Kommentar
15:47 Uhr, 19.02.2026

Gold: "Jahr des Feuerpferdes"

Rohstoffanalyst Michael Blumenroth skizziert einen Goldmarkt, der nach den turbulenten Wochen noch auf der Suche nach dem Gleichgewicht sei.

19. Februar 2026. FRANKFURT (Xetra-Gold). In den vergangenen Tagen blieben die Edelmetallmärkte damit „beschäftigt“ ein neues Gleichgewicht der Preise zu finden. Nach dem starken Kursrücksetzer Ende Januar/Anfang Februar, der auf die Rekordhochs für Gold, Silber und Platin folgte, zeigten sich viele Marktakteure verunsichert. Zudem dürften viele Händler und Investoren ihre verlustbringenden Options- und Terminpositionen nicht vollständig haben liquidieren können, was bedeutet, sobald sich die Preise der Edelmetalle etwas erholen, ist damit zu rechnen, dass diese Positionen verringert werden, was momentan weitere Kurserholungen begrenzen könnte.

Zudem hat in China das Jahr des Feuerpferdes begonnen – aus Erfahrung kann ich berichten, dass Chinesen es bei Neujahrsfeierlichkeiten gerne krachen lassen, was Feuerwerke anbelangt – was bedeutet, dass das gesamte Land quasi eine Woche im Ferienmodus ist, und somit für die zuletzt sehr robuste Nachfrage nach ETCs und physischen Edelmetallen aus China momentan die Pausentaste gedrückt ist.

Verhaltene Goldpreisentwicklung

Die US-Konjunkturdaten der vergangenen Woche lieferten ein gemischtes Bild. Die etwas niedrigeren Inflationsraten der US-Verbraucherpreise stützten etwas die Meinung vieler Marktakteure, dass die US-Notenbank Fed nach einer Pause im Frühjahr die Leitzinsen ab Juni oder Juli weiter senken werde. Dies hatte niedrigere Renditen der US-Staatsanleihen zur Folge, was wiederum die Goldnotierungen stützte. Im Endeffekt scheint aber die aktuell ausbleibende Nachfrage aus China die Oberhand gewonnen zu haben, und somit war die Preisentwicklung zuletzt eher verhalten.

Notierten die Goldpreise am Mittwochnachmittag vorvergangener Woche bei 5.050 US-Dollar pro Unze, gerieten sie in den Folgetagen noch einmal unter Druck und fielen am Montagmorgen, dem 9. Februar, bis auf etwa 4.655 US-Dollar. Schon am gleichen Tag ging es aber wieder mehr als 300 US-Dollar aufwärts und am Mittwoch, dem 11. Februar, notierte Gold zur Mittagszeit bei knapp 5.120. In den Folgetagen bewegten sich die Goldpreise meist zwischen 4.900 und 5.100 mit der 5.000-er-Marke meist in Sichtweite. Beim Schreiben dieser Zeilen am 18. Februar um 16 Uhr wird Gold bei 4.990 US-Dollar gehandelt.

Xetra-Gold im Wochenvergleich

Der Xetra-Gold-Preis bewegte sich in ähnlicher Weise, da der Euro/US-Dollar-Kurs wenig Einfluss auf die Notierungen hatte: Während der üblichen Handelszeiten ging es von 137 Euro pro Gramm am vorvergangenen Mittwochnachmittag abwärts bis auf 130,90 am Folgetag. Auch hier wurde am 11. Februar mit 138,10 am 11. Februar der höchste Kurs der vergangenen Tage gehandelt. Nach einem Rücksetzer auf 131,50 am Dienstag dieser Woche wird es nun aktuell (Mittwochnachmittag 16 Uhr) bei rund 135,60 Euro gehandelt.

Am Freitag werden weitere Inflationsdaten aus den USA veröffentlicht, am Montag kommender Woche ist China nach den Neujahrsfeierlichkeiten wieder am Start. Die Frage bleibt offen, inwiefern weitere Marktteilnehmer am Goldmarkt ihre Positionen noch schließen möchten bzw. wann der Markt soweit bereinigt sein könnte, dass eine möglicherweise wieder ansteigende Nachfrage die Preise stärker stützen könnte – was viele Marktbeobachter weiterhin als Basisszenario betrachten.

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich weiterhin starke Nerven und uns allen allmählich mal so etwas wie einen sonnigen, wärmeren Frühling.

Von Michael Blumenroth, 19. Februar 2026 © Deutsche Börse AG