Kommentar
13:25 Uhr, 17.02.2026

ETFs: KI-Zweifel und Nasdaq-Verkäufe

Zwar ist der Höhenflug von Gold und Silber vorbei, Edelmetall-ETCs bleiben aber beliebt. Nasdaq- und US-Tech-ETFs fliegen hingegen aus den Portfolios. Generell herrscht mehr Skepsis gegenüber US-Aktien.

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17. Februar 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Die schwindende KI-Begeisterung zeigt sich auch am ETF-Markt. „Die Verkäufe von US-Aktien aus der Vorwoche haben sich zwar nicht fortgesetzt, Nasdaq-ETFs werden aber klar abgeben“, berichtet Frank Mohr von der Société Générale. Er meldet insgesamt sehr gute Umsätze und einen klaren Käuferüberhang.

Holger Heinrich von der Baader Bank spricht von einer erneut volatilen Woche mit einem kleinen Kaufüberhang. „Umsatzspitzenreiter bleiben die Produkte auf Edelmetalle.“ Das bestätigt auch Ivo Orlemann von der ICF-Bank: „Die große Aufregung um Silber und Gold hat sich gelegt, die Edelmetall-ETCs bleiben auf unserer Umsatzliste aber ganz oben.“

Gold- und Silberpreis haben sich zuletzt stabilisiert. Die Feinunze Gold wird am Dienstagmittag zu 4.928 US-Dollar gehandelt, Silber zu 74,50 US-Dollar. „Vor allem Silber- und Gold-ETCs sind gefragt“, erklärt Heinrich (<JE00BQRFDY49 >). Extrem beliebt bleibe zudem der WisdomTree Silver 3x Daily Leveraged (<IE00B7XD2195>), der den Silberpreis dreifach hebelt. Auf Gold werde mit Xetra-Gold (<DE000A0S9GB0>) und iShares Physical Gold (<IE00B4ND3602>) gesetzt. Orlemann zufolge sind der Invesco Physical Gold (<IE00B579F325>), der WisdomTree Physical Silver (<JE00B1VS3333>) und der WisdomTree Silber-Preis ETC mit Hebel gesucht.

US-Aktien: „Einiges an Abgaben“

Schwerpunkt im Geschäft mit Aktien-Trackern sind einmal mehr World-ETFs. Mohr sieht hier deutlich mehr Käufe als Verkäufe. Beliebt seien etwa der iShares Core MSCI World (<IE00B4L5Y983>) und der iShares MSCI ACWI (<IE00B6R52259>). Heinrich zufolge stehen bei World-ETFs neben breit streuenden Produkten Faktor- und gleichgewichtete ETFs auf den Einkaufslisten. Beispiele: der Amundi MSCI World Momentum Advanced (<IE0001FQFU60>) und der Invesco MSCI World Equal Weight (<IE000OEF25S1>). Auf der Verkaufsseite finde sich vor allem der iShares Edge MSCI World Multifactor (<IE00BZ0PKT83>).

Bei US-Aktien dominieren Mohr zufolge zwar wieder die Käufe. „Wir sehen aber auch einiges an Abgaben“, ergänzt er. Zugegriffen werde beispielsweise bei S&P 500-Trackern von iShares oder Vanguard, während die von Amundi eher abgegeben würden. Ganz klar ist das Bild bei Nasdaq-ETFs: Die werden verkauft. Der Nasdaq 225 steht rund 6 Prozent unter seinem Allzeithoch, der marktbreite Dow Jones hingegen nur 2 Prozent. Auch Heinrich zufolge zeigt sich bei US-Aktien ein gemischtes Bild, geprägt von Umschichtungen. „Auf der Käuferseite stehen risikoreduzierende und breit diversifizierte Ansätze im Fokus“, erläutert er und nennt den iShares Edge S&P 500 Minimum Volatility (<IE00B6SPMN59>).

Herausragender Jahresauftakt

Mit 45,5 Milliarden Euro an neuen Nettomitteln floss im Januar so viel Kapital wie noch nie innerhalb eines Monats in europäische UCITS-ETFs, wie Crossflow meldet. „Was für ein fulminanter Start ins neue Jahr!“, kommentiert das ETF-Analyse- und Handelshaus. Mit knapp 35 Milliarden Euro floss ein Großteil in den Aktienbereich, vor allem in kapitalgewichtete World-Indizes (16,2 Milliarden Euro). Auffällig sind aber auch die hohen Neuzuflüsse in Emerging Markets- (7,3 Milliarden Euro) und europäische Aktien (7,4 Milliarden Euro). ETFs mit US-Exposure seien hingegen „nur“ auf 4,2 Milliarden Euro an neuen Mitteln gekommen.

Europas und Japans Aktien mit mehr Aufmerksamkeit

Einen deutlichen Kaufüberhang beobachtet Mohr bei europäischen Aktien, mit Käufen von MSCI Europe- und Stoxx Europe 600-ETFs. Heinrich zufolge kommen auch hier faktorbasierte Ansätze gut an. Doch auch MSCI Europe-ETFs (<DE000ETFL284>) würden gekauft, inklusive solcher, die britische Aktien ausschließen (<IE00B14X4N27>). Immer beliebt bei der ICF-Bank: der VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders (<NL0011683594>).

Fortgesetzt hat sich das Interesse der Société Générale-Kundschaft an japanischen Aktien (<LU2089238385>, <IE00BYQCZJ13>). Der Nikkei 225 war vergangenen Mittwoch auf ein neues Allzeithoch gestiegen – getrieben von Hoffnungen nach dem historischen Sieg der Liberaldemokratischen Partei unter Premierministerin Sanae Takaichi.

Kasse machen bei US-Tech-Werten

Im Handel mit Branchen-ETFs stehen diesmal nicht Tech-Aktien oben, sondern Finanz-ETFs. Mohr zufolge wird viel auf den Amundi Euro Stoxx Banks (<LU1829219390>) und den iShares S&P U.S. Banks (<IE00BD3V0B10>) gesetzt. Bei Tech-Aktien würden hingegen Gewinne mitgenommen. Auf den Verkaufslisten: der Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data (<IE00BGV5VN51>) und der Xtrackers MSCI World Information Technology (<IE00BM67HT60>). Bei der ICF Bank kommen Rüstungs-ETFs weiter gut an, etwa der WisdomTree Europe Defence (<IE0002Y8CX98>) und der VanEck Defense (<IE000YYE6WK5>). Heinrich fällt der L&G Clean Water (<IE00BK5BC891>) als „thematische Diversifikation“ auf.

Anleihe-ETFs: Durchwachsenes Bild

Im Handel mit Anleihen-ETFs fehlt der klare Trend. Laut Mohr werden kurzlaufende Euro-Staatsanleihen und langlaufende US-Treasuries verkauft, kurzlaufende US-Treasuries aber gekauft. „Auffällig ist nur, dass Geldmarkt-ETFs einmal nicht ganz oben auf der Umsatzliste stehen“, bemerkt er.

Von Anna-Maria Borse, 17. Februar 2026, © Deutsche Börse AG

Über die Autorin

Anna-Maria Borse ist Finanz- und Wirtschaftsredakteurin mit den Schwerpunkten Finanzmarkt/Börse und volkswirtschaftliche Themen.

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