Analyse
11:11 Uhr, 15.09.2026

Warnung! Wer die KI kontrolliert, kontrolliert Europas Zukunft

Europa hat bei KI nicht nur ein Wettbewerbsproblem, sondern zunehmend ein Souveränitätsproblem. Wer Rechenleistung, Modelle und Infrastruktur kontrolliert, besitzt künftig wirtschaftliche und geopolitische Macht.

„Transformative AI Strategy for Europe“. Dahinter steht eine hochkarätige Gruppe aus Ökonomen, ehemaligen Politikern und KI-Experten, darunter Nobelpreisträger Philippe Aghion, die frühere EU Kommissarin Margrethe Vestager, Wirtschaftsweise Monika Schnitzer und ifo Präsident Clemens Fuest. Ihre Warnung ist ungewöhnlich deutlich: Europa drohe dauerhaft von wenigen ausländischen Regierungen und KI-Konzernen abhängig zu werden. Entscheidungen über eine Schlüsseltechnologie würden dann in Washington, Peking oder bei einzelnen Tech-Konzernen getroffen, nicht in Europa.

Die Forderung ist deshalb Tempo und technologische Souveränität. Europas Anteil an der weltweiten KI-Rechenkapazität soll von heute rund 5% auf 15% bis 2030 steigen, Rechenzentren und KI-Infrastruktur sollen massiv auf europäischem Boden entstehen und Europa soll seine strategischen Trumpfkarten wie ASML stärker einsetzen. Monika Schnitzer beziffert den zusätzlichen europäischen Strombedarf für Rechenzentren bis 2030 auf rund 45 GW und den dafür nötigen Investitionsbedarf auf etwa 1,3 Billionen Euro.

Die Experten verlangen nicht zwingend, dass Europa sofort ein eigenes OpenAI baut. Wegen der enormen Kosten setzen sie zunächst auf eigene Infrastruktur, gesicherten Zugang zu den weltweit besten Modellen und den Aufbau eigener Fähigkeiten.

Fast zeitgleich kam dieselbe Warnung von EZB Präsidentin Christine Lagarde. Sie sagte, Europa könne durch seine Abhängigkeit von vor allem amerikanischer KI einem bislang unbekannten geopolitischen Druckmittel ausgesetzt werden. Würde der Zugang zu KI eingeschränkt oder verteuert, könnten künftig gleichzeitig Banken, Verkehr, Medizin, Verwaltung und Industrie getroffen werden. Ihre Konsequenz ebenfalls: Mehr europäische Rechenkapazität und KI-Modelle, die auf europäischer Infrastruktur laufen.

Europa hat bei KI nicht nur ein Wettbewerbsproblem, sondern zunehmend ein Souveränitätsproblem. Wer Rechenleistung, Modelle und Infrastruktur kontrolliert, besitzt künftig wirtschaftliche und geopolitische Macht.

4 Kommentare

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  • masi123
    masi123

    "Europa hat bei KI nicht nur ein Wettbewerbsproblem, sondern zunehmend ein Souveränitätsproblem."

    Das gilt doch bereits heute nahezu im gesamten Technologiebereich:

    Android (Alphabet) bei Smartphones, RDBMS-Systeme (Oracle, IBM), Windows/Explorer (Microsoft) bei PCs/Laptops usw.. Und dies betrifft sowohl Private wie Unternehmen einschließlich staatlicher Stellen.

    Auch im Verteidigungsbereich besteht eine weitreichende Abhängigkeit von US-Waffensystemen (z. B. Fxx Flugzeuge, Patriot Raketenabwehr, Satellitenaufklärung, usw. usw.).

    Von welchen neuen, zukünftigen Abhängigkeiten spricht Frau Lagarde also? Was haben die Verantwortlichen in Europa denn in der Vergangenheit dazu unternommen?

    17:32 Uhr, 15.09.
  • steffihallo
    steffihallo

    hier wird in ferner zukunft keiner die ki kontrollieren-die wird ein eigenständiges lebewesen-und uns alle überraschen

    14:04 Uhr, 15.09.
    1 Antwort anzeigen
  • starost
    starost

    Silicon Valley war der Anfang der Kontrolle. Jetzt sind wir mitten in der Spirale der Erpressbarkeit. Epstein ist nur die Spitze vom Eisberg.

    11:26 Uhr, 15.09.

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