Analyse
07:30 Uhr, 03.11.2026

TEAMVIEWER senkt Umsatzprognose: Erneut ein Satz mit x?

Das war wohl nix. Der Göppinger Softwarekonzern senkt seine Umsatzprognose und erwartet für 2026 nun einen Rückgang.

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Das Neugeschäft mit TeamViewer ONE wächst rasant, doch Kündigungen im Bestand und verzögerte Großaufträge zehren den Fortschritt auf.

"Wir sind noch nicht da, wo wir sein müssen“, räumt der TeamViewer-Chef ein. Aus der Vertriebspipeline würden zu langsam Abschlüsse, die Kundenbindung sei zu niedrig. Die Strategie wirkt also, aber noch nicht schnell genug, um im Bestand zu halten, was sie im Neugeschäft gewinnt.

Die Folge ist eine Prognosesenkung per Ad-hoc-Mitteilung. Statt eines währungsbereinigten Umsatzplus von bis zu 3 % rechnet TeamViewer für 2026 nun mit -2 % bis -1 %. Als Gründe nennt der Konzern verzögerte Großaufträge im Enterprise-Geschäft und neue wirtschaftliche Unsicherheit in Europa. Hinzu kommt laut Vertriebschef Mark Banfield die Haushaltsunsicherheit der US-Bundesbehörden, die große öffentliche Projekte bremst.

Gewinne vorne, Verluste hinten

Im dritten Quartal sank der Umsatz währungsbereinigt um 2,2 % auf 184,5 Mio. EUR (erwartet 188 Mio. EUR), gemessen an Vorjahreswerten, die um Effekte der 1E-Übernahme bereinigt sind. Der wiederkehrende Jahresumsatz (Annual Recurring Revenue, ARR), für Abo-Softwareanbieter die wichtigere Größe, blieb mit 736,9 Mio. EUR nahezu stabil (-0,6 %).


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Dahinter laufen zwei Entwicklungen gegeneinander. Im Enterprise-Segment mit Großkunden stieg der ARR währungsbereinigt um 6,7 % auf 237,6 Mio. EUR. Im Geschäft mit kleinen und mittleren Unternehmen (SMB), das rund zwei Drittel des ARR stellt, schrumpfte er um 3,7 % auf 499,3 Mio. EUR. In Euro gewann das Enterprise-Geschäft binnen eines Jahres rund 7 Mio. EUR an ARR hinzu, das SMB-Segment verlor 27 Mio. EUR. Die Kundenzahl sank um 6 % auf knapp 607.000.

Besonders aufschlussreich ist die Netto-Umsatzbindung, die zeigt, wie sich der Umsatz mit Bestandskunden nach Zusatzverkäufen und Kündigungen entwickelt. Sie fiel konzernweit von 97 % auf 92 %. Regional litt vor allem Amerika mit einem währungsbereinigten Umsatzminus von 5,6 %. Dort wirkt eine große einmalige Kündigung aus dem ersten Quartal nach.

Marge unter Druck, Kasse im Plus

Das bereinigte EBITDA sank um 10 % auf 78,9 Mio. EUR (erwartet 80 Mio. EUR), die Marge von 45,7 % auf 42,8 % (erwartet 42,6 %). Ursache ist weniger die Kostenseite als der schwächere Umsatz: Die wiederkehrenden Kosten stiegen nur um 1,3 %. Dabei schichtet TeamViewer gezielt um. Forschung und Entwicklung erhielt 14 % mehr Mittel, das Marketing kostete nach dem Auslaufen von Sponsoringverpflichtungen bei Manchester United 18 % weniger. Der bereinigte Überschuss fiel um 18 % auf 43,1 Mio. EUR.

Beim Cash dagegen überzeugt TeamViewer. Der für Eigenkapitalgeber verfügbare Free Cashflow stieg um 29 % auf 27,3 Mio. EUR, die Nettoverschuldung sank binnen eines Jahres um 16 % auf 819,0 Mio. EUR. Ein Schuldschein über 125 Mio. EUR, eine bis 2031 verlängerte Kreditlinie und die Tilgung des 1E-Brückenkredits verlängern die durchschnittliche Laufzeit der Schulden von 2,5 auf 3,4 Jahre.

TeamViewer ONE als Hoffnungsträger

Neu- und Zusatzverkäufe von TeamViewer ONE und den DEX-Lösungen haben sich im Jahresvergleich versechsfacht. DEX steht für Digital Employee Experience, also Software, die Störungen an Arbeitsplatzrechnern erkennt und möglichst selbstständig behebt. TeamViewer ONE stellt nach neun Monaten schon rund 10 % des Enterprise-ARR, getragen von nur 208 Kunden. Der ARR mit Kunden, die mehr als 200.000 EUR im Jahr zahlen, wuchs um 13 %. "In unseren Kundengesprächen stößt TeamViewer ONE klar auf Resonanz“, sagt Banfield.

Auch bei künstlicher Intelligenz zieht die Nutzung an: Die KI-Sitzungen stiegen im Quartal um 64 % auf 4,6 Millionen. Zudem hat ServiceNow TeamViewer-Lösungen in seine Preisliste aufgenommen. Beide arbeiten gemeinsam an agentenbasierten IT-Abläufen.

Im Markt für weitgehend autonomes IT-Management trifft TeamViewer auf DEX-Spezialisten wie Nexthink und Endpoint-Anbieter wie Tanium. Die Verkaufszyklen bei Konzernkunden sind lang, genau das bekommt TeamViewer zu spüren. In Europa prüfen Unternehmen IT-Budgets angesichts der Konjunktur genau, zudem muss TeamViewer seinen Enterprise-Vertrieb in EMEA erst ausbauen. In den USA investierte der Konzern in die Vorbereitung auf die FedRAMP-Zertifizierung für Behördenkunden. Ausgerechnet die Haushaltsunsicherheit in Washington verzögert nun diese Aufträge.

An der Börse fragen Anleger bei Softwarewerten derzeit vor allem, ob KI das Geschäftsmodell stärkt oder untergräbt. TeamViewers KI-Zahlen sind ein Gegenargument, allerdings Nutzungs- und keine Umsatzzahlen.

Die Zahlen zeigen zwei Unternehmen in einem: einen hochprofitablen Cashgenerator, der am Margenziel von rund 43 % festhält, und einen potenziellen Turnaroundkandidaten, der den Beweis weiter schuldig bleibt. Schon die Prognose vom Februar hatte am Markt enttäuscht. In Euro dürfte der Rückgang wegen erwarteter Währungseffekte von 2,3 Prozentpunkten noch deutlicher ausfallen.

Entscheidend bleibt auch die Kundenbindung. Solange Bestandskunden weniger zahlen, läuft das Neugeschäft gegen eine abwärts fahrende Rolltreppe an. Für 2027 gibt es Rückenwind: Die große Kündigung fällt aus dem Vergleich, der Vertrieb in EMEA wächst, das US-Geschäft zieht an. Steil zeigt sich "sehr zuversichtlich“, das Wachstum 2027 zu beschleunigen. Sätze die wir schon zur Genüge kennen.

Fazit: Die Zeit der Ausreden sind bei TeamViewer eigentlich schon seit dem ersten Quartal vorbei. Damals versprach der Vorstand im zweiten Halbjahr abzuliefern. Das ist wieder einmal nicht der Fall. Was bleibt ist ein niedrig bewertetes Unternehmen mit sehr hohen Cashflows und Margen, was sich kaum nach vorne entwickelt. Anleger können Stand heute an der Seitenlinie bleiben.

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Jahr 2025 2026e* 2027e*
Umsatz in Mio. EUR 746,00 759,00 784,00
Ergebnis je Aktie in EUR 1,17 1,02 1,10
KGV 6 7 6
Dividende je Aktie in EUR 0,00 0,00 0,00
Dividendenrendite 0,00% 0,00% 0,00%

*e = erwartet, Berechnungen basieren bei
US-Unternehmen auf Non-GAAP-Daten

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