Expertenkommentar

US-Einzelhandelsumsatz im Fall - also doch schon jetzt Rezession?

Wenn Einzelhandelsumsätze in zwei aufeinanderfolgenden Monaten um mehr als 1% einbrechen, kann das nicht gut sein. Da der Konsum für die US-Wirtschaft von enormer Bedeutung ist, erscheint eine Rezession unausweichlich.

Die Entwicklung des Einzelhandelsumsatzes im Dezember verursachte Wellen. Als die Zahlen veröffentlicht wurden, reagierte die Börse mit deutlichen Abschlägen. Einzelhandelsumsätze sind ein Maßstab für den Konsum und dieser bestimmt zwei Drittel der US-Wirtschaft. Läuft der Konsum nicht, können die Unternehmensgewinne nicht steigen.

Im Dezember fiel der Umsatz gegenüber November um 1,2 %, nachdem es bereits im November um 1,1 % nach unten ging. Im Vergleich zu den Jahren 2020 und 2021 sind die Schwankungen kaum der Rede wert (Grafik 1). Die Pandemie ist aber vorbei und unter normalen Umständen sind Schwankungen im Prozentbereich auf Monatssicht aufsehenerregend.


Obwohl Anleger zunächst mit Verkäufen auf die Zahlen reagierten, hielt der Frust nicht lange an. Dafür gibt es gute Gründe, wenn man die Details betrachtet. Umsatzrückgänge wurden z.B. bei Tankstellen und Kaufhäusern gemessen. Hier zeigt sich ebenso wie bei Elektronik ein Abwärtstrend, der seit einigen Monaten anhält (Grafik 2).

Der Umsatzrückgang bei Tankstellen ist einfach auf niedrigere Benzinpreise zurückzuführen. Es hat nichts damit zu tun, ob Konsumenten noch konsumfreudig sind oder nicht. Bei Kaufhäusern setzt sich der Trend fort, der vor der Pandemie galt. Es wird mehr online bestellt als ins Geschäft zu gehen. Elektronikhändler wiederum leiden unter den Folgen des Kaufrausches zu Beginn der Pandemie. Man braucht eben nicht jedes Jahr einen neuen Laptop oder Kühlschrank.

Viele Effekte lassen sich weganalysieren. Dennoch sind die Zahlen nicht gut. Aus dem Kontext gegriffen sind sie sogar katastrophal. In einigen Segmenten ging der Umsatz um 2 % bis 6 % zurück (Grafik 3). Zudem ist der Abschwung breit angelegt.


Dass der Einzelhandelsumsatz insgesamt nicht stärker gefallen ist, hängt damit zusammen, wie viel Umsatz in den einzelnen Branchen erzielt wird. Auf den Autohandel entfallen über 100 Mrd. Dollar. Bei Kaufhäusern, die einen regelrechten Einbruch erlebten, sind es hingegen nur 10 Mrd. (Grafik 4).

Wie man es dreht und wendet, ein Abschwung lässt sich beim Einzelhandelsumsatz nicht leugnen. Trotzdem steht die Wirtschaft nicht vor einem Einbruch. Der Einzelhandel macht weniger als die Hälfte aller Konsumausgaben aus. Der Gesamtkonsum steigt langsamer, steigt aber noch an, während der Einzelhandelsumsatz fällt (Grafik 5).

Die Gesamtkonsumausgaben für Dezember werden erst in Kürze veröffentlicht. Aller Voraussicht nach flacht der Trend weiter ab. Das ist nicht unbedingt problematisch. Bis vor kurzem war ein Anstieg der Konsumausgaben eine Folge der Inflation. Seit kurzem sinken Preise, vor allem Güterpreise (Grafik 6). Fallen die Ausgaben für Güterkonsum um 1 % und fallen die Preise gleichzeitig ebenfalls um 1 % wie es derzeit der Fall ist, wurde immer noch die gleiche Menge verkauft. Der Rückgang der Einzelhandelsumsätze wirkt daher dramatischer, als er ist. Dem US-Konsum geht es derzeit nicht schlechter als vor einem halben Jahr.

Clemens Schmale

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Über den Experten

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Clemens Schmale
Finanzmarktanalyst

Clemens Schmale hat seinen persönlichen Handelsstil seit den 1990er Jahren an der Börse entwickelt.

Dieser gründet auf zwei Säulen: ein anderer Analyseansatz und andere Basiswerte. Mit anders ist vor allem die Kombination aus Global Makro, fundamentaler Analyse und Chartanalyse sowie Zukunftstrends gemeint. Während Fundamentaldaten und Makrotrends bestimmen, was konkret gehandelt wird, verlässt sich Schmale beim Timing auf die Chartanalyse. Er handelt alle Anlageklassen, wobei er sich größtenteils auf Werte konzentriert, die nicht „Mainstream“ sind. Diese Märkte sind weniger effizient als andere und ermöglichen so hohes Renditepotenzial. Sie sind damit allerdings auch spekulativer als hochliquide Märkte. Die Haltedauer einzelner Positionen variiert nach Anlageklasse, beträgt jedoch meist mehrere Tage, oft auch Wochen oder Monate.

Rohstoffe, Währungen und Volatilität handelt er aktiv, in Aktien und Anleihen investiert er eher langfristig. Die Basiswerte werden direkt – auch über Futures – oder über CFDs gehandelt, in Ausnahmefällen über Optionen und Zertifikate.

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