Kommentar
13:00 Uhr, 01.07.2026

Warum die EZB die Mindestreserve verdoppeln will

Aus Kreisen der EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra verlautet, dass eine Verdopplung der Mindestreserve für Geschäftsbanken erwogen wird. Dieser Schritt zielt wohl primär auf die Eindämmung der Zinsausgaben des Eurosystems ab. Eine formelle Entscheidung könnte bis zum Herbst fallen.

Das Eurosystem verzeichnet aktuell eine Überschussliquidität von 2,16 Bio. EUR. Auf diese Einlagen der Geschäftsbanken zahlt die EZB einen Zinssatz von derzeit 2,25 %. Das entspricht jährlichen Zinskosten von fast 49 Mrd. EUR. Die Deutsche Bundesbank spürt dieses Zinsumfeld besonders deutlich und musste seit 2022 einen kumulierten Fehlbetrag von 51 Mrd. EUR verbuchen. Diese Verluste sind politisch heikel, weil die Bundesbank auf absehbare Zeit keine Gewinne an den Bundeshaushalt ausschütten kann. Die Erhöhung der Mindestreserve soll die Zinslast um schätzungsweise 4 Mrd. EUR pro Jahr senken, wobei die Überschussliquidität um über 160 Mrd. EUR sinken könnte.

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