Kommentar
14:21 Uhr, 23.07.2026

EZB belässt Leitzinsen wie erwartet unverändert

Trotz der erneuten Zuspitzung im Iran-Krieg verzichtet die Europäische Zentralbank (EZB) vorerst auf eine weitere Leitzinsanhebung. Mit der heutigen Entscheidung sei man weiter "gut aufgestellt, um die durch den Konflikt verursachte Unsicherheit zu bewältigen", so die EZB.

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Hinweis: Updates von der Pressekonferenz mit EZB-Präsidentin Christine Lagarde gibt es am Ende des Artikels.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Rahmen ihres Zinsentscheids am Donnerstag den Leitzins in der Eurozone wie erwartet stabil gehalten. Der in der aktuellen Situation maßgebliche Einlagensatz für die Banken bleibt bei 2,25 %, der Hauptrefinanzierungszins bei 2,40 % und der Spitzenrefinanzierungszins bei 2,65 %, wie die EZB mitteilte.

Beim letzten Zinsentscheid im Juni hatte die EZB die Leitzinsen um jeweils 0,25 Prozentpunkte angehoben, um den Inflationsgefahren durch die gestiegenen Öl- und Gaspreise zu begegnen. Für den heutigen Zinsentscheid war trotz der erneuten Zuspitzung im Iran-Krieg keine weitere Zinserhöhung erwartet worden.

"Die Aussichten für die Energiepreise sind zwar mit hoher Volatilität behaftet, liegen derzeit jedoch nahe am Basisszenario der von Fachleuten des Eurosystems erstellten Projektionen vom Juni und deutlich über dem vor dem Konflikt im Nahen Osten verzeichneten Niveau", heißt es im Statement zum Zinsentscheid. "Die Unsicherheit ist weiterhin hoch, und die vollständigen inflationären Auswirkungen des Energiepreisschocks müssen sich erst noch entfalten. Der EZB-Rat beobachtet daher die Intensität und Dauer des Schocks sowie dessen indirekte Auswirkungen und Zweitrundeneffekte genau. Der EZB-Rat ist entschlossen, die Geldpolitik so festzulegen, dass sich die Inflation mittelfristig bei seinem Zielwert von 2 % stabilisiert."

Mit der heutigen Entscheidung sei man weiter "gut aufgestellt, um die durch den Konflikt verursachte Unsicherheit zu bewältigen", so die EZB.

Bei künftigen Zinsentscheiden will die EZB weiter einen datenabhängigen Ansatz verfolgen und von Sitzung zu Sitzung entscheiden. Man werde sich weiter nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad festlegen, heißt es.

Die Finanzmärkte rechnen damit, dass die EZB beim Zinsentscheid im September eine Anhebung um 0,25 Prozentpunkte beschließen dürfte.


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Im Juni hatte sich die Inflationsrate in der Eurozone bereits auf 2,8 % abgeschwächt, von 3,2 % im Mai. In der sogenannten Kernrate, bei der die stark schwankungsanfälligen Preise für Energie, Alkohol, Tabak und Nahrungsmittel ausgeklammert werden, schwächte sich der Anstieg der Verbraucherpreise im Juni nach vorläufigen Angaben auf eine Jahresrate von 2,4 % ab, von 2,6 % im Mai.

Updates von der Pressekonferenz / Sinngemäße Aussagen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde:

  • Der EZB-Rat hat heute beschlossen, die drei Leitzinssätze der EZB unverändert zu belassen.
  • Die Aussichten für die Energiepreise sind zwar sehr volatil, liegen aber derzeit in der Nähe des Basisszenarios der von Fachleuten des Eurosystems erstellten Projektionen vom Juni und deutlich über dem Niveau, das vor dem Konflikt im Nahen Osten verzeichnet wurde.
  • Die Unsicherheit ist nach wie vor hoch, und die Auswirkungen des Energieschocks auf die Inflation sind noch nicht vollständig zum Tragen gekommen.
  • Der EZB-Rat beobachtet die Intensität und die Dauer des Schocks sowie seine indirekten Auswirkungen und Zweitrundeneffekte daher genau.
  • Der EZB-Rat ist fest entschlossen, seine Geldpolitik so auszurichten, dass sich die Inflation auf mittlere Frist beim Zielwert von 2 % stabilisiert.
  • Mit dem heutigen Beschluss ist der EZB-Rat weiterhin gut positioniert, um die durch den Konflikt verursachte Unsicherheit zu bewältigen.
  • Die Festlegung des angemessenen geldpolitischen Kurses wird von der Datenlage abhängen und von Sitzung zu Sitzung erfolgen.
  • Die Zinsbeschlüsse des EZB-Rats werden insbesondere auf seiner Beurteilung der Inflationsaussichten und der damit verbundenen Risiken, vor dem Hintergrund aktueller Wirtschafts- und Finanzdaten, sowie der Dynamik der zugrunde liegenden Inflation und der Stärke der geldpolitischen Transmission basieren.
  • Der EZB-Rat legt sich nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad fest.
  • Wirtschaft im zweiten Quartal dürfte sich erholt haben, obwohl der Konflikt im Nahen Osten weitergeht.
  • Aktivität im Dienstleistungssektor hat sich etwas verbessert.
  • Regierungen sollten Strukturreformen umsetzen.
  • Wachstum dürfte kurzfristig verhalten bleiben.
  • Inflation hat sich von 3,2 % auf 2,8 % im Mai abgeschwächt.
  • Der volle Effekt des Energiepreisschocks muss sich erst noch zeigen.
  • Brauchen dringend Maßnahmen zur Stärkung des Wachstums in der Eurozone.
  • Inflation dürfte deutlich über dem Ziel bleiben bis ins erste Halbjahr 2027. Anschließend sollte sich die Teuerung verringern.
  • Fiskalische Reaktionen auf Energieschock sollten vorübergehend und verhältnismäßig sein.
  • Risiken für den Inflationsausblick liegen auf der Oberseite.
  • Je länger die Energiepreise erhöht bleiben, desto stärker ist das Risiko von Zweitrundeneffekten.
  • Haben seit Juni eine relativ gute Entwicklung gehabt. Wachstumsaussichten haben sich erhöht, die Energiepreise sind gesunken. Inzwischen ist es wieder zu einer Zuspitzung gekommen.
  • Entscheidung war einstimmig. Aber es gab Gouverneure, die sich gefragt haben, ob die Zinsen heute nicht erhöht werden sollten.
  • Wir waren uns einig, dass wir warten sollten. Vor der nächsten Zinssitzung im September gibt es u. a. zwei monatliche Inflationsdaten und den Wachstumsbericht für das zweite Quartal sowie weitere Daten.
  • Werden besonders auf das Risiko von Zweitrundeneffekten achten. Bisher sehen wir keine Zweitrundeneffekte.
  • Lagarde kündigt an, die EZB nicht vor 2027 zu verlassen.
  • Jüngste Entwicklung am Golf ist alarmierend.
  • Mindestreserveanforderungen wurden nicht diskutiert.
  • Die Unsicherheit steigt. Aber die Situation kann sich auch schnell ändern. Aktuell sieht es eher unwahrscheinlich aus, dass sich die Krise bald abschwächt.
  • Denken, dass unsere Reaktionsfunktion von den Märkten sehr gut verstanden wird. Die Daten schwanken, aber unsere Reaktionsfunktion ist sehr stabil.

Fazit: Die EZB hat vorerst darauf verzichtet, die Zinsen weiter anzuheben, aber eine Zinserhöhung im September bleibt klar im Rahmen des Möglichen. Auch die Finanzmärkte rechnen damit, dass die Zinsen im September erneut erhöht werden. EZB-Präsidentin Christine Lagarde verwies darauf, dass bis zum nächsten Zinsentscheid zahlreiche weitere Wirtschaftsdaten veröffentlicht werden und dass sich auch die Situation rund um den Iran-Krieg bis dahin stark verändern könnte. Die heutige Entscheidung für konstante Zinsen sei zwar einstimmig gefallen, einige Mitglieder des EZB-Rats hätten sich aber gefragt, ob eine Anhebung nicht angemessen sei.

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