Kommentar
17:00 Uhr, 09.10.2026

Fed, Zinsen, KI-Blase: Was hinter dem Bitcoin-Ausverkauf steckt

Noch Anfang der Woche nährte ein schwacher Arbeitsmarkt die Hoffnung auf eine lockere Geldpolitik. Doch ein paar Tage später holte das Fed-Protokoll die Märkte ein. Warum treffen steigende Renditen und Zweifel am KI-Boom auch Bitcoin?

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Am Dienstag schlossen die US-Indizes noch auf einem erneuten Rekordhoch, da Anleger nach zuletzt schwachen Arbeitsmarktdaten auf eine Zinspause der US-Notenbank Fed hofften. Zwei Tage später war von dieser Zuversicht nur noch wenig übrig. Steigende Renditen und ein teurer Ölpreis zogen Aktien nach unten, der Bitcoin-Kurs rutschte am Donnerstag unter die 81.000 US-Dollar Marke. Wie geht es jetzt weiter?

Die Fed bleibt auf Erhöhungskurs

Der US-Arbeitsmarktbericht für September, den die Statistikbehörde Bureau of Labor Statistics am 2. Oktober veröffentlicht hatte, zeigte statt der laut Bloomberg erwarteten 90.000 neuen Stellen lediglich 29.000. Zudem stieg die Arbeitslosenquote auf 4,2 Prozent. Ein schwächerer Arbeitsmarkt liefert der Fed weniger Gründe, die Zinsen hoch zu halten, geschweige denn sie weiter anzuheben. Auf der Prognoseplattform Polymarket fiel die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung bei der nächsten Sitzung daraufhin deutlich.

Am Mittwochabend folgte das Protokoll der September-Sitzung. Demnach hatten alle Teilnehmer die Erhöhung auf 3,75 bis 4,00 Prozent mitgetragen, und die meisten halten eine weitere bis Jahresende für angemessen. Für Investoren war diese hawkishe Reaktion der Zentralbänker jedoch eher eine Bestätigung als eine Überraschung, denn auf Polymarket gilt eine Pause im Oktober weiterhin als wahrscheinlich, während sie für die Sitzung am 9. Dezember mehrheitlich eine Erhöhung um 25 Basispunkte erwarten.

Am Anleihemarkt reichte diese Bestätigung trotzdem, um die Renditen kräftig steigen zu lassen. Die zehnjährige US-Rendite, also der jährliche Zins, den Anleger für zehnjährige Staatsanleihen verlangen, kletterte am Donnerstag auf 5,33 Prozent.

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So hoch stand sie zuletzt im April 2002, und bei einer Auktion 30-jähriger Anleihen musste das US-Finanzministerium mit 5,618 Prozent den höchsten Zins seit August 2000 bieten. Zusätzlichen Schub gaben Berichte über neue US-Angriffspläne gegen den Iran, die den Preis der Nordsee-Ölsorte Brent über 105 US-Dollar trieben und die Sorge vor hartnäckiger Inflation weiter antrieben.

Der KI-Boom zeigt Risse

Kaum eine andere Branche finanziert ihr Wachstum derzeit so stark mit Krediten wie die KI-Industrie. Dementsprechend nervös reagieren Anleger auf jedes Zeichen von teurem Geld. Am Donnerstag veröffentlichte die Financial Times einen Bericht in dem sie behaupteten, OpenAI komme lediglich auf einen Jahresumsatz von knapp 50 Milliarden US-Dollar. Damit wäre dieser rund 20 Milliarden weniger als zuvor kolportiert. Der technologielastige Nasdaq 100 gab daraufhin zeitweise 1,5 Prozent nach.

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Die Aktie von Oracle, eine Firma die unter anderem Rechenzentren für OpenAI baut, verlor im selben Zug über fünf Prozent. Der Analyst Andreas Steno hält gegen den Marlt und sieht die Lücke für eine Frage der Bilanzierung. Die Reaktion zeigt trotzdem, wie fragil der Markt ist und wie empfindlich er auf Dellen im KI-Narrativ reagiert.

Am Kreditmarkt ist diese Empfindlichkeit schon länger sichtbar. Kreditausfallversicherungen, sogenannte "Credit Default Swaps", zeigen, wie viel Anleger für den Schutz vor der Pleite eines Schuldners zahlen. Für Oracle liegt dieser Preis bei 244 Basispunkten und damit über dem Niveau der Finanzkrise. Wer Oracle-Schulden über zehn Millionen US-Dollar gegen einen Ausfall absichern will, zahlt also rund 244.000 US-Dollar Premiums im Jahr.

Bitcoin scheitert an 87.000 US-Dollar

Bitcoin hatte zur Wochenmitte einen Anlauf über 87.000 US-Dollar genommen – und war daran gescheitert. In der Nacht auf Mittwoch fiel der Kurs binnen 20 Minuten um fast 2.000 US-Dollar, am Donnerstag rutschte das digitale Gold in einer zweiten Welle unter 81.000 US-Dollar.

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Binnen 24 Stunden wurden Positionen über 1,14 Milliarden US-Dollar zwangsweise geschlossen. Solche Liquidationen treffen Händler, die mit geliehenem Geld auf steigende Kurse gesetzt hatten und deren Sicherheiten nach dem Rückgang nicht mehr reichten. Jeder erzwungene Verkauf drückt den Kurs ein Stück weiter.

Doch auch große Anleger zogen sich zurück. Die Bitcoin Spot ETFs verloren am Mittwoch fast eine halbe Milliarde US-Dollar und damit so viel wie an keinem Tag seit Juni.

Die Anleiherendite gibt den Takt vor

Bestimmt hat die Woche vor allem der Zins auf US-Staatsanleihen, an ihm hängt auch die Entwicklung von Bitcoin. Das Mutterschiff aller Kryptowährungen wirft weder Zinsen noch Dividenden ab. Wer 100.000 US-Dollar in Bitcoin hält anstatt sie in zehnjährigen US-Anleihen zu investieren, verzichtet derzeit auf rund 5.300 US-Dollar sicheren Ertrag im Jahr.

Die US-Verbraucherpreise für September erscheinen am Mittwoch um 14:30 Uhr, erwartet wird ein Anstieg der Inflationsrate auf 3,6 Prozent nach 3,4 Prozent im August. Ein Wert über der Prognose würde den harten Kurs der Fed bestätigen, eine niedrigere Zahl gäbe den Renditen Raum zum Sinken und Bitcoin etwas Luft. Ihre nächste Zinsentscheidung trifft die Fed am 28. Oktober.

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