PORSCHE verkauft weniger und verdient mehr
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- Porsche AG Vz - WKN: PAG911 - ISIN: DE000PAG9113 - Kurs: 41,330 € (XETRA)
Hinter der Erholung stehen höhere Preise, ein starker 911 und der Wegfall milliardenschwerer Sonderlasten. Die Jahresprognose steht, lässt aber Fragen zum Schlussquartal offen.
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Es gibt Unternehmen, die unter schrumpfenden Stückzahlen leiden, und es gibt Porsche. Fast jedes sechste Fahrzeug weniger hat der Stuttgarter Sportwagenbauer in den ersten neun Monaten an seine Kunden übergeben, und doch steht unter dem Strich ein Ergebnis, das den Vorjahreswert um ein Vielfaches übertrifft. Im Konzern heißt das Prinzip Value over Volume, also Wert vor Menge. Die Neunmonatszahlen zeigen, dass die Formel für den Moment aufgeht.
Preis schlägt Menge
Der Konzernumsatz sank um 5,9 % auf 25,28 Mrd. EUR, während die Auslieferungen um 16,0 % auf 178.532 Fahrzeuge zurückgingen. Die Lücke schließt der Preis: Der durchschnittliche Erlös je verkauftem Fahrzeug im Automobilgeschäft stieg von 120.000 auf 126.000 EUR. Ein höherer Anteil margenstarker GTS-, Turbo- und GT-Modelle sowie konsequente Preisdisziplin stützten die Ergebnisqualität.
Das operative Ergebnis schnellte von 0,04 auf 1,74 Mrd. EUR, die operative Umsatzrendite von 0,2 auf 6,9 %. Der Sprung relativiert sich allerdings beim Blick auf die Basis. Im Vorjahreszeitraum hatten Aufwendungen für die strategische Neuausrichtung von 2,7 Mrd. EUR das Ergebnis nahezu aufgezehrt, in diesem Jahr belasteten sie netto noch rund 500 Mio. EUR. Im Automobilgeschäft kletterte die EBITDA-Marge auf 17,3 % nach 11,9 %. Nach Steuern blieben 1,82 Mrd. EUR, wozu auch ein Veräußerungsgewinn von 593 Mio. EUR aus dem Verkauf der Beteiligungen an Bugatti Rimac und der Rimac Group beitrug.
Auch der Cashflow profitiert von diesem Ausstieg. Der Netto-Cashflow Automobile stieg auf 2,50 Mrd. EUR nach 1,34 Mrd. EUR, die Marge auf 11,3 %. Ohne den Mittelzufluss von 984 Mio. EUR aus dem Rimac-Verkauf, der im Wesentlichen in diese Größe einfloss, fiele der Zuwachs deutlich bescheidener aus. Allein im dritten Quartal drückten zudem Sonderbelastungen von 250 Mio. EUR für Pensionen, 200 Mio. EUR durch US-Zölle und 100 bis 200 Mio. EUR für den Umbau auf den Wert. Die Netto-Liquidität Automobile wuchs seit Jahresbeginn um 884 Mio. EUR auf 8,23 Mrd. EUR. Finanzvorstand Jochen Breckner sieht darin die "notwendige Stärke, unseren eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen“.
Der 911 als Anker
Die Modellbilanz zeigt, wie ungleich die Last verteilt ist. Der 911 legte um 12 % auf 42.217 Einheiten zu, der Cayenne hielt sich mit 59.586 Fahrzeugen nahezu stabil und bleibt die volumenstärkste Baureihe; seit dem Sommer wird auch seine vollelektrische Version ausgeliefert. Beim Macan sanken die Auslieferungen um 21 %, weil der starke Elektro-Hochlauf des Vorjahres als Vergleichsbasis wirkt und die Produktion des Verbrenners auslief. Panamera und Taycan verloren jeweils rund ein Drittel, der 718 brach nach dem Produktionsende im Oktober 2025 um 79 % ein.
Strategisch treibt Porsche die Konzentration auf das Kerngeschäft voran. Neben dem Rimac-Ausstieg wurde im August der Verkauf der Management- und IT-Beratung MHP an Tata Consultancy Services vereinbart, der Abschluss wird binnen zwölf Monaten erwartet. Mit der auf dem Capital Markets Day vorgestellten Strategie Sportwagenschmiede ’35 will Vorstandschef Michael Leiters das Portfolio um neue emotionale Produkte erweitern, als deren Vorbote das Visionsmodell Mission S gilt, und den Konzern zugleich „schlanker und agiler“ aufstellen. Die Investitionen bleiben 2026 erhöht und sollen danach strukturell sinken, Partnerschaften und Lizenzen sollen Vorrang vor eigenen Beteiligungen haben. Aktionären stellt Porsche künftig eine Ausschüttungsquote von mindestens 50 % in Aussicht.
Quelle: Präsentation Porsche
Gegenwind aus China und Washington
In China, dessen Anteil an den Auslieferungen von 15 auf 12 % schrumpfte, schwächelt vor allem das Luxussegment, und Porsche verzichtet dort bewusst auf Volumen um jeden Preis. Nordamerika bleibt mit 56.088 Fahrzeugen die größte Absatzregion, doch die US-Importzölle drücken auf Kosten und Liquidität. Hinzu kommt ein Branchentrend, der Porsche besonders trifft: Die Elektromobilität setzt sich im exklusiven Segment langsamer durch als erwartet. Der BEV-Anteil sank auf 21,7 % nach 23,1 %, Kompensationszahlungen im Zusammenhang mit dem gebremsten Hochlauf belasten zusätzlich die Kosten.
Die Jahresprognose bestätigt Porsche: 35 bis 36 Mrd. EUR Umsatz, eine operative Umsatzrendite von 5,5 bis 7,5 % und eine Netto-Cashflow-Marge Automobile in derselben Spanne.
Fazit: Unterm Strich belegt Porsche, dass Preissetzungsmacht und ein starker 911 einen Volumeneinbruch abfedern können. Die Ergebnisverbesserung speist sich jedoch zu einem guten Teil aus dem Wegfall von Sonderlasten und einmaligen Verkaufserlösen. Für kommendes Jahr sind die Erwartungen bereits stark zurückgekommen. Porsche ist im Umbruch und kehrt ab 2028 hoffentlich wieder zu alter Stärke zurück. Doch das ist noch ein langer Weg. Nur wer viel Geduld hat steigt heute schon beider Porsche-Aktie ein.
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| Jahr | 2025 | 2026e* | 2027e* |
| Umsatz in Mrd. EUR | 36,27 | 34,91 | 34,09 |
| Ergebnis je Aktie in EUR | 0,48 | 1,89 | 1,82 |
| KGV | 86 | 22 | 23 |
| Dividende je Aktie in EUR | 1,00 | 1,04 | 1,02 |
| Dividendenrendite | 2,42% | 2,52% | 2,47% |
|
*e = erwartet, Berechnungen basieren bei |

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