Kommentar
14:23 Uhr, 10.09.2026

EZB erhöht Leitzinsen wie erwartet

Angesichts des anhaltenden Inflationsdrucks durch den Krieg im Nahen Osten dreht die EZB erneut an der Zinsschraube. Die Inflation dürfte nach Einschätzung der Notenbank für längere Zeit über dem 2%-Ziel bleiben.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Rahmen ihres Zinsentscheids am Donnerstag den Leitzins in der Eurozone wie erwartet um 25 Basispunkte angehoben. Der in der aktuellen Situation maßgebliche Einlagensatz für die Banken steigt von 2,25 % auf 2,50 %, der Hauptrefinanzierungszins von 2,40 % auf 2,65 % und der Spitzenrefinanzierungszins von 2,65 % auf 2,90 %, wie die EZB mitteilte. Die neuen Sätze gelten ab dem 16. September. Der Einlagensatz liegt nun auf dem höchsten Stand seit April 2025.

Nach einer ersten Zinserhöhung im Juni hatte die EZB den Leitzins beim nächsten Zinsentscheid im Juli konstant gehalten, bevor er nun wieder erhöht wurde. Die heutige EZB-Ratssitzung fand nicht in Frankfurt, sondern in der Bundesbank-Niederlassung in Berlin statt. Einmal pro Jahr tagt der EZB-Rat in der Regel bei einer der nationalen Notenbanken.

"Der Konflikt im Nahen Osten erzeugt weiterhin Inflationsdruck, und die Inflation dürfte für einen längeren Zeitraum deutlich über unserem Zielwert bleiben", teilte die EZB zur Begründung der Zinserhöhung mit. "Der heutige Beschluss unterstreicht die Entschlossenheit des EZB-Rats, seine Geldpolitik so auszurichten, dass sich die Inflation auf mittlere Frist beim Zielwert von 2 % stabilisiert."


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Der Ausblick ist nach wie vor mit hoher Unsicherheit behaftet, wobei die Risiken für die Inflation aufwärtsgerichtet und für das Wirtschaftswachstum abwärtsgerichtet sind", heißt es im Statement weiter. Zum Energieschock haben die EZB-Fachleute zudem aktualisierte Szenarien vorgelegt, die das breite Spektrum möglicher Entwicklungen von Wachstum und Inflation „unter verschiedenen Annahmen zu Intensität und Dauer des Schocks sowie zu dessen indirekten Effekten und Zweitrundeneffekten" illustrieren sollen.

Die EZB-Fachleute hoben ihre Inflationsprognosen für 2027 und 2028 an. Im Basisszenario der neuen Projektionen wird die Gesamtinflation 2026 bei 3,0 %, 2027 bei 2,5 % und 2028 bei 2,1 % gesehen. Bei der Inflation ohne Energie und Nahrungsmittel wird im Basisszenario von 2,5 % für 2026, 2,6 % für 2027 und 2,3 % für 2028 ausgegangen. Die Wachstumsprognose wurde unterdessen für 2027 und 2028 ebenfalls erhöht. Erwartet wird nun ein Wachstum von 0,9 % für 2026, 1,4 % für 2027 und 1,5 % für 2028.

Zuletzt hatte sich die Teuerung in der Eurozone angesichts der höheren Energiepreise wieder beschleunigt. Die Inflationsrate legte von 2,9 % im Juli auf 3,3 % im August zu. In der sogenannten Kernrate, bei der die stark schwankungsanfälligen Preise für Energie, Alkohol, Tabak und Nahrungsmittel ausgeklammert werden, schwächte sich die Jahresrate von 2,5 % auf 2,4 % etwas ab.

Hintergrund des erneuten Inflationsanstiegs ist die Eskalation rund um die Straße von Hormus, die die Energiepreise zuletzt wieder nach oben getrieben hat. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent notiert wieder über der Marke von 100 USD, der europäische Gaspreis kletterte zu Wochenbeginn auf den höchsten Stand seit Anfang 2023. EZB-Direktorin Isabel Schnabel hatte Ende August vor Zweitrundeneffekten über Löhne und Dienstleistungspreise gewarnt und weitere Zinserhöhungen für wahrscheinlich erklärt.

Mit dem heutigen Beschluss sieht sich der EZB-Rat „weiterhin gut positioniert, um die durch den Konflikt verursachte Unsicherheit zu bewältigen". Die EZB bekräftigt zugleich, dass sie sich nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad festlegt und Zinsentscheidungen datenbasiert und von Sitzung zu Sitzung treffen wird.

An den Finanzmärkten war die heutige Zinserhöhung bereits nahezu vollständig eingepreist. Bis zum Jahresende wird dort ein weiterer Zinsschritt um 25 Basispunkte weitgehend erwartet, während viele Ökonomen nach der heutigen Anhebung zunächst mit einer Pause rechnen. Die nächsten Zinsentscheide stehen am 29. Oktober und am 17. Dezember an.

Updates von der EZB-Pressekonferenz / Wichtige sinngemäße Aussagen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde

  • Arbeitsmarkt weiter robust, mit einer zuletzt stabilen Arbeitslosenquote.
  • Wachstumsausblick hat sich zuletzt aufgehellt.
  • Wirtschaft erwies sich im zweiten Quartal als widerstandsfähig, trotz des Energiepreisschocks.
  • Verstärkte KI-Aktivität zeigte sich zuletzt bei digitalen Dienstleistungen, Unternehmensinvestitionen und den Exporten.
  • Strukturreformen sind notwendig um ein höheres Wachstumspotenzial zu ermöglichen.
  • Kurzfristige Inflationserwartungen sind erhöht, aber längerfristige Inflationserwartungen liegen weiter in der Nähe von 2 %.
  • Die höheren Energiepreise dürften bis weit ins erste Halbjahr 2027 zu einer erhöhten Inflationsrate beitragen, bevor sich die Inflation dann bis zur Jahresmitte 2028 abschwächen dürfte.
  • Inflationsrate dürfte Ende 2027 wieder das Ziel von 2 % erreichen.
  • Risiken zum Wachstumsausblick liegen auf der Unterseite
  • Höhere Energiepreise oder Handelsrisiken bleiben Risiken.
  • Risiken zum Inflationsausblick liegen auf der Oberseite.
  • Iran- und Ukraine-Krieg sind Risiken für das Wachstum.
  • Je länger die Energiepreise erhöht bleiben, desto größer ist das Risiko von Zweitrundeneffekten.
  • El-Nino-Effekt und Klimawandel könnten zu einem stärkeren Anstieg der Nahrungsmittelpreise führen.
  • Legen uns nicht auf einen bestimmten Zinspfad fest und sind zur Anpassung aller Instrumente bereit.
  • Zukünftiger Zinspfad wurde heute überhaupt nicht diskutiert.
  • Lagarde äußert sich erneut nicht zu Spekulationen, dass sie Vorsitzende des Weltwirtschaftsforums (WEF) werden könnte. Es gebe nichts zu ihrer persönlichen Zukunft zu sagen, so Lagarde.
  • Der heutige Zinsentscheid fiel einstimmig.
  • Erhöhter Kapitalbedarf durch KI-Investitionen trägt zum Zinsanstieg bei.
  • Wir sind positiv vom Wachstum in der Eurozone überrascht. Die Wirtschaft passt sich besser an.
  • Sind auch bei der Inflation überrascht, weil sie niedriger ist, als erwartet. Aber wir erwarten gleichzeitig, dass die Inflation länger als bisher erwartet höher bleiben wird, und auf dieser Basis passen wir die Prognosen an.
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