KI-Boom mit Biogas: Strom für Rechenzentren durch grünes Gas
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Der Hunger der Künstlichen Intelligenz nach Energie ist grenzenlos, doch die globalen Stromnetze stehen vor einer Zerreißprobe. Während Tech-Giganten wie Microsoft und Google händeringend nach CO2-neutraler Grundlast suchen, rückt eine bewährte Technologie in das Zentrum der Macht: Grünes Gas. Inmitten dieses Infrastruktur-Dilemmas positionieren sich Hardware-Riesen wie Siemens Energy und Biogas-Spezialisten wie Verbio als die neuen Profiteure der digitalen Welt.
Die Strom-Lücke: Wenn das Netz zum Flaschenhals wird
Bis zum Jahr 2026 hat sich der Energiebedarf von Rechenzentren weltweit massiv beschleunigt. Aktuelle Daten von Statista und der Internationalen Energieagentur (IEA) verdeutlichen die Dimension: Der Anteil von Data Centern am globalen Stromverbrauch nähert sich der Marke von 1.000 Terawattstunden (TWh). Zum Vergleich: Das entspricht fast dem doppelten Jahresverbrauch von ganz Deutschland.
Das Kernproblem ist jedoch nicht nur die schiere Menge, sondern die Verfügbarkeit vor Ort. In Ballungsräumen wie Frankfurt am Main oder dem US-Hub Ashburn dauert der Anschluss eines neuen KI-Campus an das öffentliche Netz mittlerweile oft fünf bis sieben Jahre. Betreiber können es sich schlicht nicht mehr leisten, auf den Netzausbau zu warten.
Diese Aktien profitieren!
Die Stromknappheit 2026 ist für die Digitalisierung Fluch und Segen zugleich. Da Netzanschlüsse für KI-Campus oft Jahre dauern, etablieren Unternehmen das Prinzip „Bring Your Own Generation“. Anbieter, die sofort einsatzbereite, klimaneutrale Kraftwerkslösungen direkt am Server-Standort installieren, werden zu unverzichtbaren Infrastruktur-Partnern.
Verbio
Verbio wandelt sich vom Biokraftstoff-Hersteller zum strategischen Partner für Rechenzentren. Das Unternehmen produziert Biomethan (Renewable Natural Gas), das über das bestehende Gasnetz zu den dezentralen Turbinen der Rechenzentren transportiert werden kann. Damit bietet Verbio die Lösung für das größte Problem der Tech-Branche: Wie man 24/7 Grundlaststrom liefert, der am besten gleichzeitig klimaneutral ist. Besonders der Standort Indiana (South Bend) in den USA dient als Blaupause für die Versorgung lokaler Daten-Hubs.
Nach einem schwierigen Übergangsjahr 2025 zeigt die Prognose für 2026 eine deutliche Erholung. Analysten erwarten einen Umsatzanstieg auf etwa 1,8 Milliarden Euro. Das EBITDA soll sich nach den massiven Investitionen in den USA stabilisieren, wobei Verbio 2026 wieder in die Gewinnzone (Nettogewinn-Prognose ca. 5,4 Millionen Euro) zurückkehrt.
Konkurrenz aus den USA
Clean Energy Fuels ist der Peer-Konkurrent in den USA. Während Verbio stark in der Produktion ist, kontrolliert CLNE ein riesiges Distributionsnetz. Das Risiko für Verbio liegt in der Volatilität der Quotenpreise für Biokraftstoffe und der Gefahr, dass rein amerikanische Player wie CLNE bei der Vergabe von lokalen Lieferverträgen für staatlich geförderte Rechenzentren bevorzugt werden.
Chart
Die Verbio Aktie zaubert seit Oktober 2025 eine schöne Aufwärtsrallye aufs Börsenparkett. Langfristig ist die Aktie von ihren Hochs um 80 EUR zwar noch entfernt, aber sollte die Story mit KI-Biogas weiter gespielt werden, sind diese Kurse definitiv wieder möglich. Aktuell bildet die Aktie eine Seitwärtsphase aus, welche nach Ausbruch zur Oberseite eine schöne Unterstützung für die weitere Rallye bieten kann.
Prozyklisch bietet sich ein Einstieg nach diesem Ausbruch mit einem KO-Schein der HSBC (WKN: HT4DNG) an. Das Zertifikat hat eine KO-Schwelle bei 8,75 EUR, woraus ein Hebel von 1,53x resultiert.
Siemens Energy
Siemens Energy liefert die physische Grundlage für den KI-Boom. Das Unternehmen produziert die Gasturbinen und Netztechnik, die Rechenzentren benötigen, um unabhängig vom überlasteten öffentlichen Stromnetz zu operieren. Besonders gefragt sind die hocheffizienten Gasturbinen, die bereits heute wasserstofffähig (H2-ready) sind. In den USA hat sich der Absatz dieser Turbinen bis 2026 nahezu verdoppelt, da Hyperscaler wie Microsoft und AWS eigene Kraftwerke direkt neben ihren Server-Farmen errichten.
Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 konnte Siemens Energy seinen Nettogewinn auf 746 Millionen Euro fast verdreifachen. Der Auftragsbestand erreichte ein neues Allzeithoch von 146 Milliarden Euro, getrieben durch die enorme Nachfrage nach Energieinfrastruktur in Nordamerika. Für das Gesamtjahr 2026 peilt der Konzern einen Umsatz von rund 43 bis 45 Milliarden Euro an.
Konkurrenz aus den USA
GE Vernova ist der schärfste Rivale. Das US-Unternehmen verfügt über eine noch stärkere Präsenz im heimischen Markt und profitiert direkter von US-Subventionen. Das Risiko für Siemens Energy besteht darin, dass GE Vernova durch eine schlankere Kostenstruktur und eine höhere Marge im Servicegeschäft preislich aggressiver agieren kann, besonders bei Großprojekten in den USA.
Chart
Die Aktie von Siemens Energy läuft immer weiter und weiter und weiter… Dass die Rallye so lange anhält und so dynamisch läuft, habe ich nicht für möglich gehalten. Der Abstant zur 200 Tage Linie ist schon lange erhöht. Aktull ist die Aktie für einen Einstieg nicht interessant.
2G Energy
2G Energy baut Blockheizkraftwerke (BHKW), die wie maßgeschneiderte Energie-Module für Rechenzentren funktionieren. Diese Anlagen können mit Biomethan oder Wasserstoff betrieben werden und erzeugen Strom und Wärme direkt vor Ort. Der Clou für Rechenzentren: Die Abwärme der Motoren kann über Absorptionskältemaschinen zur Kühlung der Server genutzt werden (Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung). Dies steigert die Effizienz massiv und macht 2G Energy zum Liebling für kleinere, dezentrale KI-Edge-Zentren.
2G Energy bestätigt für 2026 eine Wachstumsprognose mit einem Zielumsatz von bis zu 490 Millionen Euro. Der Auftragseingang im Bereich der dezentralen Gaskraftwerke legte zuletzt um über 140 Prozent zu. Die angestrebte EBIT-Marge liegt zwischen 9 und 11 Prozent.
Konkurrenz aus den USA
Generac Holdings ist ein mächtiger Wettbewerber im Bereich der Notstrom- und Inselversorgung in Nordamerika. Generac verfügt über weitaus größere Skaleneffekte und einen dominierenden Zugang zu US-Installationsnetzwerken. Das Risiko für 2G Energy ist der begrenzte Marktzugang in den USA im Vergleich zu diesem Schwergewicht, was die internationale Skalierung bremsen könnte.
Chart
Die 2G Energy Aktie notiert seit längerer Zeit in einer unsauberen Seitwärtsphase. Das Chartbild bleibt über 34 EUR konstruktiv und über 39 EUR könnte neuer Schwung in die Aktie reinkommen, und damit eine neue Rallye auslösen. Wichtig bleibt kurzfristig, dass sowohl die 50- als auch die 200-Tage-Linie gehalten wird.
Fazit: Die Hardware Wette auf den KI-Boom
Die Symbiose aus digitaler Hochtechnologie und dezentraler Energieerzeugung ist 2026 keine Zukunftsvision mehr, sondern operative Realität. Der physische Flaschenhals der KI-Revolution ist nicht mehr nur die Rechenleistung, sondern die Verfügbarkeit von grünem Strom.
Für Anleger bietet dieser Sektor eine seltene Gelegenheit: Die Partizipation am KI-Wachstum über substanzstarke Industrie- und Energiewerte, die reale Infrastrukturprobleme lösen. Während Software-Aktien oft hohen Bewertungen unterliegen, bieten die Power-Enabler wie Siemens Energy, Verbio und 2G Energy eine greifbare Wachstumsstory mit fundamentaler Absicherung. Wer heute in die Energie-Infrastruktur von morgen investiert, setzt auf das Fundament, ohne das kein einziger KI-Algorithmus der Zukunft laufen wird.
Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte
Der Autor ist im besprochenen Wertpapier bzw. Basiswert zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse nicht investiert. Transparenzhinweis. Der Artikel dient nur Informationszwecken und stellt keinen Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren da.
