiegenen Energiepreise die Inflationsrate nach oben springen“, meint Commerzbank-Analyst Bernd Weidensteiner. Sollte der Konflikt tatsächlich beigelegt sein, werde es hier bald zu einer Entlastung kommen. Mit Zinssenkungen sei dennoch vorerst nicht zu rechnen.
Zurückhaltung bei Unternehmensanleihen
Im Handel mit Unternehmensanleihen geht es ruhig zu. „Die Umsätze sind dünn“, schildert Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank die Lage. „Anleger halten sich zurück, denn keiner weiß, was als nächstes passiert.“ Tendenziell abgegeben werde eine im Oktober dieses Jahres fällige Volkswagen-Anleihe mit aktueller Rendite von 2,8 Prozent (<XS1893631769>).
Im Gegenzug werde auf Mercedes-Benz gesetzt, mit Laufzeit bis 2031 und aktuell 3,2 Prozent (<DE000A3LH6U5>). Außerdem gesucht: eine Anleihe der Deutschen Pfandbriefbank mit Fälligkeit 2028 und momentan 4,21 Prozent (<DE000A382665>).
Gregor Daniel
Einiges um geht laut Tim Oechsner von der Steubing AG in Anleihen von Eon mit Laufzeit bis 2029 (<XS2673536541>), Bayer bis 2029 (<XS2630112014>), Porsche Automobil Holding bis 2030 (<XS2643320109>), Würth bis 2031 (<XS2911681083>) und VW bis 2031 (<XS2694874533>) mit Renditen zwischen 2,9 und 3,6 Prozent. Ebenfalls umsatzstark: Bonds von Nestlé in Euro mit Fälligkeit 2029 und 2,6 Prozent (<XS1707075328>) sowie John Deere in US-Dollar bis 2030 und 4,2 Prozent (<US24422EWZ86>).
Viele Neuemissionen – auch dank Amazon & Co
Der Primärmarkt für Unternehmensanleihen verzeichnete im ersten Quartal 2026 ein robustes Emissionsvolumen von 151 Milliarden Euro – ein Plus von 22 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2025, wie die DZ Bank berichtet. Auch der Fünfjahresdurchschnitt von 123 Milliarden Euro wurde deutlich überschritten. Maßgeblich für diese Entwicklung: US-Emittenten, die bereits Anleihen im Nennwert von knapp 50 Milliarden Euro platziert hätten, vor allem zur Finanzierung von KI-Lösungen. Das Emissionsvolumen im Tech-Sektor habe sich sogar mehr als verdreifacht. Mit knapp 28 Milliarden Euro liege der Sektor nun nahezu gleichauf mit den traditionell emissionsstarken Versorgern.
Von Anna-Maria Borse, 10. April 2026 © Deutsche Börse AG
Über die Autorin
Anna-Maria Borse ist Finanz- und Wirtschaftsredakteurin mit den Schwerpunkten Finanzmarkt/Börse und volkswirtschaftliche Themen.
Feedback und Fragen an live@deutsche-boerse.com
