Kommentar
09:00 Uhr, 17.03.2026

Keine Quartalsberichte mehr? Die SEC plant eine Veränderung

Die US-Börsenaufsicht U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) bereitet offenbar einen tiefgreifenden Eingriff in die Berichterstattung börsennotierter Unternehmen vor.

Nach Informationen des Wall Street Journal aus mit der Sache vertrauten Kreisen erwägt die Behörde, die Pflicht zur vierteljährlichen Ergebnisveröffentlichung abzuschaffen und Unternehmen stattdessen zu erlauben, ihre Zahlen nur noch halbjährlich vorzulegen. Der Vorschlag könnte bereits im kommenden Monat offiziell präsentiert werden.

Damit würde eine Praxis infrage gestellt, die den US-Kapitalmarkt seit mehr als fünf Jahrzehnten prägt. Bislang müssen börsennotierte Gesellschaften alle drei Monate ihre Geschäftsentwicklung offenlegen.

Vorschlag mit politischem Rückenwind

Die SEC arbeitet demnach bereits an den technischen Details. In Vorbereitung des möglichen Regelwerks hat die Behörde Gespräche mit den großen US-Börsen geführt, um zu klären, wie diese ihre eigenen Listing-Regeln anpassen müssten.

Wichtig ist dabei eine zentrale Einschränkung: Quartalsberichte würden nicht vollständig verschwinden. Stattdessen sollen sie optional werden. Unternehmen könnten weiterhin freiwillig alle drei Monate berichten, wären dazu aber nicht mehr verpflichtet.

Der politische Rückenwind für eine solche Reform ist beträchtlich. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Long-Term Stock Exchange eine Petition bei der SEC eingereicht, in der sie die Abschaffung der Quartalspflicht forderte. Kurz darauf signalisierten sowohl Donald Trump als auch SEC-Chef Paul Atkins Unterstützung für die Idee.

Befürworter sehen in der Reform einen möglichen Hebel gegen das häufig kritisierte "Quartalsdenken“ der Kapitalmärkte. Unternehmen könnten strategische Entscheidungen stärker auf langfristige Wertschöpfung ausrichten, statt sich alle drei Monate an kurzfristigen Gewinnzielen messen lassen zu müssen.

Ein weiterer Beweggrund ist struktureller Natur. Die Zahl börsennotierter Unternehmen in den USA ist seit Jahren rückläufig. Viele Firmen entscheiden sich gegen einen Börsengang oder ziehen sich von der Börse zurück, auch weil der administrative Aufwand der Kapitalmarktregulierung als hoch gilt. Weniger häufige Berichte könnten diesen Aufwand reduzieren.

Widerstand von Investoren wahrscheinlich

Doch der Vorschlag dürfte auf erheblichen Widerstand stoßen. Institutionelle Investoren und Analysten argumentieren seit Jahren, dass regelmäßige Quartalsberichte eine zentrale Grundlage für Transparenz und Marktvertrauen darstellen. Weniger häufige Updates könnten Informationslücken schaffen und Marktvolatilität erhöhen.

Der regulatorische Prozess steht zudem erst am Anfang. Nach Veröffentlichung des Entwurfs folgt zunächst eine öffentliche Kommentierungsphase, die üblicherweise mindestens 30 Tage dauert. Erst danach würde die SEC über eine endgültige Regel abstimmen.

International wäre ein solcher Schritt keineswegs ohne Beispiel. In Europa wurde die verpflichtende Quartalsberichterstattung bereits vor mehr als einem Jahrzehnt abgeschafft. Seit einer Reform im Jahr 2013 verlangt die europäische Union keine verpflichtenden Quartalszahlen mehr. Auch im Vereinigten Königreich gilt diese Pflicht seit rund zehn Jahren nicht mehr, wenngleich viele Unternehmen weiterhin freiwillig vierteljährlich berichten.

Fazit: Sollte die SEC die Reform tatsächlich umsetzen, wäre dies eine der größten Veränderungen der US-Kapitalmarkttransparenz seit Jahrzehnten. Für Unternehmen könnte sie den administrativen Druck reduzieren und langfristigere Strategien erleichtern. Für Investoren hingegen droht ein Verlust an Informationsfrequenz. Ob der Nutzen die Risiken überwiegt, dürfte in der kommenden Konsultationsphase intensiv diskutiert werden. Ich persönlich würde eine Abschaffung begrüßen.

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1 Kommentar

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  • masi123
    masi123

    Ein überfälliger Schritt, auch wenn damit sicher nicht mehr langfristiges bzw. strategisches Denken erreicht wird.

    09:19 Uhr, 17.03.