Analyse
15:30 Uhr, 13.08.2026

SINGULUS - Der Patient lebt, wird er auch wieder gesund?

Singulus Technologies meldet sich operativ zurück. Nach Jahren mit Verlusten, Finanzierungsproblemen und enttäuschten Hoffnungen wächst der Anlagenbauer kräftig und schreibt wieder schwarze Zahlen.

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Unter der Oberfläche bleibt das Bild jedoch nur bedingt überzeugend: Der Auftragseingang brach im zweiten Quartal ein, der operative Cashflow ist negativ und das Eigenkapital tiefrot. Zudem hängen wichtige Wachstumshoffnungen erneut an Großprojekten, deren Realisierung Singulus nicht selbst kontrolliert.

Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp 45 % auf 45,3 Mio. EUR. Der Auftragseingang verbesserte sich von 21,1 auf 37,9 Mio. EUR. Der Auftragsbestand lag Ende Juni allerdings nur noch bei 55,1 Mio. EUR, nach 67,2 Mio. EUR ein Jahr zuvor.

Entscheidend ist die Rückkehr in die Gewinnzone. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern erreichte 2,7 Mio. EUR, nachdem im Vorjahr noch ein Verlust von 1,3 Mio. EUR angefallen war. Die EBIT-Marge verbesserte sich damit von minus 4,2 % auf 6,0 %. Unter dem Strich verdiente Singulus 1,3 Mio. EUR oder 0,15 EUR je Aktie. Im Vorjahr hatte der Verlust 2,1 Mio. EUR beziehungsweise 0,24 EUR je Aktie betragen.

Solar treibt das Geschäft

Der größte Umsatzbringer war das Solargeschäft mit 29,2 Mio. EUR. Auf Halbleiteranlagen entfielen 9,4 Mio. EUR, auf Life Science 6,7 Mio. EUR. Damit stammten fast zwei Drittel der Erlöse aus dem Solarsektor. Diese Konzentration ist Chance und Risiko zugleich: Große Solarprojekte können den Umsatz schnell nach oben treiben, weisen nach Aussage des Vorstands aber tendenziell niedrigere Margen auf als das Halbleitergeschäft.


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Die Bruttomarge stieg von 31,9 % auf 33,5 %. Das ist umso bemerkenswerter, weil Singulus gleichzeitig die Forschungsausgaben von 2,3 auf 3,4 Mio. EUR erhöhte. Belastet wurde das Ergebnis durch einen nicht liquiditätswirksamen Aufwand von 1,8 Mio. EUR aus einem aktienkursabhängigen Vergütungsprogramm. Ohne diesen Effekt wäre das operative Ergebnis rechnerisch noch deutlich höher ausgefallen. Gleichwohl handelt es sich um einen realen Vergütungsaufwand und nicht bloß um eine irrelevante Buchungsposition.

Für 2026 bestätigt der Vorstand einen Umsatz von rund 83 Mio. EUR und ein positives EBIT im niedrigen einstelligen Millionenbereich. Nach 45,3 Mio. EUR Umsatz und 2,7 Mio. EUR EBIT im ersten Halbjahr erscheint dieses Ziel erreichbar. Für den Umsatz müssen in der zweiten Jahreshälfte noch 37,7 Mio. EUR erzielt werden. Der vorhandene Auftragsbestand bietet dafür grundsätzlich ausreichende Deckung.

Schwacher Auftragseingang im zweiten Quartal

Der kritische Punkt steckt in der Entwicklung innerhalb des Halbjahres. Im ersten Quartal hatte Singulus Aufträge über 28,8 Mio. EUR eingesammelt. Im zweiten Quartal kamen lediglich rund 9,1 Mio. EUR hinzu. Der Vorstand sprach von Verzögerungen und erwartet, dass sich die Dynamik im dritten und vierten Quartal wieder verbessert.

Konkrete Belege dafür lieferte das Management im Call allerdings noch nicht. Neue Aufträge aus den Segmenten Solar und Halbleiter seien zu erwarten, größere Projekte befänden sich in Vorbereitung. Gerade beim strategischen Partner aus der Solarindustrie liegt die Entscheidung über eine Umsetzung jedoch allein beim Kunden. Einen wesentlichen Umsatzbeitrag erwartet Singulus ausdrücklich "definitiv nicht 2026", sondern erst ab 2027.

Auch die laufenden Entwicklungsarbeiten mit diesem nicht genannten Technologiekonzern sind noch nicht abgeschlossen. Singulus arbeite einen umfangreichen Entwicklungsplan ab und erreiche bislang die vereinbarten Zwischenziele. Der Ressourceneinsatz sei erheblich. Das eröffnet großes Potenzial, bedeutet aber auch Vorleistungen, bevor ein verbindlicher Großauftrag vorliegt.

Ähnliches gilt für Turnkey-Projekte in der Solarindustrie. Singulus will komplette Produktionslösungen einschließlich Prozessgarantien anbieten. Solche Aufträge können hohe Volumina bringen, sind aber komplex und kapitalintensiv. Mehrere potenzielle Kunden befinden sich nach Angaben des Vorstands noch in Finanzierungsgesprächen. Damit bleibt offen, wann aus der Pipeline tatsächlich Umsatz wird.

KI-Chips als neue Hoffnung

Im Halbleitergeschäft richtet Singulus den Blick verstärkt auf Advanced Packaging, magnetische Sensoren und Komponenten für KI-Rechenzentren. Die Anlagenplattform Timaris soll zunehmend in der industriellen Serienproduktion eingesetzt werden. In den vergangenen Jahren musste Singulus dafür Hardware und Software an die Anforderungen größerer Fabriken und Foundries anpassen.

Neue Möglichkeiten soll die Übernahme ausgewählter Vermögenswerte der insolventen Mass GmbH eröffnen. Singulus übernahm Technologien, Kundenkontakte und 22 Beschäftigte für einen niedrigen fünf- bis kleinen sechsstelligen Betrag. Die Anlagen zum Vakuumfüllen feinster Leiterplattenstrukturen sowie zum Trocknen und Aushärten sollen den Zugang zum Backend der Halbleiterindustrie verbessern.

Der Vorstand bezeichnete das Geschäft bildhaft als "kleine Blume, die wir gepflanzt haben". 2026 werde der Ergebnisbeitrag noch vernachlässigbar bleiben. Ab 2027 könnten daraus jedoch Aufträge entstehen, unter anderem für dichter gepackte Leiterplatten und das Wärmemanagement leistungsfähiger KI-Systeme. Erste Gespräche mit größeren Industriekunden laufen, belastbare Umsatzgrößen nannte Singulus aber nicht.

Cashflow und Eigenkapital bleiben kritisch

Die größte Schwachstelle bleibt die Bilanz. Der operative Cashflow verschlechterte sich von minus 1,4 auf minus 4,0 Mio. EUR. Gleichzeitig stiegen die kurzfristigen Forderungen und sonstigen Vermögenswerte von 22,1 auf 30,5 Mio. EUR. Der Vorstand erwartet, dass Kundenforderungen bezahlt werden und neue Projekte Anzahlungen bringen. Zum Jahresende soll der operative Cashflow positiv sein.

Das verfügbare Barvermögen betrug Ende Juni lediglich 6,8 Mio. EUR. Im September steht zudem die Rückzahlung einer Finanzierung über 2,9 Mio. EUR an den chinesischen Partner CTIC an. Singulus erwartet einen damit verbundenen Mittelzufluss und bezeichnete die Rückzahlung als "überhaupt kein Problem".

Die langfristige Finanzierung wurde durch Kredite über 31 Mio. EUR und eine Wandelanleihe über 3,6 Mio. EUR verlängert. Der Großteil diente allerdings der Ablösung bestehender Verbindlichkeiten und brachte daher nur begrenzt zusätzliche Liquidität. Besonders schwer wiegt das negative Eigenkapital von 62,6 Mio. EUR, nach minus 51,7 Mio. EUR im Vorjahr. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten von 76,9 Mio. EUR übersteigen zudem die verfügbaren liquiden Mittel bei Weitem.

Fazit: Vor zwei Jahren hätte ich nicht gedacht, noch einmal über die Singulus-Aktie schreiben zu dürfen. Das Unternehmen stand lange auf der Kippe und wurde schließlich doch wieder einmal gerettet. Nun stehen mit dem neuen, noch unbekannten Großaktionär spannende Zeiten ins Haus. Auch die Umplatzierung eines größeren Aktienpakets ist noch nicht abgeschlossen. Anleger müssen sich daher weiterhin auf eine hohe Volatilität einstellen. Andererseits bietet eine Marktkapitalisierung von rund 65 Mio. EUR die Chance, an zahlreichen spannenden Zukunftstechnologien beteiligt zu sein. Für sehr spekulative Anleger ist die Aktie daher durchaus eine kleine Position beziehungsweise Wette wert.

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Jahr 2025 2026e* 2027e*
Umsatz in Mio. EUR 48,30 86,90 108,00
Ergebnis je Aktie in EUR -1,60 0,22 0,33
KGV - 34 22
Dividende je Aktie in EUR 0,00 0,00 0,00
Dividendenrendite 0,00% 0,00% 0,00%

*e = erwartet, Berechnungen basieren bei
US-Unternehmen auf Non-GAAP-Daten

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