PORSCHE verordnet sich die Kunst des Weglassens
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- Porsche AG Vz - WKN: PAG911 - ISIN: DE000PAG9113 - Kurs: 43,910 € (XETRA)
In Weissach erfindet Porsche seine Autos. Dass der Konzern seine neue Strategie ausgerechnet im Entwicklungszentrum vorstellt, ist deshalb ein Signal. Porsche hat jahrelang in Batteriezellen, E-Bikes, Hypercar-Beteiligungen und IT-Beratung investiert und gleichzeitig in China an Boden verloren. Nun will das Unternehmen zurück zu dem, was es groß gemacht hat. Unter dem Titel "Sportwagenschmiede ’35“ verordnet sich Porsche eine Rückbesinnung, die zugleich eine Schrumpfkur ist.
An den Kapitalmarkt richtet sich vor allem eine Botschaft: Porsche soll unabhängiger von der Stückzahl werden. Künftig will der Hersteller die Gewinnschwelle schon mit weniger als 200.000 verkauften Fahrzeugen pro Jahr erreichen. Das Leitprinzip "Value over Volume“ ist nicht neu. Neu ist, dass eine Kostenbasis es stützen soll, die auch schwache Jahre aushält.
Leiters beschreibt den Umbau in drei Phasen, und die erste ist eine Sparphase. "Aktuell geht es vor allem darum, Kosten zu senken und das Unternehmen finanziell robuster zu machen“, sagt er. Wichtige Meilensteine seien bereits erreicht.
Von der Talsohle zur zweistelligen Marge
Wie weit der Weg noch ist, zeigen die jüngsten Zahlen. Im ersten Halbjahr 2026 sank der Konzernumsatz um 5,1 % auf 17,23 Mrd. EUR. Die Auslieferungen fielen um 16,5 % auf 122.306 Fahrzeuge. Das operative Ergebnis stieg dennoch um 33,9 % auf 1,35 Mrd. EUR, die operative Umsatzrendite verbesserte sich von 5,5 % auf 7,8 %. Für das Gesamtjahr erwartet Porsche einen Umsatz von 35 bis 36 Mrd. EUR, eine operative Umsatzrendite von 5,5 bis 7,5 % und eine Netto-Cashflow-Marge Automobile von 3 bis 5 %.
Daran gemessen sind die neuen Ziele ein großer Sprung. Mittelfristig bestätigt Porsche eine operative Konzernumsatzrendite von 10 bis 15 %. Der Konzernumsatz soll auf 41 bis 45 Mrd. EUR steigen. Langfristig strebt Porsche 15 % operative Rendite und 12 % Cashflow-Marge an. Einen konkreten Zeitpunkt für "mittelfristig“ nennt das Unternehmen nicht.
Finanzvorstand Jochen Breckner gibt eine klare Reihenfolge vor. Der Umsatz soll schneller wachsen als der Absatz, das Ergebnis schneller als der Umsatz, und der Cashflow soll überproportional zulegen. Grundlage seien "ein höherer Wert je Fahrzeug, ein attraktiverer Produktmix sowie eine nachhaltig effizientere Kosten- und Kapitalbasis“. Porsche räumt selbst ein, dass das obere Ende der Spannen ein besseres makroökonomisches, geopolitisches und regulatorisches Umfeld oder zusätzliche Initiativen erfordert. China ist nach Unternehmensangaben sehr konservativ eingeplant. Die Aktionäre sollen weiterhin mindestens 50 % des Konzerngewinns nach Steuern als Dividende erhalten. Die Nettoliquidität soll bei 15 bis 20 % des Automobilumsatzes liegen. Nach dem Investitionshöhepunkt 2026 sollen Investitionen und Forschungsausgaben deutlich sinken.
Weniger Breite, mehr Spitze
Die Ertragswende soll vor allem aus dem Produktportfolio kommen. Porsche will rund 20 % weniger Modellvarianten anbieten, damit das Volumen je Variante um rund 30 % steigt. Gleichzeitig verlagert der Hersteller sein Gewicht in die margenstarken D- und E-Segmente, deren Anteil am Portfolio um rund 45 % wachsen soll. Bei den Spitzenmodellen soll der durchschnittliche Verkaufspreis mittelfristig um rund 20 % steigen, mit entsprechend mehr Produktsubstanz.
Die Modellplanung wird konkret. Die vollelektrischen 718 Boxster und Cayman sollen 2028, in ihrem ersten vollen Produktionsjahr, den Absatz stützen. Ebenfalls 2028 stellt Porsche ein neues SUV im B-Segment mit Verbrenner und Plug-in-Hybrid vor. Es wird parallel zum elektrischen Macan angeboten und soll ab 2029 spürbar zu Umsatz und Ergebnis beitragen. Darüber hinaus entwickelt Porsche eine Mittelmotor-Supersportwagenplattform für eine Baureihe oberhalb des 911 und prüft ein SUV oberhalb des Cayenne. Bis 2030 soll jedes Jahr mindestens ein markenprägendes neues Produkt erscheinen.
Bei den Antrieben bleibt Porsche beim Dreiklang aus Verbrenner, Plug-in-Hybrid und Elektro. Das Unternehmen investiert in eigene Verbrenner- und Hybridantriebe und in die nächste Batteriegeneration. Ein Abschied von der Elektromobilität ist das nicht, wohl aber eine Korrektur: Der Elektroanteil an den Auslieferungen lag im ersten Halbjahr bei 19,4 %, nach 23,5 % im Vorjahreszeitraum. Mit Audi baut Porsche die gemeinsame Nutzung der Plattformen PPE und PPC aus. Ein weiterer Hebel ist die Individualisierung. Den Umsatz mit dem Sonderwunsch-Programm will Porsche mittelfristig versechsfachen. Unter dem Dach "Home of Sports Cars“ bündelt das Unternehmen künftig Performance, Exklusivität und Heritage. Seinen Anteil an der Manthey Racing GmbH hat Porsche dafür auf 67 % erhöht.
Der Preis der Schlankheit
Auf der Kostenseite ist die Liste lang. Die Entwicklungskosten künftiger Baureihen sollen um bis zu 20 % sinken, die Personalkosten in der Fertigung um bis zu 30 % und die Vertriebskosten um 20 %. Dazu verringert Porsche die Zahl seiner Vertriebsregionen von fünf auf vier. Bei neuen Fahrzeugprojekten sollen die Materialeinzelkosten rund 10 % unter den bisherigen Planungen liegen. Eine Qualitätsinitiative soll die Garantiekosten um bis zu 45 % senken. Porsche Engineering und Porsche Digital gehen in der neuen Einheit Porsche Technologies auf.
Am härtesten trifft der Umbau die Belegschaft. Das mit der Arbeitnehmerseite vereinbarte Zukunftspaket sieht einen sozialverträglichen Abbau von rund 9.000 Stellen vor. Im Gegenzug sind die Standorte der Stammbelegschaft bis 2035 gesichert. Die Zahl der Managementpositionen soll um 40 % sinken, die Belegschaft im direkten und indirekten Bereich mittelfristig um 25 %, strategisch sogar um 30 %. Boni sollen enger an den persönlichen Beitrag gekoppelt werden. Für 2028 will der Vorstand ein Mitarbeiteraktienprogramm vorschlagen.
Auch das Beteiligungsportfolio wird kleiner. Porsche hat seine Anteile an Rimac und Bugatti Rimac verkauft und den Verkauf der Beratungstochter MHP unterzeichnet. Bei der Cellforce Group, Porsche eBike Performance und Cetitec sollen Entwicklung und Produktion eingestellt werden. Der Konzern trennt sich damit von genau jenen Zukunftswetten, die er vor wenigen Jahren noch als strategisch bezeichnet hatte.
Zwischen Luxus und Premium
Porsche beansprucht für sich eine Sonderstellung: unten der Einstieg in die Marke im sportlichen Top-Premium-Segment, oben sportlicher Luxus. Diese Spannweite ist Stärke und Schwäche zugleich. Am oberen Ende misst sich Porsche an Ferrari, das seit Jahren zeigt, wie knappe Stückzahlen und ein starkes Individualisierungsgeschäft hohe Renditen erzeugen. Am unteren Ende spürt Porsche denselben Nachfragedruck wie die übrigen deutschen Premiumhersteller, besonders in China.
Die neue Strategie verschiebt das Gewicht deutlich nach oben. Mehr Supersportwagen, mehr 911-Derivate, mehr Sonderwunsch, weniger Massenvarianten: Porsche nähert sich damit dem Luxusmodell an, ohne den Einstieg vollständig aufzugeben.
Fazit: Die Strategie von Porsche halte ich für in sich schlüssig. Das Unternehmen will wieder zu seinem Markenkern zurück, und der ist weiterhin extrem stark. Der Weg dorthin ist aber weit. Die Porsche-Aktie dürfte es noch einige Zeit schwer haben, bis sich die Ergebnisse zeigen. Vorschusslorbeeren wird der Markt kaum noch verteilen, dazu ist zu viel Negatives passiert. Auf dem aktuellen Niveau ist die Aktie für Anleger ratsam, die drei, vier oder fünf Jahre Zeit mitbringen und sich gern am Wiederaufstieg der ikonischen Marke beteiligen möchten.
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| Jahr | 2025 | 2026e* | 2027e* |
| Umsatz in Mrd. EUR | 36,27 | 35,05 | 34,35 |
| Ergebnis je Aktie in EUR | 0,48 | 1,91 | 1,92 |
| KGV | 87 | 22 | 22 |
| Dividende je Aktie in EUR | 1,01 | 1,03 | 1,06 |
| Dividendenrendite | 2,42% | 2,46% | 2,54% |
|
*e = erwartet, Berechnungen basieren bei |

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