Hyperscaler CapEx 2026: Warum KI-Investitionen die Gewinne auffressen!
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Die KI-Revolution kostet gewaltige Summen. 2026 erhöhen Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta ihre CapEx-Ausgaben massiv. CapEx steht für „Capital Expenditures“ – also Investitionen in langfristige Infrastruktur wie Rechenzentren, Nvidia-Chips oder eigene KI-Server, die über Jahre abgeschrieben werden. Es geht nicht um laufende Kosten, sondern um milliardenschwere Großprojekte, die das Fundament der KI-Wirtschaft bilden.
Während der Wettlauf um künstliche Intelligenz weiter eskaliert, geraten Gewinn und Free Cashflow zunehmend unter Druck. Hier setzt diese Goldesel Topstory an: Wir analysieren, warum die explodierenden KI-Investitionen der Hyperscaler 2026 vom Wachstumstreiber zum Bewertungsrisiko werden könnten – und weshalb der Markt beginnt, stärker auf Kapitalrendite als auf reines Umsatzwachstum zu achten.
CapEx 2026: KI-Investitionen verändern Tech-Bewertungen
Alphabet plant für 2026 Investitionen von bis zu 185 Milliarden USD, Amazon sogar rund 200 Milliarden USD. Auch Microsoft und Meta erhöhen ihre Budgets drastisch. Ein Großteil fließt in Nvidia-GPUs, neue Rechenzentren und den Ausbau eigener KI-Plattformen. Diese CapEx-Explosion markiert einen Wandel: Aus ehemals kapitalleichten Software-Unternehmen werden zunehmend kapitalintensive Infrastruktur-Konzerne.
Hohe CapEx-Ausgaben wirken nicht sofort voll auf den Gewinn, sondern werden über Jahre abgeschrieben. Doch genau diese Abschreibungen steigen dadurch deutlich an und belasten künftig das operative Ergebnis. Gleichzeitig sinkt kurzfristig der Free Cashflow – jener Kennwert, der bisher Aktienrückkäufe, Dividenden und hohe Bewertungsmultiplikatoren gestützt hat.
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Warum sind extrem langfristige Anleihen ein Signal?
Wenn Unternehmen sehr langfristige Anleihen begeben, sichern sie sich Kapital über Jahrzehnte für große Infrastrukturprojekte. Das signalisiert eine langfristige Finanzierung gewaltiger KI-Investitionen, höhere Kapitalbindung und einen strukturell steigenden Finanzierungsbedarf. Je stärker Hyperscaler ihre KI-Offensive über langfristiges Fremdkapital oder gebundene Liquidität stemmen müssen, desto stärker rückt die Frage nach dem Return on Investment in den Mittelpunkt der Bewertung.
Der Hardware-Rausch in Zahlen
Die Datenlage verdeutlicht eine beispiellose Dynamik im Technologiesektor. Ein Blick auf die Grafik zeigt, dass die CapEx-Ausgaben der Big 4 (Amazon, Microsoft, Alphabet und Meta) eine exponentielle Steigerung erfahren haben. Besonders signifikant ist hierbei die fast parallele Entwicklung der Umsatzkurve von Nvidia.
Dies belegt die hohe Abhängigkeit der Cloud-Anbieter von spezialisierter KI-Hardware: Ein Großteil der bereitgestellten Investitionsmittel wird unmittelbar für den Erwerb von Hochleistungschips aufgewendet. Während die Big 4 im Jahr 2025 kumuliert fast 400 Milliarden USD investierten, konnte Nvidia allein im Segment der Rechenzentren einen Großteil der CapEx Ausgaben als Umsatz realisieren.
Das Risiko der Abschreibungen: Die neue Skepsis der Börse
In der aktuellen Phase wird die aggressive CapEx-Strategie von Investoren zunehmend kritisch hinterfragt. Das Narrativ des „Wachstums um jeden Preis“ ist einer differenzierten Betrachtung gewichen:
- Fokus auf den ROI: Analysten fordern verstärkt Belege für einen angemessenen Return on Investment. Die Errichtung der physischen Infrastruktur ist weitgehend abgeschlossen; nun muss die Monetarisierung durch KI-basierte Dienste folgen.
- Margenkompression: Die enormen Ausgaben belasten die operativen Margen und führen zu einer Verschlechterung des Free Cashflow. Historisch betrachtet reagieren Märkte auf derart drastische Investitionsschübe oft mit einer Phase der Neubewertung.
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Bilanzieller Hebel: Verlängerung der Abschreibungszyklen
Um die Gewinnbelastung durch massive KI-Investitionen zu bremsen, haben Microsoft, Alphabet, Meta und Amazon ihre Abschreibungsregeln angepasst. Die kalkulierte Nutzungsdauer für Server und KI-Hardware wurde von 3 bis 4 Jahren auf 5 bis 6 Jahre verlängert.
Dieser buchhalterische Kniff reduziert die jährlichen Kosten (Depreciation) in der Bilanz massiv: Meta zum Beispiel steigerte so seinen ausgewiesenen Gewinn innerhalb von neun Monaten rein rechnerisch um 2,3 Milliarden USD. Das Risiko bleibt jedoch die „technische Veralterung“: Sollten Chips durch schnellere Innovationssprünge früher wertlos werden, drohen künftig außerplanmäßige Milliarden-Abschreibungen.
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KI-Investitionen im Vergleich: Microsoft, Amazon, Alphabet & Co.
Meta
Meta hat sich längst vom reinen Social-Media-Konzern zum KI-Infrastruktur-Riesen gewandelt. Mark Zuckerberg verfolgt eine klare Mission: Den Aufbau einer eigenen „General Superintelligence“. Dafür nimmt er eine massive finanzielle Belastung in Kauf, die Meta heute zu einem der aggressivsten Investoren unter den Hyperscalern macht.
Die Abschreibungswand rollt an
Ein Blick auf die Grafik verdeutlicht die riskante Dynamik in Metas Bilanz:
- CapEx-Explosion: Von moderaten 28 Mrd. USD im Jahr 2023 schoss der CapEx auf über 70 Mrd. USD in 2025 hoch.
- Nettogewinn unter Druck: Während der Gewinn 2024 noch von den Effizienzmaßnahmen profitierte, sehen wir 2025 erstmals den Effekt der massiven Investitionen – der Nettogewinn sinkt trotz Umsatzwachstums.
- Die Abschreibungsfalle: Die dunkelgrünen Balken zeigen das eigentliche Problem. Die Abschreibungen steigen kontinuierlich an. Da die Milliarden-Investitionen in GPUs (wie Nvidia H100 und Blackwell) zeitversetzt über die nächsten Jahre abgeschrieben werden müssen, rollt eine „Kostenwand“ auf den Gewinn zu, die den Spielraum für künftige Quartale massiv einengt.
Chart
Die Meta-Aktie konnte sich seit November 2025 deutlich erholen und legte zwischenzeitlich eine Erholung von knapp 30 % aufs Parkett. Diese ist jedoch schon fast wieder dahin und die Aktie steuert wieder auf den Bereich zwischen 582 und 600 USD zu. Sollte die Aktie unter 580 USD fallen, trübt sich das Chartbild weiter ein.
Oracle
Oracle hat sich 2026 zum aggressivsten Herausforderer im Cloud-Markt entwickelt und setzt Kapitalausgaben gezielt als Brecheisen ein, um den Rückstand auf die „Big 3“ zu verkürzen. Larry Ellisons Strategie basiert auf maximaler Geschwindigkeit: Während Amazon und Google auf gigantische, langwierige Bauprojekte setzen, baut Oracle hocheffiziente, modulare GPU-Cluster, die oft schneller einsatzbereit sind als die der Konkurrenz. Diese Agilität führt dazu, dass sogar Rivalen wie Microsoft oder Rechenpower-hungrige Startups wie Elon Musks xAI massiv Kapazitäten bei Oracle anmieten, wenn deren eigene Infrastruktur an Grenzen stößt.
Finanziell ist dieser Vorstoß jedoch ein Hochrisikospiel. Die CapEx-Ausgaben sind 2025 prozentual stärker gestiegen als bei jedem anderen Wettbewerber, was die Verschuldung nach oben treibt. Genau wie bei Meta rollt auch hier eine gewaltige Abschreibungswand auf die Bilanz zu. Oracle wettet darauf, dass die Synergie aus ihrer dominanten Datenbank-Stellung und der neuen KI-Power Kunden langfristig bindet: Unternehmen trainieren ihre Modelle dort, wo ihre Daten bereits liegen. Im letzten Earnings Call (Februar 2026) gab sich das Management zwar optimistisch für ein zweistelliges Wachstum, doch der reale Cashflow bleibt durch die Hardware-Käufe massiv belastet.
Chart
Beim Chartbild von Oracle ist kaum zu glauben, dass das Unternehmen zu einem der Profiteure des KI-Hypes zählt. Die Aktie profitierte massiv von der Auftragsflut insbesondere durch OpenAI. Der Anstieg nach dieser Nachricht ist jedoch mehr als verpufft und die Aktie steht noch deutlich tiefer als vor der Nachricht. Vom Hoch hat die Aktie mittlerweile über 50 % verloren und nimmt weiter Kurs auf das April-Tief 2025 bei 118 USD. Die kleinere Erholung zuletzt muss zunächst beweisen, dass es sich dabei um eine nachhaltige Trendwende handelt. Die nächste Hürde liegt bei der 50-Tagelinie und einem kleineren Widerstand bei 185 USD.
Microsoft
Microsoft hat im zweiten Quartal Rekordzahlen vorgelegt und die Erwartungen übertroffen. Besonders die Cloud-Sparte überzeugte: Der Umsatz überschritt erstmals die Marke von 50 Milliarden USD – getrieben vom starken KI-Boom und der hohen Nachfrage nach Azure-Infrastruktur. Produkte wie Copilot für Microsoft 365 sowie die enge OpenAI-Partnerschaft festigen die strategische Position im KI-Wettlauf. Dennoch reagierte die Aktie nachbörslich negativ. Der Grund lag weniger in der operativen Entwicklung als in der Investitionsseite.
Mit CapEx-Ausgaben von 37,5 Milliarden USD allein im abgelaufenen Quartal erreicht Microsoft eine neue Größenordnung an Kapitalintensität. Der massive Ausbau von Rechenzentren und GPU-Kapazitäten belastet kurzfristig den Free Cashflow und wirft Fragen zur Rendite dieser Investitionen auf. Der Markt beginnt zunehmend zu prüfen, ob die KI-Offensive nicht nur technologisch, sondern auch finanziell aufgeht. Denn hohe Investitionen schlagen zeitverzögert über steigende Abschreibungen auf die Gewinnentwicklung durch – ein struktureller Faktor, der die Bewertung künftig stärker beeinflussen dürfte.
Strategisch bleibt Microsoft klar positioniert. Die tiefere Integration von Copilot in Windows 12 soll die KI-Monetarisierung weiter beschleunigen, während Azure direkt vom globalen KI-Ausbau profitiert. Gleichzeitig nehmen regulatorische Risiken zu: Die formelle EU-Untersuchung zur Bündelung von Teams mit Office 365 zeigt, dass die Marktmacht des Konzerns verstärkt unter Beobachtung steht.
Chart
Microsoft war unter den GAFAM-Aktien zuletzt ohnehin der Underperformer. Durch die nun einsetzende Befürchtung über Margendruck und weiter steigende Ausgaben sowie die Konkurrenz für das Investment in OpenAI verkaufte auch die Microsoft-Aktie weiter ab. Zwischen 392 und 398 USD arbeitet der Titel aktuell an einem Boden. Über 425 USD würde sich das Chartbild wieder etwas aufhellen – unter 392 USD wäre der Weg frei bis zum April-Tief bei rund 350 USD.
Amazon
Amazon hat im vierten Quartal 2025 starke Zahlen geliefert. Der Umsatz stieg auf 213,39 Milliarden USD, das Wachstum lag bei 18,44 %. Auch das operative Ergebnis überzeugte mit 24,98 Milliarden USD und einem Plus von über 43 %. Treiber war vor allem AWS, das vom KI-Boom und einer beschleunigten Cloud-Nachfrage profitierte. Dennoch geriet die Aktie unter Druck – nicht wegen der operativen Entwicklung, sondern wegen der Investitionspläne.
Für 2026 stellt Amazon CapEx-Ausgaben von rund 200 Milliarden USD in Aussicht. Ein Großteil fließt in Rechenzentren, KI-Infrastruktur und eigene Chips wie Trainium. Damit bewegt sich der Konzern in eine neue Dimension der Kapitalintensität. Die Folge: Selbst bei robustem operativem Cashflow könnte der Free Cashflow nach Investitionen deutlich schrumpfen. Genau hier liegt das Bewertungsrisiko. Hohe Infrastruktur-Ausgaben schlagen zeitverzögert über steigende Abschreibungen auf die Margen durch und erhöhen die Fixkostenbasis erheblich.
Strategisch ergibt die Offensive Sinn: Mit AWS, dem NTT-Cloud-Pakt und der starken Position im Werbe- und Marktplatzgeschäft verfügt Amazon über mehrere Ertragsquellen, die die KI-Investitionen langfristig tragen könnten. Gleichzeitig steigt jedoch der regulatorische Druck, insbesondere in der EU. Gelingt es dem Management, die 200 Milliarden USD in nachhaltiges Wachstum und steigenden Free Cashflow zu übersetzen, bleibt die Dominanz im KI-Zeitalter intakt – andernfalls könnte die hohe Kapitalbindung zur Belastungsprobe werden.
Chart
Die Amazon-Aktie hat ihre aufsteigende Trendlinie seit November 2025 gebrochen und seitdem weiter massiv abverkauft. Auch die Zone zwischen 211 und 216,50 USD wurde problemlos nach Süden durchbrochen. Bis zum April-Tief bei rund 162 USD ist noch ein weiter Weg zu gehen, allerdings gibt es keine sonderlich großen charttechnischen Unterstützungsbereiche mehr bis dorthin. Der Verkaufsdruck könnte also weiter anhalten – auch wenn der RSI bereits deutlich überverkauft ist.
Alphabet
Alphabet nimmt im KI-Wettlauf eine Sonderrolle ein. Als einziger Hyperscaler entwickelt und produziert der Konzern eigene KI-Chips, die sogenannten Tensor Processing Units (TPUs), bereits seit über einem Jahrzehnt. Mit der siebten Generation „Ironwood“ hat Google einen Chip auf den Markt gebracht, der laut eigenen Angaben die vierfache Leistung seines Vorgängers liefert und speziell für Inferenz-Workloads konzipiert wurde. Damit verringert Alphabet seine Abhängigkeit von Nvidia und erschließt zugleich eine neue Ertragsquelle: Kunden wie Anthropic planen, bis zu eine Million Ironwood-TPUs zu nutzen, und auch Meta verhandelt über den Einsatz von Google-Chips in eigenen Rechenzentren. Morgan Stanley erwartet, dass die TPU-Produktion auf rund 5 Millionen Einheiten 2027 und 7 Millionen 2028 steigen könnte.
Die CapEx-Offensive ist dennoch beispiellos. Im Gesamtjahr 2025 investierte Alphabet 91,4 Milliarden USD, für 2026 stellte CFO Anat Ashkenazi 175 bis 185 Milliarden USD in Aussicht. Rund 60 % fließen in Server, 40 % in Rechenzentren und Netzwerkinfrastruktur. Trotz eines operativen Rekord-Cashflows von 164,7 Milliarden USD und einem Free Cashflow von 73,3 Milliarden USD im Jahr 2025 prognostizieren Analysten von Pivotal Research einen Rückgang des Free Cashflows um fast 90 % auf etwa 8 Milliarden USD im laufenden Jahr. Um die Investitionsoffensive zu stemmen, hat Alphabet bereits im November 2025 Anleihen über 25 Milliarden USD begeben. Die langfristigen Schulden vervierfachten sich auf 46,5 Milliarden USD.
Im vierten Quartal 2025 lieferte Alphabet dennoch überzeugende Zahlen. Der Umsatz stieg um 18 % auf 113,8 Milliarden USD, der Nettogewinn legte um 30 % auf 34,5 Milliarden USD zu. Besonders stark war Google Cloud mit einem Umsatzplus von 48 % auf 17,7 Milliarden USD, befeuert durch die Enterprise-KI-Nachfrage. YouTube überschritt im Gesamtjahr erstmals die Marke von 60 Milliarden USD Umsatz. Die Abschreibungen stiegen allerdings bereits 2025 um 38 % auf 21,1 Milliarden USD, ein Vorgeschmack auf die künftige Gewinnbelastung.
Strategisch ist Alphabet damit besser aufgestellt als viele Wettbewerber. Die vertikale Integration von eigenen Chips über die Cloud bis hin zu KI-Modellen wie Gemini 3 schafft einen strukturellen Kostenvorteil, den rein Nvidia-abhängige Konkurrenten nicht bieten können. Dass die Aktie nach den Earnings zunächst um bis zu 7 % fiel und sich dann wieder erholte, zeigt die Zerrissenheit des Marktes: Starke operative Ergebnisse stehen einer historisch einmaligen Investitionsoffensive gegenüber, deren Return on Investment erst noch bewiesen werden muss.
Chart
Nach dem massiven Run der Alphabet-Aktie im Zusammenhang mit den zuletzt starken Zahlen und dem Erfolg von Gemini steht die Aktie der Google-Mutter noch sehr gut da. Zwischen 292 und 298 USD könnte sich die Aktie fangen, denn das Unternehmen profitiert neben seinem ohnehin starken Stammgeschäft wie kaum ein anderes vom Aufstieg der KI-Modelle und man kann sich die steigenden CapEx-Investitionen noch eher leisten, als andere Unternehmen.
OpenAI, Anthropic & xAI – Die Privaten im CapEx-Rausch
Nicht nur börsennotierte Hyperscaler treiben die KI-Investitionsspirale. Auch die drei führenden privaten KI-Labore OpenAI, Anthropic und xAI binden gewaltige Kapitalmengen und beeinflussen damit indirekt die CapEx-Budgets der gesamten Branche. Ihre milliardenschweren Infrastrukturverträge mit Microsoft, Amazon, Google und Oracle sind ein wesentlicher Grund dafür, dass die Investitionsausgaben der Hyperscaler so massiv steigen.
OpenAI, der Entwickler von ChatGPT, hat sich zum kapitalintensivsten Startup der Geschichte entwickelt. Mit rund 13 Milliarden USD Umsatz in 2025, 800 Millionen wöchentlich aktiven Nutzern und einer Bewertung von 500 Milliarden USD dominiert das Unternehmen den Consumer-KI-Markt. Gleichzeitig hat OpenAI langfristige Infrastrukturverträge über insgesamt rund 1,4 Billionen USD abgeschlossen, verteilt auf die nächsten acht Jahre, darunter 250 Milliarden USD mit Microsoft Azure, etwa 300 Milliarden USD mit Oracle und 38 Milliarden USD mit AWS. Zusätzlich entwickelt das Unternehmen gemeinsam mit Broadcom eigene Inferenz-Chips. Dem gegenüber stehen monatliche Verluste von schätzungsweise einer Milliarde USD. Berichten zufolge plant OpenAI eine neue Finanzierungsrunde von bis zu 100 Milliarden USD bei einer Bewertung von 830 Milliarden USD, ein möglicher Börsengang wird für Ende 2026 oder 2027 diskutiert.
Anthropic, gegründet 2021 von ehemaligen OpenAI-Forschern rund um Dario und Daniela Amodei, hat sich als Marktführer im Enterprise-KI-Segment positioniert. Am 12. Februar 2026 schloss das Unternehmen eine Series-G-Runde über 30 Milliarden USD bei einer Bewertung von 380 Milliarden USD ab, die zweitgrößte private Finanzierungsrunde der Technologiegeschichte. Der annualisierte Umsatz ist auf 14 Milliarden USD gestiegen, mit einer Verzehnfachung über drei Jahre. Besonders bemerkenswert: Claude Code, das Coding-Tool des Unternehmens, erzielt bereits einen Run-Rate-Umsatz von 2,5 Milliarden USD. Infrastrukturseitig setzt Anthropic auf eine Multi-Cloud-Strategie mit einem der größten TPU-Deals der Geschichte (über eine Million Google-Chips) sowie 30 Milliarden USD an Azure-Kapazität von Microsoft.
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xAI, Elon Musks 2023 gegründetes KI-Unternehmen, geht den radikalsten Weg. Anfang Februar 2026 wurde xAI von SpaceX übernommen, mit einer kombinierten Bewertung von 1,25 Billionen USD. xAI selbst wurde dabei mit rund 250 Milliarden USD bewertet. Der strategische Kern der Fusion: Musk will Rechenzentren im Weltraum errichten und hat bei der FCC die Genehmigung für bis zu eine Million Satelliten als orbitale Datenzentren beantragt. Analysten von Moffett Nathanson bewerteten die Pläne allerdings skeptisch, die technischen und finanziellen Anforderungen seien „schlicht enorm“. Nüchterner betrachtet dient die Fusion vor allem dazu, xAIs massive Kapitallücke zu schließen: Das Unternehmen verbrennt monatlich rund eine Milliarde USD. Mit dem geplanten SpaceX-Börsengang im Sommer 2026 könnte xAI Zugang zu dringend benötigtem Kapital erhalten, um gegen OpenAI und Anthropic bestehen zu können.
Die Cashflow-Falle: CapEx vs. Free Cashflow im Vergleich
Was bedeutet die CapEx-Offensive konkret für die Finanzkraft der Hyperscaler? Ein Blick auf die Investitionsausgaben im Vergleich zum Free Cashflow zeigt das Ausmaß der Belastung. Denn während die operativen Cashflows 2025 noch solide waren, verschlingt der Investitionshunger 2026 bei fast allen Unternehmen den Großteil der verfügbaren Mittel. Die folgende Übersicht stellt die tatsächlichen Zahlen für 2025 den aktuellen Prognosen und Guidances für 2026 gegenüber.
| Unternehmen | CapEx 2025 (Mrd. USD) | CapEx 2026E (Mrd. USD) | FCF 2025 (Mrd. USD) | FCF 2026E (Mrd. USD) |
| Amazon | ~132 | ~200 | ~11 | deutlich negativ |
| Alphabet | ~91,4 | 175-185 | 73,3 | ~8 |
| Microsoft (FJ) | ~88 | ~125+ | ~72 | ~60 |
| Meta | ~72 | 115-135 | ~44 | ~0-15 |
| Oracle (FJ) | ~21 | ~50 | ~11 | ~-22 |
| Summe | ~404 | ~665-696 | ~211 | deutlich unter 100 |
Fazit: KI-Investitionen zwischen Chance und Bewertungsrisiko
Die Hyperscaler stehen 2026 an einem Wendepunkt. Die kumulierten CapEx der fünf größten Unternehmen dürften erstmals die Marke von 600 Milliarden USD übersteigen, ein Anstieg von 36 % gegenüber 2025. Rund 75 % dieser Summe fließt direkt in KI-Infrastruktur. Was als Investition in die Zukunft begann, wird zunehmend zur finanziellen Belastungsprobe: Sinkende Free Cashflows, steigende Verschuldung und wachsende Abschreibungen verändern das Risikoprofil der ehemals kapitalleichten Tech-Giganten grundlegend.
- Strukturwandel: Aus Software-Unternehmen mit hohen Margen werden kapitalintensive Infrastruktur-Konzerne. Die CapEx-Quoten erreichen mit 45–57 % des Umsatzes Niveaus, die historisch eher Versorgern oder Industriekonzernen zugeordnet werden.
- Finanzierungslücke: Die aggregierten CapEx-Ausgaben übersteigen mittlerweile 94 % der operativen Cashflows (nach Dividenden und Rückkäufen). JPMorgan prognostiziert für die kommenden Jahre Tech-Anleihenemissionen von bis zu 1,5 Billionen USD.
- Abschreibungsrisiko: Die verlängerten Nutzungsdauern von 5–6 Jahren glätten die Gewinnbelastung kurzfristig, schaffen aber ein latentes Risiko. Sollten Chips schneller veralten als kalkuliert, drohen milliardenschwere außerplanmäßige Abschreibungen.
Wer gewinnt das Rennen um den KI-Return?
Trotz aller Risiken wäre es falsch, die KI-Offensive pauschal als Fehlinvestition abzustempeln. Alphabet zeigt mit seiner vertikalen Integration, wie ein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil entstehen kann: Google Cloud wuchs zuletzt um 48 %, der Auftragsbestand stieg um 55 % auf 240 Milliarden USD. Auch Amazon überzeugt operativ, denn AWS läuft mit einer annualisierten Run-Rate von über 142 Milliarden USD. Zudem hat das eigene Chip-Geschäft die 10-Milliarden-Marke überschritten.
Entscheidend wird letztlich sein, ob die KI-Monetarisierung mit dem Tempo der Investitionen Schritt halten kann. Aktuell generieren KI-Dienste der Hyperscaler laut Schätzungen erst rund 25 Milliarden USD an direktem Umsatz, ein Bruchteil der 600 Milliarden USD, die 2026 investiert werden. Unternehmen mit starker Bilanz, diversifizierten Ertragsquellen und eigener Chip-Entwicklung, allen voran Alphabet und Microsoft, sind am besten positioniert, um eine verlängerte Investitionsphase durchzustehen. Der Markt wird 2026 nicht mehr nur nach Umsatzwachstum fragen, sondern nach Kapitalrendite. Und genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen.
Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte
Keiner der Autoren dieses Beitrages ist in einem der besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse investiert.
