MÄRKTE USA/Anleger weiter in Verkaufsstimmung - Zinsen auf Achtmonatshoch
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Von Steffen Gosenheimer
DOW JONES--An der Wall Street dominiert auch am Freitag Verkaufsneigung angesichts der verworrenen Nachrichtenlage zu den Friedensbemühungen im Iran-Krieg. Dazu bleiben die Ölpreise auf dem seit Kriegsausbruch drastisch erhöhten Niveau. Die Unsicherheit an den Finanzmärkten über den Fortgang des Konflikts und damit dessen Folgen für Energiepreise, Lieferketten, Inflation und Geldpolitik nimmt eher noch zu. Zwar hat US-Präsident Trump die Angriffe auf iranische Energieanlagen erneut ausgesetzt - nun räumt er Iran eine Frist bis zum 6. April -, angeblich weil der Iran darum gebeten habe und weil man gute Gespräche führe. Der Iran dementiert das aber weiterhin.
"Die diplomatische Dissonanz beunruhige die Investoren", kommentiert Doug Beath, globaler Aktienstratege beim Wells Fargo Investment Institute. Und Jim Bianco, Präsident und Makrostratege bei Bianco Research, meint: "Nur wenn die Iraner sagen, dass die Gespräche gut laufen, wird das die Märkte beeinflussen." Die große Sorge ist, dass der Energiepreisschock schwerwiegende Folgen für die Inflation haben wird und damit auch für das globale Wachstum. Zugleich fehlen in den Lieferketten auch andere Produkte als Folge gesperrter Wasserstraßen.
Zusätzlich drücken Spekulationen über die mögliche Entsendung von bis zu 10.000 US-Soldaten in den Nahen Osten auf die Stimmung, nach entsprechenden Aussagen von Vertretern des Verteidigungsministeriums, die mit der Planung vertraut sind. Gerade vor dem Wochenende, an dem Marktteilnehmer nicht unmittelbar auf neue Ereignisse reagieren können, dürften viele Akteure auf Nummer sicher gehen und sich eher von Aktien trennen.
Der Dow-Jones-Index verliert zur Mittagszeit in New York 0,9 Prozent auf 45.550 Punkte. Der S&P-500 kommt um 0,8 Prozent zurück, der Nasdaq-Composite gibt um 1,1 Prozent nach. Dass sich im März die Verbraucherstimmung laut dem Index der Universität Michigan etwas stärker eingetrübt hat als erwartet, bewegt die Kurse im aktuellen Umfeld nicht.
Wegen der weiterhin weitgehend geschlossene Seestraße von Hormus kommen von den Ölpreisen keinerlei Entspannungssignale. Im Gegenteil steigt der Brent-Ölpreis zum Vortag sogar um 3,1 Prozent auf 111,30 Dollar.
Der Dollar baut als "sicherer Hafen" die jüngsten Gewinne noch etwas aus, zusätzlich gestützt von den kräftig gestiegenen Marktzinsen. Der Euro kostet 1,1523 Dollar. Der Goldpreis macht derweil die starken Vortagesverluste vollständig wieder wett, ungeachtet des höheren Dollar und der steigenden Marktzinsen, die in der Regel eher belasten. Möglicherweise werde das Edelmetall als sicherer Hafen wieder entdeckt, so Beobachter. Die Feinunze verteuert sich um 148 Dollar auf 5.527 Dollar.
Am Anleihemarkt steigt die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf ihren höchsten Stand seit acht Monaten - getrieben von steigenden Ölpreisen und in der Folge zunehmenden Inflations- und Zinserhöhungsängsten. Sie klettert um 1 Basispunkt auf 4,43 Prozent, im Tageshoch waren es 4,48 Prozent. Weil das höhere Zinsniveau die Aufnahme neuer Schulden durch die US-Regierung verteuert, könne von dieser Seite Trumps Politik unter Druck gesetzt werden, sagt Analyst Matt Britzman von Hargreaves Lansdown. "Wir wissen, dass das Weiße Haus den Anleihemarkt genau beobachtet, daher wird der Druck steigen, eher früher als später eine Einigung im Nahen Osten zu erzielen."
Am Aktienmarkt werden mit den hohen Öl- und Gaspreisen wie schon am Vortag Titel aus dem Energiesektor gekauft, ihr Subindex steigt um 2,0 Prozent. Gemieden werden wegen der durch den Ölpreisschub eingetrübten Konjunkturaussichten Aktien zyklischer Branchen.
Unity Software steigen um 9,9 Prozent. Der Videospielentwickler hat starke Geschäftszahlen vorgelegt und angekündigt, das Portfolio neu auszurichten und sich aus bestimmten Geschäftsbereichen zurückzuziehen. Gegen den schwachen Markt zeigen sich Netflix kaum verändert, nachdem der Streaminganbieter Preiserhöhungen angekündigt hat. Dazu kommt ein höheres Kursziel durch Oppenheimer als Unterstützung.
Tesla fallen um 1,7 Prozent auf 365,72 Dollar. Die Aktie muss über 367,96 Dollar schließen, um eine fünf Wochen andauernde Verlustserie zu beenden. Seit das Unternehmen starke Ergebnisse für das vierte Quartal gemeldet hat, warten Investoren auf einen neuen Impuls - etwa durch die Expansion des Robo-Taxi-Geschäfts oder die Vorstellung der dritten Generation des humanoiden Roboters Optimus.
Meta Platforms geben um weitere 3,5 Prozent nach dem verlorenen und potenziell wegweisenden Social-Media-Prozess nach. Alphabet verlieren 1,4 Prozent. Beide Unternehmen wollen gegen das Urteil vorgehen, wonach ihre Plattformen süchtig machten und psychische Belastungen verursachten.
=== INDEX zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag DJIA 45.550,35 -0,9 -409,76 45.960,11 S&P-500 6.426,09 -0,8 -51,07 6.477,16 NASDAQ Comp 21.169,84 -1,1 -238,24 21.408,08 NASDAQ 100 23.358,97 -1,0 -228,03 23.587,00 US-Treasuries Rendite +/- Tageshoch Tagestief 2 Jahre 3,93 -0,05 4,03 3,91 5 Jahre 4,07 -0,02 4,15 4,06 10 Jahre 4,42 +0,01 4,48 4,40 DEVISEN zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Do, 18:40 Uhr EUR/USD 1,1525 -0,0 -0,0001 1,1526 1,1529 EUR/JPY 184,57 +0,2 0,3900 184,18 184,1600 EUR/CHF 0,918 +0,2 0,0016 0,9164 0,9163 EUR/GBP 0,8666 +0,2 0,0020 0,8646 0,8646 USD/JPY 160,13 +0,2 0,3300 159,8 159,7000 GBP/USD 1,3292 -0,3 -0,0037 1,3329 1,3336 USD/CNY 6,9116 +0,0 0,0009 6,9107 6,9107 USD/CNH 6,9147 -0,1 -0,0037 6,9184 6,9202 AUS/USD 0,689 +0,1 0,0006 0,6884 0,6893 Bitcoin/USD 66.023,45 -4,3 -2.944,95 68.968,40 68.964,85 ROHÖL zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag WTI/Nymex 97,85 +3,6 3,37 94,48 Brent/ICE 111,3 +3,1 3,29 108,01 Metalle zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Gold 4.526,39 +3,4 147,38 4.379,01 Silber 70,75 +4,0 2,72 68,03 Platin 1.883,46 +3,1 56,21 1.827,25 ===
Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com
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