Analyse
08:51 Uhr, 20.01.2026

Geothermie-Aktie vor Wachstumsschub!

Der Bohrspezialist Daldrup & Söhne sieht eine Phase beschleunigten Wachstums kommen. Dank neuer gesetzlicher Fristen und staatlicher Risikoabsicherungen prognostiziert der Vorstand eine Verdopplung bis Verdreifachung der Nachfrage nach Geothermieprojekten bis 2030.

Erwähnte Instrumente

  • Daldrup & Söhne AG - WKN: 783057 - ISIN: DE0007830572 - Kurs: 18,050 € (XETRA)

Die Rahmenbedingungen für die "Wärmewende" haben sich fundamental verbessert. Der Start in das Geschäftsjahr 2026 ist für die Daldrup & Söhne AG fast schon wie eine Zeitenwende. In der Vergangenheit kämpfte das Unternehmen oft mit langwierigen Genehmigungsverfahren. Nun zeichnet sich nun eine signifikante Beschleunigung des operativen Geschäfts ab.

Andreas Tönies, CEO des Unternehmens, quantifiziert die Auswirkungen der jüngsten politischen Weichenstellungen mit einer doch recht offensiven Prognose: Er erwartet, dass sich die Nachfrage nach Geothermieprojekten mittelfristig um 100 % bis 200 % erhöhen könnte. Diese Einschätzung fußt auf einer konkreten Veränderung der Risiko-Rendite-Struktur für Kommunen und Investoren, die nun deutlich kalkulierbarer in Großprojekte investieren können. Für die Aktionäre des im Scale-Segment notierten Konzerns bedeutet dies eine potenzielle Skalierung des Auftragsvolumens, die weit über das organische Marktwachstum der vergangenen Jahre hinausgeht.

Dieses Gesetz ist der Katalysator

Grundlage für den optimistischen Ausblick ist das im Dezember 2025 vom Bundestag verabschiedete Geothermiebeschleunigungsgesetz (GeoBG). Marktbeobachter werten dieses Gesetz als längst überfälligen Schritt, um die Wärmewende in Deutschland aus dem bürokratischen Klein-Klein zu befreien. Das Gesetz stuft die Geothermie nun als "überragendes öffentliches Interesse" ein – eine juristische Formulierung, die nicht nur schön für die Branchenunternehmen klingt, sondern sich erheblich auswirkt. In Abwägungsprozessen bedeutet dies den Vorrang vor anderen Belangen.

In der Praxis heißt das vor allem: Planungssicherheit durch verbindliche Fristen. Genehmigungsbehörden sind nun verpflichtet, innerhalb von zwölf Monaten über Anträge zu entscheiden. Für kleinere Projekte mit einer Leistung von bis zu 50 Megawatt verkürzt sich diese Frist sogar auf lediglich drei Monate.

"Projekte können nicht nur schneller umgesetzt werden, sie werden mit Blick auf die geringeren finanziellen Risiken für Auftraggeber auch kalkulierbarer und damit attraktiver", kommentiert CEO Andreas Tönies die neue Rechtslage. Die bisher oft unvorhersehbaren Verzögerungen, die Kapital banden und Investitionsentscheidungen hemmten, dürften damit der Vergangenheit angehören.

Finanzierungssicherheit durch Fündigkeitsversicherung

Parallel zur gesetzlichen Entbürokratisierung wurde auch die finanzielle Flanke gestärkt. Seit Ende Dezember 2025 greift ein neues Finanzierungsinstrument der KfW, das in Kooperation mit der Munich Re und dem Bundeswirtschaftsministerium konzipiert wurde. Es adressiert das größte Hemmnis der Tiefengeothermie: das Fündigkeitsrisiko.

Wenn eine Bohrung in 400 Metern Tiefe oder mehr nicht die erwartete Temperatur oder Schüttung liefert, drohte den Investoren bislang der Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Das neue Instrument kombiniert zinsgünstige Kredite mit einer integrierten Absicherung, die bis zu 100 % der förderfähigen Kosten abdeckt, sollte eine Bohrung nicht erfolgreich sein. Insbesondere für Kommunen und Stadtwerke, die oft über begrenzte Risikobudgets verfügen, senkt dies die Eintrittsbarriere massiv. Tönies sieht in der Kombination aus GeoBG und der KfW-Förderung sowie der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) ein "starkes Paket", das die strategische Ausrichtung seines Hauses bestätigt.

Das ist Daldrup & Söhne

Die Daldrup & Söhne AG blickt auf eine über 75-jährige Historie zurück und hat sich als einer der führenden deutschen Anbieter für Bohr- und Umweltdienstleistungen etabliert. Das Geschäftsmodell ruht auf vier Säulen: Geothermie, Rohstoffe & Exploration, Wassergewinnung sowie Environment, Development & Services (EDS).

Besonders im Fokus steht der Bereich Geothermie, in dem das Unternehmen Bohrdienstleistungen bis zu einer Tiefe von 6.000 Metern erbringt, um Erdwärme für die Strom- und Wärmegewinnung nutzbar zu machen. Neben der Energieerzeugung ist Daldrup auch in der Exploration mineralischer Rohstoffe wie Kupfer und Gold tätig und führt sicherheitsrelevante Bohrungen zur Endlagerfindung durch. Abgerundet wird das Portfolio durch den klassischen Brunnenbau sowie spezialisierte umwelttechnische Dienstleistungen, etwa die Sanierung kontaminierter Standorte oder die Errichtung von Gas-Absaugbrunnen auf Deponien.

Fazit

Daldrup hat sich für dieses Statement ganz schön viel Zeit gelassen, wenn man bedenkt, was das neue Gesetz für das Business bedeutet. Schneller war der Kollege Bastian Galuschka, der Daldrup eben wegen der beschriebenen besseren Aussichten in seine Top-Picks-Liste in stock3 Select genommen hat.

Auch ich habe die Daldrup-Aktie empfohlen, man hat hier das Gefühl, eine kleine Friedrich Vorwerk vor sich zu haben. Allerdings günstiger bewertet. Auf Basis der Schätzungen für 2026 (EPS 1,26) liegt das KGV bei knapp 15. Wenn man die Wachstumsaussichten bedenkt, ist das eher wenig.

Bisher covern nur wenige Analysten den Wert. Kein Wunder, mit etwas unter 100 Mio. EUR Börsenwert ist das Kategorie Micro Cap. Vielleicht wird sich das noch ändern. Gelegenheit zur Präsentation der weiteren Entwicklung wird das Management auf diversen Investorenkonferenzen haben, unter anderem in Hamburg und München.

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