WD-40 - Jeder hat es daheim, braucht man auch die Aktie?
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- WD-40 Co. - WKN: 878588 - ISIN: US9292361071 - Kurs: 239,420 $ (Nasdaq)
WD-40 profitierte im vergangenen Quartal von neuen Vertriebskanälen, einer steigenden Nachfrage nach höherpreisigen Spezialprodukten und der Stärke seiner gut eingeführten Marke. Im dritten Geschäftsquartal übertraf der US-Konzern die Erwartungen deutlich. Ganz makellos fällt das Bild allerdings nicht aus: Ein Teil der Nachfrage wurde aus dem Schlussquartal vorgezogen, zugleich kündigt sich auf der Kostenseite neuer Margendruck an.
Der Umsatz stieg im Ende Mai abgeschlossenen Quartal um 24 % auf 195,1 Mio. USD. Analysten hatten lediglich mit 172,8 Mio. USD gerechnet. Das bereinigte Ergebnis je Aktie sprang um 51 % auf 2,33 USD und lag damit ebenfalls weit über der Konsensschätzung von 1,56 USD. Unter dem Strich verdiente WD-40 30,2 Mio. USD.
"Der Unterschied zwischen dem Umsatzwachstum von 24 % und dem Anstieg des operativen Ergebnisses um 47 % zeigt den Hebel unseres Geschäftsmodells", erklärte Finanzchefin Sara Hyzer im Analystengespräch. Höhere Absatzmengen schlagen bei WD-40 besonders stark auf den Gewinn durch, da das Geschäftsmodell vergleichsweise kapitalarm ist und die Marke hohe Preissetzungsmacht besitzt.
Wachstum in allen Regionen
Die Geschäftsentwicklung war geografisch breit abgestützt. In Nord- und Südamerika kletterte der Umsatz um 29 % auf 101,2 Mio. USD. Allein mit Wartungs- und Pflegeprodukten setzte WD-40 in der Region 98,3 Mio. USD um, 31 % mehr als im Vorjahresquartal.
Besonders stark entwickelte sich der US-Markt. Neue Vertriebsstellen, robuste Onlineverkäufe und groß angelegte Werbekampagnen sorgten für zusätzliches Geschäft. Eine gemeinsame Aktion mit Disney und der Baumarktkette Home Depot zählt nach Angaben des Unternehmens zu den größten Verkaufsförderungsmaßnahmen der Firmengeschichte.
Die Kampagne rund um eine limitierte WD-40-Dose erwies sich bislang als erstaunlich effektiv. Rund 75 % der dadurch erzielten Verkäufe seien zusätzliches Geschäft gewesen, erklärte Vorstandschef Steven Brass. Bestehende Umsätze seien somit kaum verdrängt worden. Allein im Juli will das Unternehmen mit der Kampagne rund 80 Mio. Verbraucher in den USA erreichen.
In Europa, dem Nahen Osten und Afrika stiegen die Erlöse um 17 % auf 66,6 Mio. USD. Bereinigt um Wechselkurse betrug das Plus 10 %. Besonders kräftig wuchs das Geschäft auf der iberischen Halbinsel sowie in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Auch in den zuvor schwächeren Distributorenmärkten des Nahen Ostens zog die Nachfrage wieder an. Dazu trugen strategische Veränderungen im Vertrieb und höhere Bestellungen aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten bei. Allerdings stockten einige Kunden ihre Lager angesichts geopolitischer Unsicherheiten vorsorglich auf.
In Asien-Pazifik legte der Umsatz um 24 % auf 27,3 Mio. USD zu. Das Wachstum wurde vor allem von China und mehreren südostasiatischen Märkten getragen. In China erhöhten Marketingkampagnen, Influencer-Aktivitäten und eine stärkere Präsenz im Onlinehandel sowie in industriellen Vertriebskanälen die Reichweite.
Ein starkes Quartal mit Vorzieheffekten
So überzeugend die Wachstumsraten ausfallen, sie sind nicht vollständig auf das vierte Quartal übertragbar. Kunden in Europa, Indien und China bestellten teilweise früher als üblich, um sich vor geplanten Preiserhöhungen oder möglichen Lieferengpässen zu schützen.
Nach Angaben des Managements wurden dadurch weltweit Erlöse von rund 3 Mio. USD aus dem vierten in das dritte Quartal verschoben. Das Schlussquartal dürfte daher deutlich schwächer wachsen, auch wenn es laut Finanzchefin Hyzer noch immer das zweitstärkste Quartal des laufenden Geschäftsjahres werden soll.
An der grundsätzlichen Wachstumsstory ändert die Verschiebung wenig. Die Erlöse mit Wartungsprodukten, die mittlerweile 97 % des Konzernumsatzes ausmachen, erhöhten sich im Quartal um 26 % auf den Rekordwert von 189,7 Mio. USD. Bereinigt um Wechselkurse lag das Plus bei 22 %.
Das Unternehmen wächst damit gegenwärtig deutlich schneller als seine langfristige Zielspanne vorgibt. Dauerhaft strebt WD-40 bei Wartungsprodukten ein Umsatzwachstum im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich an.
Spezialprodukte eröffnen neue Märkte
Neben dem klassischen Multifunktionsprodukt entwickelt sich vor allem die Reihe WD-40 Specialist zum Wachstumstreiber. Seit Beginn des Geschäftsjahres stiegen deren Erlöse um 22 % auf 72,9 Mio. USD.
Dabei steht die Expansion erst am Anfang. Rund 90 % des Umsatzes mit Spezialprodukten entfallen bislang auf lediglich zehn Länder. WD-40 sieht deshalb erheblichen Spielraum, die Produktreihe in weiteren Regionen und Vertriebskanälen zu etablieren. Das adressierbare Marktvolumen beziffert der Konzern auf rund 665 Mio. USD.
"Wir beginnen bei den Spezialprodukten gerade erst, Tempo aufzunehmen", sagte Brass. Das Management konzentriert sich dabei auf wenige besonders umsatzstarke Produkte. Sechs Artikel stehen bereits für rund 80 % des Umsatzes innerhalb der Specialist-Reihe. Diese sollen systematisch in zusätzliche Märkte und Verkaufsstellen gebracht werden.
Daneben kommt die Premiumstrategie des klassischen Sortiments voran. Die höherpreisigen Verpackungsvarianten Smart Straw und EZ Reach verzeichneten seit Jahresbeginn ein Umsatzplus von 19 % und stehen inzwischen für rund die Hälfte der Verkäufe des traditionellen WD-40-Multifunktionsprodukts. Solche Produkte stärken die Kundenbindung und verbessern zugleich den Produktmix.
Auch der digitale Vertrieb wächst überdurchschnittlich. Die E-Commerce-Erlöse erhöhten sich seit Jahresbeginn um 22 %, insbesondere in den USA und China. Onlineplattformen und soziale Medien machen die Produkte leichter zugänglich und helfen dem Unternehmen, neue Nutzergruppen anzusprechen.
Höhere Rohstoffkosten erreichen die Gewinnrechnung
Die hohe Profitabilität des dritten Quartals dürfte sich kurzfristig nicht vollständig halten lassen. Die Bruttomarge verbesserte sich zwar zunächst um 40 Basispunkte auf 56,6 %. Niedrigere Kosten für Sprühdosen und Abfüllung sowie ein günstigerer Produktmix überwogen die Belastungen durch teurere Vorprodukte.
Der Effekt günstiger Lagerbestände verschiebt den eigentlichen Kostendruck jedoch lediglich nach hinten. Spezialchemikalien und Grundöle verteuerten sich zeitweise erheblich stärker als der zugrunde liegende Ölpreis. Nach Angaben der Finanzchefin stiegen einzelne Einkaufspreise um 50 %, in manchen Fällen verdoppelten sie sich sogar.
Im Juni setzte zwar eine Entspannung ein. Die Kosten einiger Vorprodukte gingen um 20 % bis 25 % zurück. Der Rückgang erfolgt allerdings deutlich langsamer als der vorherige Anstieg. Die höheren Einkaufspreise dürften daher im vierten Quartal und zu Beginn des neuen Geschäftsjahres verstärkt in der Gewinnrechnung sichtbar werden.
WD-40 reagiert mit Preiserhöhungen im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Diese wurden vor allem in Europa und Asien umgesetzt. Ihre volle Wirkung sollen sie im Geschäftsjahr 2027 entfalten. Sollten sich die Rohstoffmärkte nicht weiter beruhigen, schließt das Management zusätzliche Maßnahmen nicht aus.
Brass formulierte das Ziel deutlich: "Wir werden unsere Bruttomarge entschlossen verteidigen." Der Weg zurück zu stabilen Margen dürfte dennoch mehrere Quartale beanspruchen.
Prognose steigt, wird aber schwerer planbar
Für das laufende Geschäftsjahr erwartet WD-40 nun einen berichteten Umsatz zwischen 675 Mio. und 690 Mio. USD. Das entspräche einem Wachstum von 10 % bis 12 %. Bereinigt um Wechselkurse sollen die Erlöse zwischen 652 Mio. und 667 Mio. USD liegen.
Die bereinigte Prognose für das Ergebnis je Aktie beträgt 6,05 bis 6,35 USD. Das operative Ergebnis soll 107 Mio. bis 113 Mio. USD erreichen. Die Bruttomarge erwartet das Management nun in einer Spanne von 54,5 % bis 55,5 %.
Die Vergleichbarkeit der Prognose ist allerdings eingeschränkt. WD-40 hatte ursprünglich geplant, das nordamerikanische Geschäft mit Haushalts- und Reinigungsprodukten zu verkaufen. Da sich im aktuellen Marktumfeld kein geeigneter Käufer für das gesamte Portfolio fand, werden die Marken nun vorerst behalten.
Die Sparte steht für rund 12 Mio. USD Jahresumsatz und knapp 3 Mio. USD operativen Gewinn. Strategisch bleibt sie für den Konzern jedoch unbedeutend. Das Management will die Marken künftig als sogenannte Harvest-Geschäfte führen, die trotz rückläufiger Umsätze weiterhin Cashflows liefern sollen.
Aktienrückkäufe stützen den Investmentcase
Zusätzliche Unterstützung erhält die Aktie durch ein neues Rückkaufprogramm. Der Verwaltungsrat hat den Erwerb eigener Aktien im Volumen von bis zu 100 Mio. USD beschlossen. Das Programm soll im September 2026 beginnen und besitzt keine feste Laufzeit.
Der Schritt passt zum wenig kapitalintensiven Geschäftsmodell. WD-40 benötigt vergleichsweise wenig Investitionen, erwirtschaftet hohe freie Mittelzuflüsse und kann Kapital regelmäßig über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Anteilseigner zurückgeben.
Künftig will der Konzern das bereinigte EBITDA dauerhaft schneller steigern als den Umsatz. Zugleich strebt WD-40 eine Bruttomarge von mehr als 55 % und eine Rendite auf das investierte Kapital von über 25 % an. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als "perpetual compounder", also als Geschäft, das über lange Zeiträume verlässlich Wert schaffen soll.
Fazit: WD-40 hat ein glänzendes Quartal verzeichnet. Doch mit einem 43er-KGV ist hier längst Perfektion eingepreist, obwohl die Aktie seit Jahren nicht mehr vorankommt. Ein neuer Investment-Case ist hier also nicht gegeben. Ich würde mir die WD-40-Aktie auf diesem Bewertungsniveau folglich nicht ins Depot legen, auch wenn ich die Produkte des Unternehmen gerne selbst benutze.
Weitere Analysen & News zur Aktie unserer Redaktion findest Du hier.
| Jahr | 2025 | 2026e* | 2027e* |
| Umsatz in Mio. USD | 620,00 | 670,00 | 715,00 |
| Ergebnis je Aktie in USD | 5,82 | 6,01 | 6,45 |
| KGV | 45 | 43 | 40 |
| Dividende je Aktie in USD | 0,00 | 0,00 | 0,00 |
| Dividendenrendite | 0,00% | 0,00% | 0,00% |
|
*e = erwartet, Berechnungen basieren bei |

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