Kommentar
14:30 Uhr, 04.03.2026

Revolution an der Wall Street: NVIDIA verzichtet künftig auf Bilanz-Trick!

Der KI-Chipriese Nvidia will eine der umstrittensten Praktiken der Tech-Bilanzierung aufgeben. Künftig wird das Unternehmen aktienbasierte Vergütung nicht mehr aus seinen bereinigten Gewinnkennzahlen herausrechnen.

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  • ISIN: US67066G1040Kopiert
    Kursstand: 180,050 $ (Nasdaq) - Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
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  • NVIDIA Corp. - WKN: 918422 - ISIN: US67066G1040 - Kurs: 180,050 $ (Nasdaq)

Damit rücken die von Nvidia kommunizierten Gewinne näher an die offiziellen Ergebnisse nach US-Bilanzstandard GAAP heran und erhöhen zugleich den Druck auf zahlreiche andere Technologiekonzerne, so das Wall Street Journal.

Milliardenprofit, geringe Verwässerung

Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte Nvidia einen Nettogewinn von rund 120 Mrd. USD. Darin enthalten waren lediglich 6,4 Mrd. USD an aktienbasierter Vergütung für Mitarbeiter. Im Verhältnis zum Gewinn ist dieser Posten für den KI-Marktführer vergleichsweise gering.

Genau diese Kennzahl ist jedoch seit Jahren ein Streitpunkt in der Technologiebranche. Viele Unternehmen präsentieren Investoren neben den offiziellen GAAP-Zahlen sogenannte Non-GAAP-Gewinne, bei denen Kosten für Aktienvergütung ausgeklammert werden. Kritiker sehen darin eine Schönung der Profitabilität, da die Ausgabe von Aktien letztlich reale wirtschaftliche Kosten verursacht.

Mit der neuen Praxis setzt Nvidia nun einen Kontrapunkt. Unter den großen US-Technologiekonzernen bleibt Tesla damit der einzige Vertreter der sogenannten "Magnificent Seven“, der aktienbasierte Vergütung weiterhin aus seinen bereinigten Gewinnkennzahlen ausklammert.

Softwarefirmen besonders abhängig von Bereinigungen

Während der Effekt für Nvidia überschaubar bleibt, hätte eine ähnliche Umstellung bei vielen Softwarefirmen deutlich größere Folgen.

Der Datenplattformanbieter Snowflake etwa wies im vergangenen Geschäftsjahr 1,7 Mrd. USD an aktienbasierter Vergütung aus. Durch deren Ausklammerung verwandelte sich ein GAAP-Nettoverlust von 1,3 Mrd. USD in einen bereinigten Gewinn von 466 Mio. USD, so das WSJ.

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Cybersicherheitsanbieter CrowdStrike. Das Unternehmen meldete für das Geschäftsjahr bis Ende Januar Non-GAAP-Gewinne von 957 Mio. USD, obwohl unter GAAP ein Nettoverlust von 163 Mio. USD anfiel. Der Unterschied resultiert maßgeblich aus 1,1 Mrd. USD an Aktienvergütung.

Für viele Softwarekonzerne sind diese Anpassungen zentral für die Darstellung ihres Geschäftsmodells. Würden Investoren künftig stärker auf die offiziellen Zahlen achten, könnten einige Technologieunternehmen unter Druck geraten.

Die Debatte um aktienbasierte Vergütung hat zuletzt wieder an Fahrt aufgenommen, weil ihre tatsächlichen Cash-Kosten stärker sichtbar werden. Nvidia meldete zwar lediglich 6,4 Mrd. USD Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung, musste jedoch 7,9 Mrd. USD an Steuern auf ausgeübte Mitarbeiteraktien bezahlen.

Diese Steuern entstehen, wenn Mitarbeiter ihre Aktienoptionen erhalten und deren Wert seit der Ausgabe stark gestiegen ist. Nvidia begleicht die Steuerlast aus eigener Liquidität, statt entsprechende Aktien am Markt zu verkaufen. Das reduziert zwar die Verwässerung der Aktionäre, belastet jedoch den Cashbestand.

Parallel dazu investiert der Konzern massiv in Aktienrückkäufe. Rund 40 Mrd. USD gab Nvidia im vergangenen Jahr für Buybacks aus. Schätzungsweise 15,5 Mrd. USD davon dienten lediglich dazu, die Verwässerung durch neu ausgegebene Mitarbeiteraktien auszugleichen.

Fazit: Für viele andere Tech-Unternehmen dürfte ein solcher Schritt deutlich schmerzhafter sein. Sollte sich die Praxis durchsetzen und Investoren stärker auf die ungeschönten Zahlen schauen, könnte dies insbesondere im Softwaresektor zu einer Neubewertung führen. Nvidia sendet mit seiner Entscheidung ein starkes Signal für mehr Transparenz in der Tech-Bilanzierung. Für den KI-Champion selbst ist der Effekt überschaubar, doch für zahlreiche Softwarefirmen könnte ein ähnlicher Schritt die Gewinnstory empfindlich treffen.

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