Trotz Inflationsrisiken: EZB sieht sich "gut gerüstet"
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Erwähnte Instrumente
- EUR/USD - WKN: 965275 - ISIN: EU0009652759 - Kurs: 1,14862 $ (FOREX)
Hinweis: Updates von der Pressekonferenz mit EZB-Präsidentin Christine Lagarde gibt es am Ende des Artikels.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Rahmen ihres Zinsentscheids am Donnerstag die Leitzinsen in der Eurozone wie erwartet stabil gehalten. Der in der aktuellen Situation maßgebliche Einlagensatz für die Banken bleibt bei 2,00 %. Der Hauptrefinanzierungszins wurde bei 2,15 % und der Spitzenrefinanzierungszins bei 2,40 % belassen, wie die EZB mitteilte.
Die Entscheidung war so erwartet worden, nachdem die EZB bereits seit Juli 2025 die Zinsen nicht weiter gesenkt hatte. Der Öl- und Gaspreisanstieg durch den Iran-Krieg könnte die Inflation allerdings wieder anheizen und so Zinserhöhungen in den kommenden Monaten wahrscheinlicher machen. Zuletzt hatten auch einige EZB-Vertreter auf Inflationsrisiken im Zusammenhang mit den höheren Energiepreisen hingewiesen.
"Der Krieg im Nahen Osten hat zu deutlich unsichereren Aussichten geführt", heißt es im Statement zum Zinsentscheid. "Er hat Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum zur Folge. Durch höhere Energiepreise wird sich der Krieg auf kurze Frist erheblich auf die Inflation auswirken. Die mittelfristigen Auswirkungen werden sowohl von der Intensität und der Dauer des Konflikts als auch davon abhängen, wie die Energiepreise auf die Verbraucherpreise durchschlagen und die Wirtschaft beeinträchtigen."
Dennoch sieht sich die EZB "gut gerüstet, um diese Unsicherheit zu bewältigen. Die Inflation liegt in der Nähe des Zielwerts von 2 %, die längerfristigen Inflationserwartungen sind fest verankert, und die Wirtschaft hat sich in den letzten Quartalen als widerstandsfähig erwiesen. Die in nächster Zeit eingehenden Daten werden den EZB-Rat dabei unterstützen, die Auswirkungen des Krieges auf die Inflationsaussichten und die damit verbundenen Risiken zu beurteilen. Der EZB-Rat beobachtet die Lage genau. Sein datengestützter Ansatz wird ihm dabei helfen, die Geldpolitik dementsprechend festzulegen", so das Statement weiter.
Angesichts des Iran-Kriegs hat die EZB ihre Inflationsprognose für 2026 auf 2,6 % erhöht. 2027 und 2028 soll die Inflationsrate mit 2,0 % bzw. 2,1 % wieder auf bzw. in der Nähe des EZB-Ziels von 2 % liegen. Die Kerninflationsrate soll 2026 bei 2,3 %, 2027 bei 2,2 % und 2028 bei 2,1 % liegen. Die Wachstumsprognosen wurden unterdessen v.a. für 2026 nach unten revidiert. Für das laufende Jahr rechnet die EZB noch mit einem BIP-Wachstum von 0,9 %. Für 2027 werden 1,3 % und für 2028 1,4 % erwartet.
Die EZB bekräftigt im Statement zum Zinsentscheid, dass sie sich nicht vorab auf einen bestimmten Zinspfad festlegt und Zinsentscheidungen datenbasiert und von Sitzung zu Sitzung treffen wird.
Updates: Sinngemäße Aussagen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf der Pressekonferenz
- Sind entschlossen, dass sich die Inflation mittelfristig bei unserem Ziel von 2 % stabilisiert.
- Der Krieg im Nahen Osten hat zu deutlich unsichereren Aussichten geführt. Er hat Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum zur Folge. Durch höhere Energiepreise wird sich der Krieg auf kurze Frist erheblich auf die Inflation auswirken.
- Die mittelfristigen Auswirkungen werden sowohl von der Intensität und der Dauer des Konflikts als auch davon abhängen, wie die Energiepreise auf die Verbraucherpreise durchschlagen und die Wirtschaft beeinträchtigen.
- Wir sind gut gerüstet, um diese Unsicherheit zu bewältigen. Die Inflation liegt in der Nähe des Zielwerts von 2 %, die längerfristigen Inflationserwartungen sind fest verankert, und die Wirtschaft hat sich in den letzten Quartalen als widerstandsfähig erwiesen.
- Unser datengestützter Ansatz wird uns helfen, die Geldpolitik angemessen festzulegen.
- Inflationsprognosen wurden wegen des Kriegs im Nahen Osten erhöht.
- Die Absenkung der Wachstumprognosen spiegelt die höheren Rohstoffpreise im Zuge des Kriegs wieder.
- Eine verlängerte Unterbrechung der Öl- und Gaslieferungen würde dazu führen, dass die Inflation über und das Wachstum unter dem Basisszenario liegen würde.
- Legen uns nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad fest.
- Privater Konsum dürfte weiterhin der Haupttreiber des Wachstums sein. Staatsausgaben u.a für die Verteidigung sollten ebenfalls stützen, während ein negativer Beitrag vom Außenhandel erwartet wird.
- Politische Antworten auf den Energiepreisschock sollten zielgenau und zeitlich und vom Umfang her begrenzt ausfallen.
- Lohnindikatoren deuten auf weiteren Rückgang des Lohndrucks hin.
- Risiken für das Wirtschaftswachstum sind nach unten gerichtet, v.a. kurzfristig.
- Spannungen an den Finanzmärkten könnten die Nachfrage dämpfen.
- Inflationserwartungen an den Finanzmärkten müssen genau beobachtet werden.
- Risiken für die Inflationserwartungen sind nach oben gerichtet.
- Ein längerer Krieg könnte zu einem deutlicheren Preisanstieg führen.
- Der Zinsentscheid fiel einstimmig.
- Wir starten von einem guten Ausgangspunkt, um auf die Entwicklungen zu reagieren.
- Lagarde: Beobachten u.a. die Entwicklung auf allen Rohstoffmärkten sowie Nachfrageindikatoren und und Lohnindikatoren genau.
- Was sich gerade entfaltet, ist ein "ernster Schock".
- Es gab ein Basisszenario der EZB-Prognosen, das schnell veraltet war, deshalb wurde ein neues angefertigt, mit Stand vom 11. März.
- Wir sind jetzt besser vorbereitet als beim letzten Inflationsschock.
- Wir starten von einem anderen Ausgangspunkt als 2022, da die Inflation heute im Bereich des EZB-Ziels liegt. Der Arbeitsmarkt ist heute deutlich anders aufgestellt als 2022, als er sehr heiß gelaufen war. Damals gab es zudem eine aufgestaute Nachfrage.

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