Umgehung der Straße von Hormus durch neue Pipeline-Infrastruktur ?
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Erwähnte Instrumente
- Brent Crude Öl - WKN: 967740 - ISIN: XC0009677409 - Kurs: 96,485 $/bbl. (JFD Brokers)
Täglich passierten vor dem Krieg rund 20 Mio. Barrel Öl die strategisch wichtigste Wasserstraße des Nahen Ostens. Da die Schifffahrtswege nun einer weitreichenden faktischen Blockade unterliegen, sehen sich Exporteure wie Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate gezwungen, ihre Transportwege unabhängig vom Persischen Golf neu auszurichten, und sei es nur als Backup. Denn wie es langfristig mit dem Iran weitergeht, kann derzeit niemand sagen.
Mögliche Transitkosten
Historisch betrachtet existieren kaum aktuelle Präzedenzfälle für die Besteuerung natürlicher Wasserstraßen. Während für künstliche Passagen wie den Suez- oder den Panamakanal Instandhaltungsgebühren anfallen, garantiert die Konvention von Montreux aus dem Jahr 1936 die kostenfreie Durchfahrt durch das Schwarze Meer. Auch die dänischen Zölle für den Öresund wurden 1857 auf internationalen Druck hin abgeschafft.
Derzeit hat der Iran keine offiziellen Transitgebühren für die Straße von Hormus festgelegt, verknüpft eine sichere Durchfahrt jedoch mit einer Koordination durch seine Behörden. Laut der New York Times unter Berufung auf iranische Regierungsvertreter zahlte mindestens ein Schiff kürzlich 2 Mio. USD für die Passage. Auf Basis von Vorkriegsdaten der Fachpublikation Lloyd's List, die von jährlich 18.250 Tanker-Passagen ausging, ergäbe dies theoretische Einnahmen für Teheran in Höhe von 37 Mrd. USD pro Jahr.
Eine alternative Berechnungsmethode geht von einer Gebühr von 1 USD pro Barrel aus. Unter der Annahme, dass 10 Mio. Barrel auf bestehende und neue Alternativrouten umgeleitet werden, beliefen sich die Kosten für die verbleibende Menge auf 3,7 Mrd. USD jährlich.

Alternative Infrastruktur: Das Oman-Pipeline-Projekt
Sollte die geringere Schätzung von 3,7 Mrd. USD pro Jahr eintreten, ergäbe sich bei einem Diskontsatz von 5 % – was laut aktuellen Marktdaten in etwa den Refinanzierungskosten Saudi-Arabiens für zehnjährige Staatsanleihen entspricht – über 25 Jahre ein Barwert von 54 Mrd. USD. Diese Summe bildet den finanziellen Referenzrahmen für den Bau neuer Infrastruktur.
Die bloße Erweiterung der saudi-arabischen Ost-West-Pipeline zum Roten Meer gilt aufgrund der Bedrohung durch Huthi-Rebellen an der Meerenge Bab al-Mandab als unzureichend. Möglicherweise würde man so nur die eine Bedrohung durch eine andere tauschen.
Gabriel Collins vom Baker Institute for Public Policy skizziert stattdessen den Bau zweier paralleler Pipelines mit einem Durchmesser von jeweils 56 Zoll. Diese sollen über 1.800 Kilometer vom Südirak über Kuwait, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate zu den omanischen Häfen Duqm und Salalah am Arabischen Meer führen. Damit würden beide problematischen Meerengen umgangen.
Dieses Projekt würde den Transport von täglich 10 Mio. Barrel unter Umgehung des Persischen Golfs und des Roten Meeres direkt in den Indischen Ozean ermöglichen. Die Bauzeit wird allerdings auf bis zu sieben Jahre taxiert.
Die Kosten wären immens
Die geschätzten 55 Mrd. USD für das Pipeline-Projekt gliedern sich Collins zufolge in 18 Mrd. USD für den Bau von Rohren und Pumpstationen, 12 Mrd. USD für die Projektentwicklung, 8 Mrd. USD für Verladeterminals sowie 10 Mrd. USD für Raketenabwehrsysteme (C-RAM, Patriot), die auch nötig wären, wie man zuletzt anhand der Angriffe auf die saudische Ost-West-Pipeline beobachten konnte. Weitere 7 Mrd. USD sind als Puffer für Verzögerungen eingeplant.
Pipelines als Hedge gegen weitere Konflikte?
Das Pipeline-Projekt könnte sich trotz hoher Kosten über eine Generation hinweg amortisieren. Investitionen in dieser Größenordnung für fossile Infrastruktur laufen aber dem eigentlichen Ziel der wirtschaftlichen Diversifizierung der Golfstaaten zuwider. Andererseits sind die Ölvorkommen weiterhin ihre wichtigsten Assets. Die Einnahmen sind für den Umbau der Wirtschaft auch zukünftig unverzichtbar.
Bekanntlich versuchen die Amerikaner gerade, die Straße von Hormus zu öffnen. Aber selbst wenn dies vorerst gelingen sollte, die Ängste der Golfstaaten sind da, und nicht unbegründet. Es könnte wieder passieren. Das Pipeline-Projekt dürfte den Golfstaaten daher als geopolitische Absicherung dienen, selbst wenn es letztlich nur als Reserveinfrastruktur fungiert. Akut kann das Projekt wegen der langen Bauzeit freilich kein Problem lösen.
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