Kommentar
11:44 Uhr, 22.02.2026

So umgeht Russland Sanktionen über Krypto-Börsen

Trotz Sanktionen fließen Milliardenbeträge über Kryptowährungen nach Russland. Ein neuer Bericht zeigt, welche Plattformen dabei eine zentrale Rolle spielen.

  • Mehrere Krypto-Dienstleister mit operativen oder finanziellen Verbindungen nach Russland ermöglichen weiterhin die Umgehung internationaler Sanktionen. Das geht aus einem aktuellen Bericht der Blockchain-Analysefirma Elliptic hervor. Identifiziert werden fünf Plattformen, von denen die meisten bislang nicht selbst sanktioniert sind.
  • Laut Elliptic stellen diese Börsen Transaktionsrouten bereit, “die es russischen Akteuren erlauben, grenzüberschreitende Zahlungen außerhalb der traditionellen Bankenaufsicht abzuwickeln”. Fiat-Währungen wie der Rubel würden über diese Dienste in Kryptowährungen umgewandelt, anschließend transferiert und im Ausland wieder in Landeswährung getauscht.
  • Als einzige der fünf Plattformen ist bislang Bitpapa von der US-Sanktionsbehörde OFAC gelistet. Die Börse wurde im März 2024 sanktioniert. Elliptic zufolge fließen rund 9,7 Prozent der von Bitpapa ausgehenden Kryptotransaktionen an bereits sanktionierte Adressen, davon etwa fünf Prozent direkt an die ebenfalls sanktionierte Börse Garantex. Zudem deute die Blockchain-Analyse darauf hin, dass Bitpapa Wallet-Adressen fortlaufend rotiere, “um Transaktionsüberwachungssysteme daran zu hindern, Bitpapa als Gegenpartei zu identifizieren”.
  • Die größte nicht sanktionierte Plattform im Bericht ist ABCeX. Das Unternehmen betreibt laut Elliptic ein Büro im Moskauer Federation Tower, in dem zuvor Garantex ansässig war. ABCeX habe mindestens elf Milliarden US-Dollar an Kryptoassets verarbeitet, wobei erhebliche Volumina an Garantex und Aifory Pro geflossen seien.
  • Besonders hervorgehoben wird zudem Exmo. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022 erklärte Exmo, sich durch den Verkauf des Regionalgeschäfts an Exmo.me aus dem russischen Markt zurückgezogen zu haben. Die On-Chain-Daten zeigten jedoch, dass Exmo.com und Exmo.me weiterhin „dieselbe Custodial-Wallet-Infrastruktur“ nutzten. Einlagen würden in identische Hot Wallets gehalten, Auszahlungen aus denselben Adressen vorgenommen. Exmo habe laut Bericht direkte Transaktionen im Umfang von mehr als 19,5 Millionen US-Dollar mit sanktionierten Akteuren wie Garantex, Grinex und Chatex durchgeführt.
  • Ebenfalls genannt werden Rapira, das nach Elliptic-Angaben über 72 Millionen US-Dollar direkt mit der sanktionierten Börse Grinex transferiert hat, sowie Aifory Pro. Letzteres bietet unter anderem virtuelle Zahlungskarten an, die mit USDT-Guthaben hinterlegt sind und so Zahlungen für in Russland blockierte Dienste ermöglichen.
  • Die Europäische Union prüft derweil laut Bericht ein umfassendes Verbot sämtlicher Krypto-Transaktionen mit Russland, um die Entstehung neuer Ausweichplattformen zu verhindern.

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