Wieder Übernahme von Small Cap im IT-Sektor!
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- All for One Group SE - WKN: 511000 - ISIN: DE0005110001 - Kurs: 34,700 € (XETRA)
Solche Aufschläge sind am deutschen Kurszettel eine Rarität: 67,50 EUR je Aktie in bar bietet der französische VINCI-Konzern den Aktionären der All for One Group. Das entspricht einer Prämie von 104,9 % auf den volumengewichteten Dreimonatsdurchschnittskurs und 95,5 % auf den Xetra-Schlusskurs vom 15. Juli. Der SAP-Dienstleister aus Filderstadt bei Stuttgart hat am Morgen eine Zusammenschlussvereinbarung mit der VINCI-Tochter VINCI Energies unterzeichnet. Vorstand und Aufsichtsrat unterstützen das Angebot und wollen den Aktionären die Annahme empfehlen. Die Übernahme gilt damit faktisch als ausgemachte Sache, denn Anteilseigner mit zusammen rund 54,7 % des Kapitals haben sich bereits vertraglich verpflichtet, ihre Aktien anzudienen.
Gemessen an den zuletzt gut 180 Mio. EUR Marktkapitalisierung bewertet das Angebot All for One mit rund 336 Mio. EUR.
Die Eckdaten des Angebots im Überblick
| Kennziffer | Detail |
|---|---|
| Angebotspreis | 67,50 EUR je Aktie in bar |
| Prämie (3-Monats-Durchschnitt) | 104,9 % |
| Prämie (Schlusskurs 15. Juli) | 95,5 % |
| Zugesicherte Annahme | rund 54,7 % des Kapitals |
| Mindestannahmeschwelle | 75 % |
| Erwarteter Vollzug | Q4 2026 |
| Beherrschungsvertrag | ausgeschlossen bis 1. Januar 2029 |
Das Angebot steht unter den üblichen Bedingungen, darunter fusionskontrollrechtliche Freigaben. Die Angebotsunterlage muss zunächst die Bafin passieren. Auch die Vorstandsmitglieder von All for One wollen ihre privat gehaltenen Aktien einliefern, ein deutliches Signal an die übrigen Anteilseigner.
Warum ein Baukonzern einen SAP-Spezialisten kauft
VINCI ist vor allem als Bau- und Konzessionsriese bekannt, notiert im Pariser Leitindex CAC 40 und beschäftigt weltweit 294.000 Menschen in mehr als 120 Ländern. Die Sparte VINCI Energies verfolgt jedoch seit Jahren eine eigene Digitalstrategie. Unter der Marke Axians erzielte sie 2025 einen Umsatz von 3,8 Mrd. EUR mit digitaler Infrastruktur, davon 2,7 Mrd. EUR mit dem Bau von Telekommunikations- und Glasfasernetzen, Rechenzentren und Unternehmensnetzwerken sowie 1,1 Mrd. EUR mit dem schneller wachsenden Dienstleistungsgeschäft rund um Geschäftsanwendungen, Datenanalyse und Cybersicherheit. Deses Servicegeschäft soll All for One nun massiv verstärken.
All for One bringt mehr als 4.500 Mittelstandskunden mit, die über mehrjährige Serviceverträge an das Unternehmen gebunden sind, dazu rund 3.000 Beschäftigte in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Polen sowie einen Jahresumsatz von rund 500 Mio. EUR im Geschäftsjahr 2025. Für die Franzosen ist das der direkte Zugang zu den geschäftskritischen IT-Prozessen des deutschen Mittelstands. VINCI Energies verspricht sich davon eine Führungsposition bei ERP-Lösungen der nächsten Generation, KI-Anwendungen, Cloud und Datenanalyse.
Der deutsche Mittelstand steht vor einer Migrationswelle, weil SAP die Wartung seiner alten ERP-Generation auslaufen lässt und die Kunden auf S/4HANA und Cloud-Modelle drängt. Wer wie All for One als SAP-Komplettdienstleister mit Fokus auf mittelständische Industrie- und Dienstleistungsunternehmen positioniert ist, sitzt an der Quelle dieses Umbaus. Dazu kommt der KI-Boom, der die Nachfrage nach sauberen Datenstrukturen und modernen Geschäftsanwendungen zusätzlich antreibt.
Angeschlagenes Ziel zum richtigen Preis
Für die Aktionäre von All for One kommt das Angebot nach einer zermürbenden Phase. Der SAP-Spezialist hatte seine Prognose für das Geschäftsjahr 2025/26 nach unten korrigiert, weil viele Mittelstandskunden bei großen IT-Projekten zögerten. Das Unternehmen reagierte mit einem stärkeren Fokus auf Cloud-Migrationen und Support-Dienstleistungen, deren wiederkehrende Erlöse die Marge stabilisieren sollen, und trieb die Integration der apsolut Gruppe für digitale Beschaffungsprozesse voran.
Parallel kaufte All for One über ein laufendes Rückkaufprogramm eigene Aktien zurück, was den Kursverfall aber nicht stoppen konnte. Der Börsenwert spiegelte zuletzt ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von deutlich unter 0,5, eine Bewertung, die das Unternehmen für einen strategischen Käufer mit tiefen Taschen günstig machte. Selbst mit der Prämie von 105 % zahlt VINCI kaum mehr als das 0,7-fache des Jahresumsatzes.
Die Zusammenschlussvereinbarung sichert All for One dabei ungewöhnlich weitgehende Zusagen. VINCI verpflichtet sich, die Wachstums- und Internationalisierungsstrategie zu unterstützen und die Eigenständigkeit des Unternehmens zu wahren. Ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag ist bis zum 1. Januar 2029 ausgeschlossen. Nach dem Vollzug will die Bieterin allerdings gemeinsam mit dem Vorstand ein Delisting aus dem Prime Standard der Frankfurter Börse prüfen. Hältst Du die Aktie, solltest Du Dich also darauf einstellen, dass die Börsennotiz mittelfristig endet und der Handel in dem Papier nach Abschluss der Offerte deutlich ausdünnt.

Der deutsche IT-Mittelstand wird zum Einkaufszentrum
Deutsche IT-Dienstleister notieren nach Jahren der Konjunkturflaute und der Investitionszurückhaltung im Mittelstand auf gedrückten Bewertungen, während internationale Konzerne und Finanzinvestoren nach Zugang zu genau diesen Kundenbeziehungen suchen. Der Fall All for One zeigt, wie groß die Lücke zwischen Börsenbewertung und strategischem Wert geworden ist: Ein Aufschlag von 105 % war nötig, doch selbst damit bleibt der Kaufpreis im Branchenvergleich moderat.
Wenn ein Weltkonzern wie VINCI bereit ist, für den Zugang zum deutschen Mittelstand das Doppelte des Börsenkurses zu zahlen, dürften andere unterbewertete Spezialisten aus der zweiten und dritten Reihe schon bald auf den Einkaufslisten der nächsten Bieter stehen.
Hinweis: Mein Kollege Sascha Gebhard hat die All For One Aktie im Depot, das er im Rahmen des Service stock3 Ultimate führt!
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