KI bedroht Big-Tech: Warum Bitcoin davon profitiert
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Der Aufstieg künstlicher Intelligenz stellt das Geschäftsmodell vieler Softwarekonzerne grundlegend infrage, mit direkten Auswirkungen auf die Kapitalmärkte. Für Makrostratege Jordi Visser ist klar: Sinkende Margen im Softwaresektor treffen auf ein Umfeld, in dem Bitcoin gleich doppelt profitiert.
Visser, einst Chief Investment Officer bei Weiss Multi-Strategy Advisers und heute bei 22V, zieht im Gespräch mit Anthony Pompliano eine klare Trennlinie zwischen klassischen Software-Aktien und Bitcoin. Auslöser ist eine schwache Berichtssaison im Tech-Sektor, doch seine Argumentation greift tiefer.
Wenn Code zur Massenware wird
Im Kern steht eine strukturelle These: Wird Software durch KI-Agenten beliebig reproduzierbar, gerät das Margenmodell unter Druck. Die Bewertungen von Unternehmen wie Salesforce, ServiceNow oder IBM stützen sich bislang genau darauf. Visser verweist auf jüngste Quartalszahlen und eine verhaltene Marktreaktion. Auffällig ist zudem: Im Software-ETF IGV trugen zuletzt vor allem krypto-nahe Titel und Bitcoin-Miner zur Performance bei.
Die Kursverluste vieler Softwarewerte fügen sich aus seiner Sicht nahtlos in dieses Bild. Zugleich stellt er die Prognostizierbarkeit der Branche infrage. Lässt sich nicht mehr abschätzen, wie ein Unternehmen in fünf Jahren positioniert ist, verliert auch die klassische Bewertung ihre Grundlage. Belege liefert er nicht, es bleibt eine zugespitzte Markteinschätzung.
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Stagflation als Nährboden für Bitcoin
Vissers Marktblick ist eng mit seiner makroökonomischen Erwartung verknüpft. Er rechnet mit steigender Inflation bei gleichzeitig schwacher Konjunktur, einem stagflationären Szenario. Konkret erwartet er in den USA eine Teuerungsrate von über vier Prozent, während die kurzfristigen Zinsen darunter bleiben. In einem solchen Umfeld entstehen negative Realzinsen: Erspartes verliert an Kaufkraft.
Für Visser ist das ein zentrales Argument für Bitcoin. Steigende Preise treiben knappe Güter, dazu zählt er auch Bitcoin. Gleichzeitig verliert Software als Wachstumsstory an Attraktivität, Kapital weicht auf alternative Anlagen aus.
Knappheit statt Innovation als Leitmotiv
Aus dieser Perspektive leitet Visser mehrere Investmentthemen ab, die einem Prinzip folgen: Knappheit. Entscheidend ist für ihn nicht primär technologische Innovation, sondern die Kontrolle über begrenzte Ressourcen und Vorprodukte. Dazu zählt er etwa Spezialchemie für die Chipproduktion oder den Ausbau von Glasfaserinfrastruktur. Auch in der Halbleiterbranche sieht er eine Verschiebung: Nach dem Boom bei Grafikchips rücken Speicher und Prozessoren stärker in den Fokus.
Parallel gewinnen klassische Serverhersteller wieder an Bedeutung. Unternehmen setzen verstärkt auf eigene Infrastruktur, aus Gründen der Datensicherheit und Kontrolle. Halbleiter haben laut Visser inzwischen das größte Gewicht im S&P 500, getragen vor allem von Nvidia, Broadcom und Micron. Bitcoin ordnet er in diese Logik ein. Entscheidend ist für ihn nicht der technologische Aspekt, sondern die begrenzte Verfügbarkeit.
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These mit Lücken
Die Argumentation ist in sich schlüssig, blendet jedoch zentrale Punkte aus. Bitcoin generiert keine Cashflows und zeigte sich in der Vergangenheit oft liquiditätsgetrieben, ähnlich wie Tech-Aktien. Auch die weitreichenden Schlussfolgerungen bleiben teils unbelegt. Weder das Ende des Software-Booms noch eine dauerhaft hohe Inflation lassen sich derzeit klar herleiten. Dennoch trifft Vissers Analyse einen Nerv: In einem von Engpässen geprägten Marktumfeld verschiebt sich der Fokus von Wachstum hin zu Knappheit.
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