Zertifikate-Award Platz 2: Der Fiskus spielt nicht mit
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Gestern hatten wir uns an dieser Stelle dem Zertifikat des Jahres gewidmet, das Anleger im Rahmen der letztjährigen Zertifikate-Award-Verleihung auswählten. Natürlich gibt es auch bei diesem Kontest nicht nur erste Plätze. So folgte als „zweiter Sieger“ nur ganz knapp hinter dem Vietnam-Produkt mit immerhin 4.275 gegenüber 4.527 Stimmen ein Papier der HypoVereinsbank auf den Euro STOXX 50 aus der damals gerade neu aus der Taufe gehobenen ExpressBonus Extra Reihe, die unter anderem das Ziel verfolgte, dem Anleger eine besondere Form der Steueroptimierung zu bieten.
Der Grundgedanke des Konzepts war vor dem Hintergrund der für Zertifikate ziemlich abstrusen Abgeltungssteuerrichtlinien ebenso einfach wie genial: Man kombiniere eine ganz normale Express-Chance mit einer anschließenden innovativen Bonus-Struktur und terminiere dabei das Ganze so, dass der Investor im Erfolgsfalle die Übergangsregelung bis zum 30. Juni 2009 für sich noch steuerfrei nutzen kann, einen möglichen Verlust allerdings automatisch mit dem Fiskus in Form einer späteren Verrechnungsmöglichkeit teilt. So sah die Express-Komponente eine vorzeitige Rückzahlung nach 14 Monaten bei einem Indexstand von mindestens 95 Prozent des Ausgangsniveaus (4364,40 Punkte) vor. Sollte diese Tilgungs-Chance zum 28. November 2008 incl. einer Express-Zahlung von 9 Prozent nicht gelingen, so wäre die Zeit für die Bonus-Struktur gekommen, deren 40-prozentiger Sicherheitspuffer hier allerdings nicht wie gewöhnlich für die gesamte bisherige Laufzeit, sondern nur für den Zeitraum zwischen dem ersten und zweiten Bewertungstag aktiv sein sollte. Darin bestand das Extra. Da der zweite Stichtag noch innerhalb der für Zertifikate steuergünstigen Übergangszeit liegt, könnte bei unverletzter Schwelle gerade noch rechtzeitig eine Rückzahlung des Nennwertes incl. eines zusätzlichen Bonus von 15 Prozent erfolgen. Um das ganze Steuersparmodell zu komplettieren, war für den Fall einer zerstörten Bonus-Struktur für den 17. August 2009 noch ein letzter Stichtag vorgesehen, an dem dann der zu erwartende Verlust im Rahmen der neuen Abgeltungssteuerregelung geltend gemacht werden sollte.
Wie die häufige Verwendung des Konjunktivs bereits vermuten lässt, hat die HVB zusammen mit dem Anleger leider die Rechnung ohne die modernen Inquisitoren des Staatssäckels gemacht, bei denen ja seit dem vergangen Jahr bekanntlich Hexenwerk nur den einen Namen zu tragen scheint: „Zertifikat“. Denn kaum hatten sich das beschriebene, sowie einige weitere Steueroptimierungs-Produkte herumgesprochen, da ließ auch schon ein neues in Grundzügen von der FTD veröffentlichtes BMF-Schreiben des Bundesfinanzministeriums nichts Gutes für die kreative Zertifikatebranche erahnen. Im Fachjargon heißt das ganz lapidar Gestaltungsmissbrauch. Die Folge für den gutgläubigen Besitzer eines „ExpressBonus Extra“ besteht nun darin, dass die mit diesen Papieren erzielten Gewinne natürlich steuerfrei bleiben, sofern die alte 12-monatige Spekulationsfrist eingehalten wird. Einer späteren Verlustanrechnung zeigt der hier besonders eifrige Gesetzgeber dagegen die rote Karte, so dass die Miesen dann wohl nicht anerkannt werden dürften.
Der BörseGo Tipp:
Betrachtet man die Märkte, dürfte es die Express-Komponente mit einem Call-Level bei 4.146,18 Punkten Ende des Jahres schwer haben. Allerdings besteht dann zumindest noch die Hoffnung, dass die bei 2.618,64 liegende Barriere zwischen Ende November 2008 und Mitte Juni 2009 halten könnte und die 15-prozentige Bonus-Chance aufgeht.
DJ Euro STOXX 50 ExpressBonus Extra Zertifikat |
|
Emittent/WKN: |
HypoVereinsbank / HV5S76 |
Laufzeit: |
24.08.2009 (letzte Fälligkeit) |
Preis: (01.07.2008) |
Geld / Brief: 91,50 € / 92,40 € |
Autor: Armin Geier, http://www.godmode-trader.de/investmentcertificates/overview
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