Nach Zinserhöhung: EZB-Ratsmitglieder sehen weiteren Handlungsbedarf
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- Brent Crude Öl - WKN: 967740 - ISIN: XC0009677409 - Kurs: 108,139 $/bbl. (GBE brokers)
Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen gerade erst erhöht, doch die Debatte über weitere Schritte läuft bereits. Mehrere Mitglieder des EZB-Rats sehen weiterhin erhebliche Inflationsrisiken. Besonders aufmerksam beobachten sie, ob hohe Energiepreise zunehmend auf Löhne und andere Verbraucherpreise durchschlagen.
Der slowakische Notenbankchef Peter Kazimir machte am Montag deutlich, dass er weitere Zinserhöhungen bei Bedarf unterstützt. "Wir werden jede Entscheidung treffen, wenn sie notwendig ist, und wir werden nicht schwanken, wenn die Fakten ein Handeln verlangen", schrieb er in einem Beitrag für die slowakische Zentralbank.
Zunächst will Kazimir jedoch sehen, wie stark sich die höheren Energiekosten in der übrigen Wirtschaft bemerkbar machen. Entscheidend ist für ihn, ob Nachfrage und Arbeitsmarkt stark genug bleiben, um Zweitrundeneffekte auszulösen. Unternehmen könnten dann höhere Kosten stärker weitergeben, Beschäftigte zugleich höhere Löhne fordern.
EZB hebt Inflationsprognosen an
Erst am vergangenen Donnerstag erhöhte der EZB-Rat seine drei Leitzinsen um jeweils 0,25 Prozentpunkte. Der für die Geldpolitik wichtige Einlagensatz liegt seitdem bei 2,5 %. Es war die zweite Zinserhöhung seit Beginn des Iran-Kriegs.
Zugleich korrigierte die EZB ihre Inflationsprognosen nach oben. Für 2027 erwartet sie nun eine durchschnittliche Teuerungsrate von 2,5 %, für 2028 von 2,1 %. Damit läge die Inflation auch 2028 noch leicht über dem Zielwert von 2 %.
Kazimir sieht die Inflationsrisiken klar auf der Oberseite. Neben Öl beobachtet er zunehmend Erdgas und Strom. Bleiben die Energiekosten länger hoch, steigt aus seiner Sicht die Gefahr, dass Unternehmen und Beschäftigte dauerhaft mit höheren Preissteigerungen rechnen.
Für die EZB ist dieser Punkt entscheidend. Höhere Zinsen können zwar den Anstieg von Öl- oder Gaspreisen nicht beseitigen, aber die Nachfrage dämpfen und damit den Effekt abschwächen, dass sich der Energieschock über Löhne, Unternehmenspreise und Inflationserwartungen stärker festsetzt. Zumindest ist das die Theorie dahinter. Ob das in der Praxis die richtige Medizin angesichts des Angebotsschocks ist, bleibt umstritten.
Märkte rechnen mit weiteren Zinsschritten
Auch an den Finanzmärkten hat sich die Erwartung weiterer Straffungen verstärkt. Nach Angaben von Bloomberg waren am Montag bis Oktober 2027 insgesamt drei weitere Zinserhöhungen eingepreist.
Kazimir sieht darin keinen Widerspruch zur offenen Kommunikation der EZB. Seiner Einschätzung nach verstehen Anleger inzwischen gut, wie der EZB-Rat auf neue Konjunktur- und Inflationsdaten reagiert. Die Notenbank könne deshalb zunächst beobachten und trotzdem rasch handeln, falls sich der Inflationsausblick verschlechtert.
Auch der lettische Notenbankchef Martins Kazaks sieht zunehmend Argumente für weitere Zinserhöhungen. Aus seiner Sicht könnte es notwendig werden, dass die Zinsen in einen restriktiveren Bereich steigen.
Kazaks plädiert dennoch für ein schrittweises Vorgehen. Einen weiteren Zinsschritt bereits bei der nächsten Sitzung fordert er damit nicht.
Oktober bleibt eine Option
Ähnlich äußerte sich der litauische Notenbankchef Gediminas Simkus. Eine umfassendere Neubewertung der Konjunktur- und Inflationslage bietet sich aus seiner Sicht zwar im Dezember an. Schon im Oktober dürfte die EZB jedoch besser einschätzen können, ob sich der Inflationsausblick weiter verschlechtert.
Damit gibt es bislang keine erkennbare Festlegung auf eine weitere Zinserhöhung schon im Oktober. Mehrere Ratsmitglieder machen aber deutlich, dass der aktuelle Einlagensatz von 2,50 % nicht das Ende der Straffung markiert.
Wo das Hauptproblem liegt, kann man jeden Tag in den Nachrichten lesen. Die Situation in der Straße von Hormus bekommt möglicherweise auch noch ein Zwillingsproblem in der Meerenge von Ba-Al-Mandab, wo die Huthi-Rebellen zuletzt offensiv vorgingen. Gleichzeitig ist derzeit eine wichtige "Bypass"-Pipeline der Saudis lahmgelegt, mit der sie 7 Mio. Barrel am Tag transportieren können, eine enorme Menge bei einem weltweiten Verbrauch von gut 100 Mio. Barrel pro Tag. Derweil wurden auch noch die Gespräche zwischen Oman und Iran bezüglich der Handhabung der Straße von Hormus verschoben.
Schlimmer geht´s immer, aber das ist schon eine deftige Kombination. Man sieht es am Ölpreis und liest es an der Zapfsäule ab. Dagegen kann die EZB im Prinzip nicht viel machen machen. Selbst die zarten Versuche einer Nachfragedämpfung in einem ohnehin nicht gerade boomenden wirtschaftlichen Umfeld könnten durch politische Maßnahmen wie einer Senkung von Spritpreisabgaben (die Forderungen dürften bald wieder akut werden) zunichte gemacht werden. Abe Untätigkeit will man sich natürlich auch nicht vorwerfen lassen.

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