Holzmann: EZB sollte Leitzins im April nicht senken
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Von Ed Frankl
DOW JONES--Die Europäische Zentralbank (EZB) sollte ihren Leitzins nach Aussage von EZB-Ratsmitglied Robert Holzmann im April nicht senken. Dies sei ein Gebot der Vorsicht, da steigende Verteidigungsausgaben und höhere US-Zölle die Inflation im Euroraum über dem Ziel von 2 Prozent halten könnten, sagte der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank. Die EZB hatte ihren Leitzins Anfang des Monats zum sechsten Mal seit Juni gesenkt, und zwar auf 2,50 Prozent.
Nach Schätzungen der EZB hat sie sich damit einem neutralen Niveau angenähert, also dem Punkt, an dem sie die Wirtschaftstätigkeit weder bremst noch ankurbelt. Dies löste unter den Währungshütern eine Debatte darüber aus, wie weit sie noch gehen sollten. Investoren gehen davon aus, dass die EZB die Zinsen weiter senken wird.
Holzmann hat in der Vergangenheit einen höheren Leitzins bevorzugt als viele seiner Ratskollegen und war der Einzige, der in diesem Monat nicht für die Senkung gestimmt hat. Während Ökonomen der EZB den neutralen Zins in einer Spanne zwischen 1,75 und 2,25 sehen, liegt er nach Holzmanns Ansicht höher, so dass weitere Zinssenkungen stimulierend wirken könnten. "Wir befinden uns derzeit bereits im neutralen Bereich", sagte Holzmann. "Man muss nicht noch expansiver werden, um das 2-Prozent-Ziel zu erreichen."
In einer Pressekonferenz im Anschluss an die Entscheidung nannte EZB-Präsidentin Christine Lagarde Holzmann als einziges Mitglied, das sich bei der Zustimmung zur Leitzinssenkung enthalten habe - ein ungewöhnlicher Vorgang, da die Abstimmungen der Notenbank in der Regel anonym erfolgen. "Ich habe kein Problem damit", sagte Holzmann. "Wenn Sie sich erinnern, als ich das letzte Mal dagegen gestimmt habe, hat sie meinen Namen nicht genannt, sondern nur gesagt, dass es eine Gegenstimme gab. Und es hat etwa eine Viertelstunde gedauert, bis die Leute wussten, wer für eine Beibehaltung gestimmt hat."
Nach Holzmanns Einschätzung stellen höhere Zölle eine Inflationsgefahr dar. US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, dass er am 2. April eine neue Runde von Zollerhöhungen ankündigen wird. Die Europäische Union hat bereits Vergeltungsmaßnahmen gegen eine Erhöhung der Zölle auf ihre Stahl- und Aluminium-Exporte ergriffen und wird dies wahrscheinlich wieder tun. Holzmann sagte, dass jede Reaktion "besonnen" ausfallen sollte. "Ich würde vorschlagen, dass die Reaktion hauptsächlich bei Produkten erfolgt, die relevant sind", sagte er.
Er hoffe, dass die Zwischenwahlen im nächsten Jahr der Trump-Administration Anlass geben würden, über ihre Politik nachzudenken. "Die US-Wirtschaft war auf dem Weg zu einer sanften Landung, was für frühere Rückgänge nach einer hohen Inflation nicht typisch war", sagte er. „Aber was er (Trump) innerhalb weniger Monate geschafft hat, war, das Vertrauen zu zerstören."
Kontakt zum Autor: konjunktur.de@dowjones.com
DJG/DJN/hab/kla
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