Welche Arbeitsplätze von KI profitieren und welche verdrängt werden könnten
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Die Ökonomen von Goldman Sachs stellen fest, dass in Berufen, in denen Arbeitnehmer einem hohen Risiko ausgesetzt sind, durch KI ersetzt zu werden, Arbeitsplätze verlorengehen. In Bereichen hingegen, in denen KI die menschliche Arbeit eher ergänzt, steigt die Beschäftigungsquote.
Insgesamt hat dies zu einer leichten Nettobelastung für den US-Arbeitsmarkt geführt, schreibt die Ökonomin Elsie Peng von Goldman Sachs Research in einem Bericht. Durch die Unterscheidung zwischen Substitution und Ergänzung entwickelte das Team eine detailliertere Analyse als frühere Studien zu diesem Thema. Sie kombinieren einen zuvor verwendeten KI-Verdrängungsindex mit einem von Ökonomen des Internationalen Währungsfonds entwickelten Index zur Messung der KI-Komplementarität – also des Ausmaßes, in dem KI menschliche Arbeitskräfte ergänzen kann, indem sie einige Aufgaben automatisiert, während weiterhin menschliches Urteilsvermögen, Kreativität und zwischenmenschliche Fähigkeiten erforderlich sind.
Verursacht KI Arbeitsplatzverluste?
Die neue Analyse, die sowohl Substitution als auch Ergänzung (Augmentation) berücksichtigt, ermöglicht es den Ökonomen, "die bisherigen Auswirkungen der KI auf den Arbeitsmarkt genauer zu untersuchen", schreibt Peng. Das Team schätzt, dass KI das monatliche Beschäftigungswachstum in den USA im vergangenen Jahr um rund 16.000 Arbeitsplätze verringert und die Arbeitslosenquote um 0,1 Prozentpunkte erhöht hat.
Abb. 1: Entwicklung der Beschäftigtenzahlen und KI-Einfluss
Branchen, in denen ein hoher Anteil von Berufen durch künstliche Intelligenz ersetzt werden kann, verzeichneten im Durchschnitt einen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Bei einer überwiegenden Ergänzung von Tätigkeiten durch KI hingegen wuchsen die Beschäftigtenzahlen.
Quelle: Goldman Sachs Research, Arbeitsministerium. Die Bereiche Gesundheitswesen, Bildungsdienstleistungen und öffentliche Verwaltung wurden nicht berücksichtigt, da sie aufgrund von Aufholeffekten nach der Pandemie ein starkes Beschäftigungswachstum verzeichneten. Stand: 24. April 2026. Bitte beachten Sie, dass frühere Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung sind.
Die Gesamtwirkung der KI auf den Arbeitsmarkt war im vergangenen Jahr jedoch wahrscheinlich geringer, als diese Zahlen vermuten lassen. Denn die Schätzungen berücksichtigen nicht vollständig den ausgleichenden Effekt durch Neueinstellungen im Zusammenhang mit dem Bau von Rechenzentren oder den zusätzlichen Arbeitskräftebedarf, der durch KI-bedingte Produktivitäts- und Einkommenssteigerungen entsteht, schreibt Peng.
Als die Ökonomen von Goldman Sachs speziell nach Arbeitsplätzen mit Potenzial für die Unterstützung durch künstliche Intelligenz suchten, stellten sie im vergangenen Jahr einen Anstieg der monatlichen Beschäftigungszahlen um etwa 9.000 Arbeitsplätze sowie einen leichten Rückgang der Arbeitslosenquote fest. Ihre Untersuchungen zeigen zudem, dass die negativen Gesamtauswirkungen der KI auf die Schaffung von Arbeitsplätzen offenbar vor allem jüngere, weniger erfahrene Arbeitnehmer betreffen.
Welche Berufe profitieren von KI?
Wo KI menschliche Arbeitskraft ersetzen kann und Unternehmen KI zur Automatisierung von Aufgaben einsetzen können, sind die Auswirkungen auf die Beschäftigung wahrscheinlich negativ. In Berufen, in denen KI die menschliche Arbeitskraft ergänzt, ist der Effekt jedoch weniger eindeutig, schreibt Peng.
Abb. 2: Am stärksten vom Substitutionseffekt betroffene Berufe
Die Grafik zeigt die Berufe, die am stärksten von einer Substitution durch KI bedroht sind. Dazu gehören zum Beispiel Telefonisten, Versicherungsanspruchsprüfer, Onlinemarketingmitarbeiter oder Buchhalter.
Quelle: Goldman Sachs Research, Stand: 24. April 2026. Bitte beachten Sie, dass frühere Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung sind.
"KI-gestützte Arbeitserleichterungen, die die Produktivität der Arbeitnehmer steigern, können die Anzahl der Arbeitskräfte verringern, die zur Erzeugung einer bestimmten Produktionsmenge benötigt werden", erklärt Peng. "Durch die Senkung der Kosten pro Produktionseinheit könnte dies jedoch auch die Nachfrage nach den produzierten Gütern so stark erhöhen, dass sich unter dem Strich ein Beschäftigungszuwachs ergibt."
Dies ist ein Beispiel für das "Jevons-Paradoxon", ein wirtschaftliches Phänomen, das erstmals im 19. Jahrhundert festgestellt wurde, als eine gesteigerte Effizienz bei der Nutzung von Kohle den Gesamtkohleverbrauch tatsächlich erhöhte (William Stanley Jevons, "The Coal Question", 1865, England). Die Effizienzsteigerung senkte den effektiven Preis, was dazu führte, dass mehr Industriezweige Kohle als Brennstoff wählten.
Bis vor Kurzem war es schwierig, zwischen Berufen zu unterscheiden, in denen KI Arbeitnehmer ersetzen wird, und solchen, in denen sie deren Tätigkeit ergänzen wird. Indizes, die Ökonomen oft verwendet haben, um zu erkennen, wo sich KI-Fähigkeiten und menschliche Fähigkeiten überschneiden, haben die Frage nach Substitution versus Ergänzung offen gelassen. Mehrere aktuelle Studien haben jedoch begonnen, diesen Unterschied herauszuarbeiten, schreibt Peng.
Wie KI den Menschen in bestimmten Berufen ergänzt
Berufe mit ähnlicher KI-Exposition können sich hinsichtlich des Grades ihrer KI-Komplementarität unterscheiden – also inwieweit KI den Menschen ergänzen kann, anstatt ihn zu ersetzen. So sind beispielsweise sowohl Kundendienstmitarbeiter als auch Innenarchitekten der KI ausgesetzt. Die Arbeit von Innenarchitekten erfordert jedoch mehr unstrukturierte Aufgaben und eine häufigere physische Anwesenheit vor Ort – Dinge, die sich nicht vollständig automatisieren lassen. Mit anderen Worten: Die KI ergänzt den Menschen in der Innenarchitektur, was dem Beruf einen höheren Augmentationswert verleiht.
Welche Berufe sind am stärksten davon bedroht, durch KI ersetzt zu werden?
Wenn Berufe auf diese Weise bewertet und sortiert werden, zeigt sich, dass Fachkräfte wie Telefonisten, Sachbearbeiter für Versicherungsansprüche und Inkassobeauftragte dem höchsten Substitutionsrisiko ausgesetzt sind. Im Gegensatz dazu bieten Berufe wie Lehrkräfte, Richter und Bauleiter das höchste Potenzial für KI-Augmentation.
Abb. 3: Berufe mit hohem Augmentationspotenzial
Neben partiellem Automatisierungspotenzial sind in vielen Berufen menschliches Urteilsvermögen, Kreativität und zwischenmenschliche Fähigkeiten unverzichtbar. Dazu gehören zum Beispiel Ingenieure, Produktionsmanager oder Rechtsanwälte.
Quelle: Goldman Sachs Research, Stand: 24. April 2026. Bitte beachten Sie, dass frühere Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung sind.
Jüngste Untersuchungen, die die Unterschiede zwischen den Kategorien Substitution und Augmentation genauer beleuchten, haben ergeben, dass Berufe und Unternehmen, die der KI-Substitution ausgesetzt sind, einen Rückgang der Betriebskosten und der Stellenausschreibungen verzeichnen. Berufe und Unternehmen mit größerem KI-Augmentationspotenzial verzeichnen hingegen eine gesteigerte Produktivität und mehr Stellenausschreibungen, schreibt Elsie Peng.
Aktuelle Analysen und Trends aus dem Finanzsektor findest Du auch im kostenlosen KnowHow-Magazin von Goldman Sachs unter www.gs.de
Dieser Artikel wird ausschließlich zu Informationszwecken zur Verfügung gestellt. Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen stellen keine Empfehlung einer Goldman Sachs-Einheit für den Empfänger dar, und Goldman Sachs erteilt weder durch diesen Artikel noch für den Empfänger eine Finanz-, Wirtschafts-, Rechts-, Anlage-, Buchhaltungs- oder Steuerberatung. Weder Goldman Sachs noch eines seiner verbundenen Unternehmen gibt eine ausdrückliche oder stillschweigende Zusicherung oder Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der in diesem Artikel enthaltenen Aussagen oder Informationen, und jegliche Haftung (einschließlich in Bezug auf direkte, indirekte oder Folgeschäden) wird ausdrücklich abgelehnt.
Quelle: Der Beitrag wurde am 24. April 2026 unter dem Titel „The Jobs AI is Likely to Boost—and Those It May Disrupt“ auf www.goldmansachs.com im Bereich Insights/Articles veröffentlicht. Bitte beachten Sie, dass die darin getroffenen Aussagen keine Anlageempfehlungen darstellen.
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