Analyse
13:20 Uhr, 02.07.2026

SAP zieht die Zügel an und setzt alles auf KI

Europas größter Softwarekonzern SAP reagiert auf den wachsenden Druck durch neue KI-Anbieter mit einer klaren internen Priorisierung: weniger Neueinstellungen, weniger Reisen, strengere Ausgabendisziplin und mehr Mittel für das strategisch wichtigste Zukunftsfeld.

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Der Umbau zeigt, wie sehr die KI-Welle inzwischen auch etablierte Softwarehäuser zwingt, ihre Ressourcen neu zu verteilen.

Nach Informationen von Bloomberg informierte der Vorstand die Belegschaft am Mittwochabend darüber, dass neue Einstellungen künftig nur noch sehr selektiv erfolgen sollen. Im Fokus stehen demnach vor allem Profile, die für zentrale KI-Rollen relevant sind. Auch interne Reisen, die nicht im direkten Zusammenhang mit der KI-Entwicklung stehen, sollen vorerst ausgesetzt werden. Zusätzlich will SAP die Ausgaben gegenüber Lieferanten überprüfen.

Der Ton der internen Botschaft ist eindeutig: SAP will dort sparen, wo es kurzfristig entbehrlich erscheint, um dort investieren zu können, wo der Konzern seine langfristige Wettbewerbsfähigkeit sieht. In der Mitteilung heißt es, künstliche Intelligenz verändere die Zukunft der Branche grundlegend. Deshalb investiere SAP erheblich in Produkte und KI-Fähigkeiten und ergänze diese Investitionen durch gezielte Zukäufe in den Bereichen Daten und KI.

Christian Klein rückt KI ins Zentrum allen Handelns

Erst in dieser Woche hatte SAP eine weitere Neuordnung im Management bekannt gegeben. Dabei wurden Verantwortlichkeiten rund um die KI-Entwicklung stärker bei Klein und dem operativen Vorstand gebündelt.

Der Druck ist beträchtlich. Neue Wettbewerber wie Anthropic wachsen rasant und nähren am Kapitalmarkt die Sorge, klassische Softwareanbieter könnten durch KI-basierte Anwendungen an Bedeutung verlieren. Gerade Anbieter von Unternehmenssoftware stehen vor einer unbequemen Frage: Werden ihre bestehenden Plattformen durch KI noch wertvoller, weil sie tief in den Geschäftsprozessen der Kunden verankert sind, oder werden Teile dieser Software durch flexiblere KI-Agenten ersetzt?


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SAP setzt erkennbar auf die erste Antwort. Der Konzern will seine starke Stellung in der Unternehmens-IT nutzen, um KI tief in bestehende Geschäftsprozesse einzubetten. Genau darin liegt der strategische Vorteil gegenüber vielen neuen KI-Anbietern: SAP sitzt bereits in den Kernsystemen großer Unternehmen, von Finanzen über Personal bis zur Lieferkette. Die Herausforderung besteht darin, diese Position in konkrete, zahlungsbereite KI-Produkte zu übersetzen.

Zukäufe sollen den Rückstand verkürzen

SAP hat in diesem Jahr bereits mehrere Unternehmen übernommen, um die eigenen Fähigkeiten im KI-Zeitalter zu stärken. Die jüngste Entwicklung zeigt allerdings auch, wie intensiv der Wettbewerb um Daten- und KI-Kompetenz geworden ist. Nach Bloomberg-Informationen führte SAP Gespräche über eine Übernahme des Industrie-KI- und Datenunternehmens Cognite, kam dabei aber nicht zum Zug. Stattdessen einigte sich Schneider Electric auf einen Kauf von Cognite für 3,1 Mrd. USD.

Dass SAP bei einem solchen Ziel leer ausgeht, ist kein Drama, aber ein Hinweis auf die neue Realität. Datenplattformen, industrielle KI-Kompetenz und branchenspezifische Anwendungen sind inzwischen wichtige Assets. Wer hier zu spät kommt, muss entweder teuer zukaufen oder intern schneller entwickeln. Beides kostet Geld. Die nun beschlossenen Sparmaßnahmen sind deshalb weniger als klassischer Sparkurs zu verstehen, sondern als Umschichtung von Kapital und Managementressourcen.

Ein SAP-Sprecher erklärte Bloomberg zufolge, der Konzern überprüfe seine Investitionen fortlaufend, um sich auf Kundennutzen und Innovation zu konzentrieren. Kundennahe Aktivitäten und kritische KI-Initiativen blieben vollständig unterstützt.

Altsoftware unter Druck, Cloudmigration als Bremsklotz

SAP ist mit diesem Problem nicht allein. Auch Salesforce, Workday und Microsoft haben in den vergangenen zwei Jahren Tausende Stellen gestrichen, während zugleich der Investitionsdruck in KI-Infrastruktur, Modelle und Produkte gestiegen ist. Der Unterschied liegt im Ausgangspunkt: SAP-Kunden befinden sich vielfach noch mitten in der Migration von lokal installierter Software in die Cloud. Diese Umstellung ist komplex, teuer und bindet Ressourcen, die dann für neue KI-Projekte fehlen.

Genau hier liegt ein zentrales Risiko. Wenn Kunden bereits hohe Ausgaben für die Cloudtransformation schultern müssen, ist ihre Bereitschaft begrenzt, zusätzlich für frühe KI-Funktionen zu zahlen, deren konkreter Nutzen noch nicht immer überzeugend belegt ist. Der Konzern muss zeigen, dass die Technologie echte Produktivitätsgewinne liefert.

Finanziell hat SAP bereits im vergangenen Jahr hart durchgegriffen. Das Unternehmen schloss ein Restrukturierungsprogramm ab, das mehr als 3 Mrd. EUR kostete und zum Abbau von 10.000 Stellen führte. Finanzchef Dominik Asam hatte zudem angekündigt, der Konzern werde jährlich weiterhin 1 % bis 2 % der Stellen abbauen. Die neue Zurückhaltung bei Einstellungen und Reisen fügt sich damit in eine längere Phase der Kostendisziplin ein.

Fazit: Der CEO von SAP handelt weiter entschlossen, aber wohl auch aus einer Position des Drucks heraus. Doch auch die US-Unternehmen machen es nicht anders. KI-First ist überall das Motto. Man muss sich damit nicht verstecken. Die Bewertung ist auf einem relativ niedrigen Niveau angekommen. Anleger können weiterhin schrittweise in Tranchen oder per Sparplan einsteigen.

Jahr 2025 2026e* 2027e*
Umsatz in Mrd. EUR 36,80 40,16 44,81
Ergebnis je Aktie in EUR 6,15 7,24 8,45
KGV 23 19 17
Dividende je Aktie in EUR 2,50 2,70 3,00
Dividendenrendite 1,79% 1,93% 2,14%

*e = erwartet, Berechnungen basieren bei
US-Unternehmen auf Non-GAAP-Daten

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