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08:24 Uhr, 18.02.2019

Alles Große beginnt im Kleinen

Das Wachstumspotenzial im kleinen und mittleren Marktsegment des Private-Equity-Universums zu erfassen, raten die Unigestion-Finanzexperten Francesco Aldorisio und Federico Schiffrin.

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Genf (GodmodeTrader.de) - Viele Waren und Dienstleistungen, die heute im Umlauf sind, stammen von kleinen und mittleren Unternehmen, also Unternehmen mit einem Unternehmenswert von unter 500 Millionen US-Dollar. Laut Angaben der Small Business Association entfallen fast 50 Prozent der US-amerikanischen Produktion auf solche Unternehmen. Und entgegen der Meinung, dass Mittelständler anfälliger für Konjunkturabschwünge sind, wurden hier während der letzten Rezession de facto zwei Millionen neue Stellen geschaffen, wie die Unigestion-Finanzexperten Francesco Aldorisio und Federico Schiffrin in einem aktuellen Marktkommentar schreiben.

In der EU seien von 2002 bis 2010 mehr als 80 Prozent der neuen Arbeitsplätze von kleinen und mittleren Unternehmen geschaffen worden. Gleichzeitig hätten größere Unternehmen Arbeitsplätze reduziert. Das kleine und mittlere Marktsegment leiste folglich einen wesentlichen Beitrag zur Gesamtwirtschaft. Zudem seien auch heute erfolgreiche Großunternehmen den größten Teil ihrer Existenz eher unbedeutend, seien aber schnell gewachsen. Den meisten Investoren wollten daher vom Wachstumspotenzial des kleinen und mittleren Marktsegments profitieren, heißt es weiter.

„Doch der Zugang zu diesem Segment ist schwierig, denn es sind nur wenige Informationen zu diesen Unternehmen verfügbar und sie sind in der Regel nicht an der Börse gelistet. Eine Anlage bei Private-Equity-Spezialisten, die sich ausschließlich mit dem Segment kleiner und mittlerer Unternehmen beschäftigen, ist daher eine attraktive Investmentlösung und eröffnet den Zugang zum hohen Ertragspotenzial in diesem Feld“, so Aldorisio und Schiffrin.

Das Ziel eines typischen Private-Equity-Investors, der im kleinen und mittleren Marktsegment operiere, sei es, die Unternehmen mit dem größten Wachstumspotenzial für ein Investment zu identifizieren. Dabei würden sie bezüglich Professionalität, operative Effizienz, Produkt- und Dienstleistungsangebot, Internationalisierung und die Expansion in neue Märkte unterstützt. Zu den Beispielen weltbekannter Unternehmen, die unter der Leitung von Private-Equity-Investoren zunächst Skalierungen und operative Umstrukturierungen durchlaufen hätten, gehörten unter anderen: Louis Poulsen (Beleuchtung, Dänemark), Oscar de la Renta und Moncler (Luxusmarken aus den USA und Italien), Pandora (Modeschmuck, Dänemark), Pret a Manger und Wagamama (Restaurantketten, Großbritannien) sowie Cass (Spirituosen, Südkorea). All diese Unternehmen hätten zunächst als regionale Akteure begonnen und sich dann zu globalen Marken entwickelt, wo sie nun Teil des Alltags vieler Menschen seien, heißt es weiter.

„Das Angebot an kleinen und mittleren Unternehmen ist groß und bietet eine enorme Bandbreite an Investitionsmöglichkeiten: Schätzungen zufolge umfasst dieses Marktsegment weltweit rund 500.000 investierbare Unternehmen – Tendenz steigend. So ist die Anzahl der Buyouts mit einem Unternehmenswert von unter 500 Millionen Dollar mehr als fünf Mal so hoch wie die Anzahl bei Transaktionen über 500 Millionen Doller. Betrachtet man neben Übernahmen auch Wachstumskapital- und Turnaround-Deals, verzehnfacht sich diese Zahl sogar fast. Dieser Trend war vor allem in den letzten zehn Jahren zu beobachten und wird auch weiter anhalten: Gründer von familiengeführten Unternehmen werden weiterhin Nachfolgeregelungen finden müssen, Unternehmen werden auch in Zukunft Möglichkeiten finden, in neue Märkte vorzustoßen und neue Produkte auf den Markt zu bringen, Mischkonzerne werden per Definition Spinout-Opportunitäten schaffen“, so Aldorisio und Schiffrin.

Derzeit sitze der Private-Equity-Markt nach bisher beispiellosen Fundraising-Aktivitäten auf Rekordniveaus an „Dry Powder“, das heiße an zugesagtem, aber noch nicht investiertem Kapital. Dies gelte jedoch nicht per se für den ganzen Markt. So sei das Dry Powder von kleinen und mittleren Fonds in den letzten drei Jahren langsamer als im restlichen Markt gestiegen. Die Angebots- und Nachfragesituation im kleinen und mittleren Segment sei also weiter günstig. Die große Zahl von Investitionsmöglichkeiten in diesem Segment dürfte das verfügbare Kapital problemlos absorbieren.

Auf einer EBITDA-Multiple-Basis seien die Bewertungen von kleinen und mittleren Transaktionen in Nordamerika und Europa bisweilen bis zu 50 Prozent niedriger als bei Large-Cap-Transaktionen. Außerdem seien die Bewertungen von kleinen und mittleren und Large-Cap Transaktionen in den letzten fünf Jahren weiter auseinandergegangen. Der Grund: Mehr Kapital heiße auch mehr Investitionsdruck bei den Fondsmanagern. Dies habe zur Folge, dass sich der Wettbewerb bei Large-Cap Transaktionen verschärfe, heißt es weiter.

„Im kleinen und mittleren Bereich erfolgt das Deal-Sourcing nicht über Auktionen mit mehreren Bietern, sondern eher über Netzwerke, in denen lokale Marktkenntnis und Beziehungen ausschlaggebend sind. Für Firmeninhaber ist die Identität des Käufers oft ein sensibles Thema, da es sich oft um seit Generationen geführte traditionsreiche Familienunternehmen oder um wirtschaftlich relevante Arbeitgeber in der Region handelt. Der Transaktionspreis ist deshalb häufig nur ein sekundäres Entscheidungskriterium“, so Aldorisio und Schiffrin.

Es könne natürlich auch andere Gründe haben, dass kleinere Unternehmen günstiger seien als große. Sie seien zum Beispiel weniger effizient gemanagt, hätten eine weniger attraktive Produktpalette und seien mit höheren Risiken verbunden als ihre größeren Wettbewerber. Daher könne der niedrigere Transaktionspreis gerechtfertigt sein. Doch genau hier liege auch die Chance, denn ein geschickter Private-Equity-Manager mit den richtigen Fähigkeiten sei in der Lage, solche Unternehmen bei der Lösung ihrer Probleme zu unterstützen und so ihren Wert zu steigern, heißt es weiter.

„Weltweit gibt es viele attraktive kleine und mittlere Unternehmen, die typische Investoren häufig nicht auf dem Radar haben. Diese Unternehmen sind oft in nur einem Land präsent, werden möglicherweise noch nicht gut genug gemanagt oder von unerfahrenen und unvollständigen Managementteams geführt. Einer Handvoll dieser Unternehmen steht unter der richtigen Leitung jedoch eine brillante Zukunft bevor. Und es gilt, genau sie zu finden. Hier setzen Investoren an, die über die geeigneten Ressourcen, den Fokus, Beharrlichkeit und Expertise verfügen. Unigestion setzt für das Deal-Sourcing und die Ausführung von Direktinvestments weltweit auf die Partnerschaft mit lokalen Investmentexperten und Unternehmern“, so Aldorisio und Schiffrin abschließend.

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Über den Experten

Tomke Hansmann
Tomke Hansmann
Redakteurin

Nach ihrem Studium und einer anschließenden journalistischen Ausbildung arbeitet Tomke Hansmann seit dem Jahr 2000 im Umfeld Börse, zunächst als Online-Wirtschaftsredakteurin. Nach einem kurzen Abstecher in den Printjournalismus bei einer Medien-/PR-Agentur war sie von 2004 bis 2010 als Devisenanalystin im Research bei einer Wertpapierhandelsbank beschäftigt. Seitdem ist Tomke Hansmann freiberuflich als Wirtschafts- und Börsenjournalistin für Online-Medien tätig. Ihre Schwerpunkte sind Marktberichte und -kommentare sowie News und Analysen (fundamental und charttechnisch) zu Devisen, Rohstoffen und US-Aktien.

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