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Ethereum (Ether/ETH): "The Merge" kommt!

Es ist seit Tagen, wenn nicht sogar Wochen, das Thema im Krypto-Space: Ethereum (ETH) und „The Merge“. Was aber hat es damit auf sich? Warum hat „The Merge“ die Kursentwicklung wohl schon beeinflusst und wie wird sich dieses Ereignis zukünftig auf die Kursentwicklung wohl auswirken?

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Es ist seit Tagen, wenn nicht sogar Wochen, das Thema im Krypto-Space: Ethereum (ETH) und „The Merge“. Was aber hat es damit auf sich? Warum hat „The Merge“ die Kursentwicklung wohl schon beeinflusst und wie wird sich dieses Ereignis zukünftig auf die Kursentwicklung wohl auswirken? Hier erfahren Sie alles, was Sie wissen müssen!

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Konsensalgorithmen: Proof-of-Work, Proof-of-Stake

Bitcoin (BTC) steht gerne mal aufgrund seines hohen Energieverbrauchs in der Kritik. Dieser hohe Energieverbrauch liegt in erster Linie am dort verwendeten Konsensalgorithmus, dem Proof-of-Work. Beim Proof-of-Work, kurz: PoW, müssen die Miner arbeiten, in dem sie ein kryptografisches Rätsel lösen. Dieses Rätsel kann nur einer (wobei dies auch ein Miningpool sein kann) als Erster lösen.

Dieser Erste bekommt dann die Belohnung („Reward“) in Form neuer Bitcoins. Somit arbeiten viele sprichwörtlich für die Katz, sodass Energie in gewisser Weise tatsächlich verschwendet wird. Diese Verschwendung ist vielen schon lange ein Dorn im Auge, auch wenn PoW für Bitcoin essenziell war, ist und wohl auch bleibt. Ich denke jedenfalls nicht, dass man bei der „Mutter aller Kryptowährungen“ so schnell davon abrücken wird.

Doch andere Projekte sahen dieses Problem schon von Anfang an und haben daher versucht, andere Lösungen zu finden. Inzwischen gibt es einige Konzepte, aber als stärkster Gegenspieler zum Proof-of-Work hat sich inzwischen Proof-of-Stake (PoS) entwickelt. Dafür gibt es gute Gründe, wie wir noch sehen werden. Aber das soll hier nicht das Thema sein. Vielmehr möchte ich Ihnen erläutern, was die Idee hinter Proof-of-Stake ist.

Eigentlich ist die Sache einfach. Beim Proof-of-Stake muss keine Arbeit geleistet werden. Sondern man hat sich überlegt, dass derjenige (kann ebenfalls ein Pool sein), der am meisten in etwas investiert hat, den geringsten Anreiz hat, diesem Asset zu schaden. Wenn ich also stark in die Kryptowährung XY investiert habe, unterlasse ich alles, was dieser Kryptowährung schaden könnte, da ich mir sonst selbst den größten Schaden zufüge.

Die neuen Coins/Tokens der Kryptowährung XY werden daher stets an die Stake-Holder verteilt, wobei derjenige, der den größten Stake („Anteil“) hat, am meisten bekommt. In der Regel werden die Coins/Tokens dabei durch ein Losverfahren vergeben, wobei derjenige mit dem größten Anteil mehr Lose im Topf hat und dadurch eben rein statistisch öfter gezogen wird. Da beim Proof-of-Stake keine (unnötige) Arbeit geleistet wird, spart man viel Energie.

Proof-of-Stake ist wirklich ein sehr gutes Konzept. Denn Anleger können hier eine Art Zins kassieren, wie man das früher vom Sparbuch her kannte. Zur Wahrheit gehört aber auch dazu, dass der/die größten Stake-Holder auch am meisten neuen Coins/Tokens dazu bekommen und so „die Reichen immer reicher werden“. Ein Kritiker nannte dies vor einigen Wochen in einem Vortrag mal eine Förderung von Oligarchie.

Ethereum hat sich beim Start an Bitcoin orientiert... und ändert jetzt seinen Kurs!

Ethereum hat sich bei seinem Start – das ursprüngliche Ethereum ist übrigens das heutige Ethereum Classic (ETC) - am Bitcoin orientiert. Darum nutzen sowohl Ethereum Classic als auch Ethereum ebenfalls das Proof-of-Work-Konzept. Doch anders als beim Bitcoin nahm man bei Ethereum (nicht jedoch bei Ethereum Classic) die Kritik am hohen Energieverbrauch ernst. Darum wurde hier schon vor längerem beschlossen, den Konsensalgorithmus umzustellen.

So eine komplette Umstellung der Blockchain erwies sich jedoch als schwieriger als zunächst gedacht. Wollte man zuerst innerhalb kürzester Zeit den Konsensalgorithmus wechseln, musste man sich schon bald eingestehen, dass dieses Update Jahre benötigen wird. Dementsprechend haben die Ethereum-Entwickler auch seit Jahren daran gearbeitet und stehen nun vor dem Abschluss.

„The Merge“ ist also nichts anderes als das Update, dass Ethereum vom bisher genutzten PoW auf das zukünftig genutzte PoS umstellen wird. Darüber sind natürlich nicht alle glücklich, besonders unglücklich sind die Ethereum-Miner. Denn das Mining wird in Zukunft bei Ethereum überflüssig sein, es wird nicht mehr gebraucht. Wobei viele Miner durch das bisherige Mining natürlich auch große Stake-Holder geworden sind.

Wie genau läuft „The Merge“ ab?

„The Merge“ bedeutet zu Deutsch: „Die Verschmelzung“. Doch warum dieser Name? Die gesamte Umstellung von PoW auf PoS war/ist ein mehrstufiger Prozess, das laufende Update ein zweistufiger, wobei diese zwei Stufen zu diesem mehrstufigen Prozess gehören. Konkret wurde bei Ethereum am 1. Dezember 2020 eine sogenannte Beacon-Chain gestartet. Mit Hilfe dieser zweiten Blockchain wurde erstmals das Staking von Ether möglich.

Voraussetzung war, dass man mindestens 32 Ether hatte, um so Validator auf dieser zweiten Blockchain werden zu können. Dabei war und ist es jedoch möglich, dass mehrere ihre Ether poolen, um so mindestens 32 Ether nachweisen zu können. Die Beacon-Chain wurde mit Hilfe eines Smart Contracts („Deposit Contract“) in die ursprüngliche Ethereum-Blockchain quasi integriert.

Beim „The Merge“ nun werden diese beiden Blockchains zusammengelegt, ergo verschmolzen. So wird die bisherige Neben-Blockchain („Beacon-Chain“) quasi zur neuen Ethereum-Blockchain. Da in der Beacon-Chain PoS genutzt wurde und wird, wird so auch Ethereum zukünftig PoS nutzen. Wie bereits erwähnt, ist „The Merge“ selbst ein zweistufiger Prozess – und die erste Stufe läuft bereits (seit 6. September 2022).

Die erste Stufe, genannte Bellatrix, sorgt dafür, dass genügend Ethereum-Node-Betreiber nach dem „The Merge“ sofort damit beginnen können Transaktionen auf der PoS-Blockchain zu validieren. Dies ist, wenn man so will, jedoch nur eine Vorbereitung auf das eigentlich, große Update, genannt Paris. Dieses, das letztlich für die Umstellung sorgt, soll zwischen dem 10. und 20. September 2022 durchgeführt werden.

Eigentliches Update „Paris“ wohl am 15. September 2022

Da man für den Start des großen Updates einen Block ausgewählt hat und die Erreichung dieses Blocks von der Hashrate des Ethereum-Netzwerks abhängt (wenn viele Miner vorzeitig das Mining beenden, sinkt die Hashrate, sodass sich die Erreichung des entsprechenden Blocks hinauszögern kann) kann man nicht genau beziffern, wann dieses große Update mit dem Namen Paris startet. Vorgesehen war und ist jedoch der 15. September 2022.

Mit diesem Update wird Ethereum dann von PoW zu PoS umgestellt und zukünftig zwischen 98 und 99 Prozent weniger Energie verbrauchen. Zudem hofft man, dass auch Transaktionen schneller und günstiger abgewickelt werden. Allerdings hängt das auch beim PoS davon ab, wie stark das Netzwerk selbst genutzt wird, sodass sich diese Hoffnungen durchaus als illusorisch erweisen könnten. Wir werden sehen, was passiert.

Grundsätzlich kann es im Zuge eines so großen Updates natürlich zu Problemen kommen. Das war bei Ethereum auch beim letzten großen Update 2016 schon der Fall. Insofern sollte man sich als Ethereum-"Hodler" vorbereiten. Insbesondere sollte man nach Möglichkeit vermeiden, während des Updates – was ja einer Operation am offenen Herzen gleichkommt – Ether zu transferieren. Sonst könnten diese nämlich verloren gehen.

Fazit: Kurzfristig mit höherer Volatilität rechnen!

Die Mehrheit begrüßt die Umstellung von PoW auf PoS. Zumal diese den „grünen“ Kritikern den Wind aus den Segeln nimmt. Die Umstellung, das Update, wurde jahrelang und damit sehr gut vorbereitet. Daher werden von den meisten Leuten keine großen Probleme erwartet. Da das Update Ethereum zukunftsfest machen soll und nach Meinung der Mehrheit auch tut, wurde daher im Vorfeld stark auf den Ether gesetzt.

Dies zeigt sich dann auch in einer gewissen sogenannten „relativen Stärke“, über die mein geschätzter Kollege André Rain hier berichtet hat.

Doch leider gibt es ein Problem. Denn läuft das Update wirklich reibungslos, haben die Spekulanten ihre Wette darauf gewonnen – und nehmen wohl kurzfristig erst einmal ihre Gewinne mit. Oder aber es kommt wider Erwarten doch zu Problemen. Dann könnte kurzfristig Angst aufkommen.

Bisher hat „The Merge“ der Kursentwicklung des Ether also eher gutgetan. Dies könnte sich, so oder so, bald ändern. Kurzfristig sollte man zumindest mit einer erhöhten Volatilität rechnen.

Längerfristig war, bin und bleibe ich super bullish für Ethereum. Ob mit PoW oder PoS, Ethereum war und ist Bitcoin überlegen. Meine längerfristige Prognose, dass Ethereum nach Marktkapitalisierung an Bitcoin vorbeiziehen wird, bleibt daher unverändert stehen.

In der Vergangenheit habe ich diesen sogenannten „Coin Flip“ ab Ende 2025 für möglich gehalten. Bis dahin ist ja noch etwas Zeit. Aktuell muss ich meine Prognose daher nicht aktualisieren. Wichtig ist nur: Es gibt mehr Ether als Bitcoin. Daher kann (und wird) Ethereum nach Marktkapitalisierung an Bitcoin vorbeiziehen können. Das bedeutet aber nicht, dass der Ether auch im Kurs an Bitcoin vorbeiziehen muss.

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Über den Experten

Sascha Huber
Sascha Huber
Experte für Kryptowährungen

Sascha Huber, Jahrgang 1978 und wohnhaft in Trier, gilt als profunder Kenner der Hightechbranche. Als solcher erkannte er als einer der Ersten das große Potenzial von Aktien wie Amazon.com, Apple sowie zuletzt Facebook oder Tesla Motors. Zwischen 2010 und 2014 arbeitete er als Chefredakteur eines Börsenbriefs, der im Oktober 2014 übernommen wurde. Huber gilt als profunder Kenner von Kryptowährungen wie dem Bitcoin, Ether und Ripple. Auf Guidants betreut er sehr erfolgreich den "Technologie-Aktien & Krypto Trading-Service".

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