Expertenkommentar

US-Konsumenten vor Käuferstreik?

Wir wissen es alle: 70% des US BIPs wird von Konsumausgaben bestimmt. Wenn die US Konsumenten patzig werden, dann droht Ungemach. Genau das ist nun der Fall.

Das gute US Wachstum im zweiten Quartal täuscht zunächst darüber hinweg, dass die US Konsumenten derzeit ganz und gar nicht zufrieden sind. Bei 4% Jahreswachstumsrate kann man sich das gar nicht vorstellen, aber es handelt sich bei dem Wert auch lediglich um eine Schätzung. Die kann noch in beide Richtungen korrigiert werden. Das Wachstum im ersten Quartal wurde von der ersten zur zweiten Schätzung knapp 3% nach unten korrigiert. In der dritten Veröffentlichung ging der Wert dann wieder nach oben.

Das schwache erste Quartal wurde vor allem dem harten Winter zugeschrieben. Dass das nicht die ganze Wahrheit sein kann, dürfte den meisten klar sein. Es war nicht der erste kalte Winter der US Geschichte. In früheren harten Wintern schrumpfte das BIP keineswegs so stark wie in diesem Jahr.

Man kann viele Gründe für den Rückgang des BIPs anführen. Dazu gehört auch eine temporäre Abschwächung des Aufbaus von Lagerbeständen. Viel eindrucksvoller und relevanter dürfte allerdings die Zufriedenheit der Konsumenten gewesen sein. Der ACSI (American Customer Satisfaction Index) misst die Zufriedenheit amerikanischer Konsumenten. Dieser Index war im ersten Quartal 2014 stark rückläufig.

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Die Zufriedenheit ist nicht zu verwechseln mit der Stimmung der Konsumenten. Die Stimmung kann gut sein, weil Konsumenten das Gefühl haben, sie können und wollen wieder mehr Geld ausgeben. Können und wollen allein machen aber nicht glücklich. Wer kauft bzw. kaufen will, der muss noch lange nicht zufrieden sein. Genauso sieht es momentan aus: die Stimmung ist gut, aber die Konsumenten sind dennoch unzufrieden. Der ACSI zeigt seit längerem einen Aufwärtstrend, brach Anfang 2014 allerdings recht dramatisch ein. Der Rückgang gehörte zu einem der größten in der 20-jährigen Geschichte des Index.

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Wer unzufrieden mit dem Konsumerlebnis ist, der ist geneigt, in Zukunft weniger zu konsumieren. Es gibt einen starken Zusammenhang zwischen Zufriedenheit und Konsumausgaben. Der zweite Chart zeigt die Veränderung des Gesamt-BIP Wachstums und die Veränderung des ASCI. Hier tut man sich noch schwer einen ganz klaren Zusammenhang zu sehen. In der dritten Grafik wird der Zusammenhang dann aber deutlicher. Hier sieht man die Veränderung der Zufriedenheit und die Veränderung bei den Konsumausgaben.

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Die Zufriedenheit hat einen Langzeiteffekt auf den Konsum und ist nicht sofort in den Ausgaben messbar. Immerhin muss man zuerst etwas kaufen, um festzustellen, dass man nicht zufrieden ist. Der ASCI hat daher einen Vorlaufcharakter mit einem Vorlauf von 1 bis 2 Quartalen. Das zeigt die Originalgrafik (Grafik 4) ganz gut.

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Es kann gut sein, dass der US Konsum über den Sommer seinen Höhepunkt erreicht. Der Konsum wird sicherlich weiter die Wirtschaft stützen. Mit steigender Unzufriedenheit der Konsumenten ist aber nicht davon auszugehen, dass die Wirtschaft in den kommenden Quartalen überdurchschnittlich stark wächst. Viele Analysten gehen von einer Beschleunigung des Wachstums in den USA aus. Darauf würde ich nach diesen Daten nicht wetten. Es dürfte auf ein "weiter wie bisher" hinauslaufen.

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Über den Experten

Clemens Schmale
Clemens Schmale
Finanzmarktanalyst

Clemens Schmale hat seinen persönlichen Handelsstil seit den 1990er Jahren an der Börse entwickelt.

Dieser gründet auf zwei Säulen: ein anderer Analyseansatz und andere Basiswerte. Mit anders ist vor allem die Kombination aus Global Makro, fundamentaler Analyse und Chartanalyse sowie Zukunftstrends gemeint. Während Fundamentaldaten und Makrotrends bestimmen, was konkret gehandelt wird, verlässt sich Schmale beim Timing auf die Chartanalyse. Er handelt alle Anlageklassen, wobei er sich größtenteils auf Werte konzentriert, die nicht „Mainstream“ sind. Diese Märkte sind weniger effizient als andere und ermöglichen so hohes Renditepotenzial. Sie sind damit allerdings auch spekulativer als hochliquide Märkte. Die Haltedauer einzelner Positionen variiert nach Anlageklasse, beträgt jedoch meist mehrere Tage, oft auch Wochen oder Monate.

Rohstoffe, Währungen und Volatilität handelt er aktiv, in Aktien und Anleihen investiert er eher langfristig. Die Basiswerte werden direkt – auch über Futures – oder über CFDs gehandelt, in Ausnahmefällen über Optionen und Zertifikate.

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