Kommentar
15:47 Uhr, 30.04.2026

Erhöht die EZB im Juni die Zinsen?

Die "Aufwärtsrisiken für die Inflation und die Abwärtsrisiken für das Wachstum" hätten sich erhöht, heißt es im Statement zum Zinsentscheid. Auf der Pressekonferenz deutete EZB-Präsidentin Christine Lagarde eine mögliche Zinserhöhung im Juni an.

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Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Rahmen ihres Zinsentscheids am Donnerstag den Leitzins in der Eurozone wie erwartet stabil gehalten. Der in der aktuellen Situation maßgebliche Einlagensatz für die Banken bleibt bei 2,00 %. Der Hauptrefinanzierungszins wurde bei 2,15 % und der Spitzenrefinanzierungszins bei 2,40 % belassen, wie die EZB mitteilte.

Auf der Pressekonferenz deutete EZB-Präsidentin Christine Lagarde eine mögliche Zinserhöhung im Juni an, zumindest falls der Nahostkonflikt bis dahin nicht gelöst ist. Im Juni habe man deutlich mehr Informationen darüber, ob es zu Zweitrundeneffekten bei der Inflation komme, und dies sei entscheidend für die Reaktion der EZB, sagte Lagarde. Man wolle sich die notwendige Zeit geben, um im Juni zu entscheiden, was notwendig sei, um auf die aktuelle Situation zu reagieren.

Die "Aufwärtsrisiken für die Inflation und die Abwärtsrisiken für das Wachstum" hätten sich erhöht, heißt es im Statement zum Zinsentscheid. "Durch den Krieg im Nahen Osten sind die Energiepreise kräftig gestiegen, was die Inflation in die Höhe treibt und das Konjunkturklima belastet. Die Folgen des Krieges für die mittelfristige Inflation und die Wirtschaftstätigkeit werden von der Intensität und der Dauer des Energiepreisschocks sowie vom Ausmaß seiner indirekten Auswirkungen und Zweitrundeneffekte abhängen. Je länger der Krieg anhält und je länger die Energiepreise auf hohem Niveau bleiben, desto stärker wird sich dies voraussichtlich auf die allgemeine Inflation und die Wirtschaft auswirken."

Dennoch sieht sich die EZB weiterhin "gut gerüstet", um auf die aktuelle Unsicherheit zu reagieren. Vor dem Nahostkrieg habe die Inflation bei 2 % gelegen und die Wirtschaft habe sich "in den letzten Quartalen als widerstandsfähig erwiesen". Die längerfristigen Inflationserwartungen seien nach wie vor fest verankert, während die kurzfristigen Inflationserwartungen stark gestiegen seien.


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"Der EZB-Rat wird die Lage genau beobachten und bei der Festlegung des angemessenen geldpolitischen Kurses einen datengestützten Ansatz verfolgen und von Sitzung zu Sitzung entscheiden. So werden seine Zinsbeschlüsse auf seiner Beurteilung der Inflationsaussichten und der damit verbundenen Risiken, vor dem Hintergrund aktueller Wirtschafts- und Finanzdaten, sowie der Dynamik der zugrunde liegenden Inflation und der Stärke der geldpolitischen Transmission basieren. Der EZB-Rat legt sich nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad fest", betont die EZB.

Wegen des starken Anstiegs der Energiepreise hat sich die jährliche Inflationsrate bereits erheblich beschleunigt, von 1,9 % im Februar auf 2,6 % im März und, nach vorläufigen Daten, auf 3,0 % im April.

Wegen der höheren Inflation preisen die Finanzmärkte inzwischen zwei Zinserhöhungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte in diesem Jahr ein. Auch zwei von der EZB veröffentlichte Szenarien sehen zwei Zinserhöhungen im Jahresverlauf vor.

Updates von der Pressekonferenz: Sinngemäße Aussagen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde

  • Der EZB-Rat hat heute beschlossen, die drei Leitzinssätze der EZB unverändert zu belassen.
  • Die neu verfügbaren Daten stehen zwar weitgehend im Einklang mit der bisherigen Einschätzung des EZB-Rats zu den Inflationsaussichten und den damit verbundenen Risiken, die Aufwärtsrisiken für die Inflation und die Abwärtsrisiken für das Wachstum haben sich jedoch erhöht.
  • Durch den Krieg im Nahen Osten sind die Energiepreise kräftig gestiegen, was die Inflation in die Höhe treibt und das Konjunkturklima belastet. Die Folgen des Krieges für die mittelfristige Inflation und die Wirtschaftstätigkeit werden von der Intensität und der Dauer des Energiepreisschocks sowie vom Ausmaß seiner indirekten Auswirkungen und Zweitrundeneffekte abhängen.
  • Je länger der Krieg anhält und je länger die Energiepreise auf hohem Niveau bleiben, desto stärker wird sich dies voraussichtlich auf die allgemeine Inflation und die Wirtschaft auswirken.
  • Der EZB-Rat ist weiterhin gut gerüstet, um die aktuelle Unsicherheit zu bewältigen. Als der Euroraum in diese Phase stark steigender Energiepreise eintrat, lag die Inflationsrate in der Nähe unseres Zielwerts von 2 %. Die Wirtschaft hat sich in den letzten Quartalen als widerstandsfähig erwiesen. Die längerfristigen Inflationserwartungen sind nach wie vor fest verankert. Allerdings sind die Inflationserwartungen über kürzere Zeithorizonte erheblich gestiegen.
  • Der EZB-Rat wird die Lage genau beobachten und bei der Festlegung des angemessenen geldpolitischen Kurses einen datengestützten Ansatz verfolgen und von Sitzung zu Sitzung entscheiden. So werden seine Zinsbeschlüsse auf seiner Beurteilung der Inflationsaussichten und der damit verbundenen Risiken, vor dem Hintergrund aktueller Wirtschafts- und Finanzdaten, sowie der Dynamik der zugrunde liegenden Inflation und der Stärke der geldpolitischen Transmission basieren. Der EZB-Rat legt sich nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad fest.
  • Die Wirtschaft der Eurozone hat einiges Momentum gezeigt, als die aktuellen Turbulenzen begannen. Das Wachstum im ersten Quartal lag bei 1,7 %.
  • Die Binnenkonjunktur war der Motor der positiven Entwicklung.
  • Der wirtschaftliche Ausblick ist sehr unsicher und die Konjunktur wird durch den Konflikt belastet.
  • Die Arbeitskräftenachfrage hat sich weiter abgeschwächt.
  • Die kurzfristigen Inflationserwartungen sind stark gestiegen, aber die meisten längerfristigen Indikatoren stehen bei 2 %, was im Einklang mit dem EZB-Ziel steht.
  • Die Inflation wird kurzfristig erhöht bleiben und kurzfristig deutlich über 2 % liegen. Die Risiken für das Wachstum sind abwärts gerichtet.
  • Die Bedingungen an den Finanzmärkten sind angespannter als vor dem Krieg.
  • Wir sind bereit, alle Instrumente anzupassen.
  • Wir bewegen uns eindeutig vom Basisszenario weg. Und entscheidend wird sein, wie sich die Energiepreise entwickeln.
  • Wir haben heute eine informierte Entscheidung auf Basis bisher unvollständiger Informationen getroffen.
  • Wir haben ausführlich über verschiedene Optionen diskutiert, darunter eine mögliche Zinserhöhung. Das Ergebnis war, die Zinsen stabil zu halten. Müssen die Daten auf der nächsten Sitzung erneut prüfen.
  • Die Entscheidung fiel einstimmig nach intensiven Diskussionen.
  • Wir verwenden den Begriff Stagflation nicht für die aktuelle Situation. Die heutige Situation ist sehr verschieden als in den 1970er Jahren, damals war das Zins- und Inflationsumfeld völlig anders.
  • Zinsen sind das beste Instrument, um zu reagieren.
  • Die Reaktionsfunktion der EZB sieht vor, dass das Inflationsziel 2 % ist, dass wir symmetrisch an das Ziel herangehen, und dass die Reaktion davon abhängt, wie stark und wie andauernd die Abweichung vom Ziel ist.
  • Es gibt reichlich Liquidität im Bankensektor, wir sehen keine Anspannung.
  • Entscheidend ist, wie lange der Konflikt andauert.
  • Sowohl im Basisszenario als auch im negativen Szenario waren zwei Zinserhöhungen vorgesehen. Dies bedeutet, dass unsere Reaktionsfunktion gut verstanden wird. Der Grund, warum wir nicht heute umsetzen, was in den Szenarien enthalten ist [also eine Zinserhöhung], ist dass wir von einem guten Startpunkt kommen und Zeit haben. Außerdem sehen wir keine Zweitrundeneffekte. Das ist etwas, auf das wir stark achten müssen.
  • Wir wollen uns die notwendige Zeit geben, um im Juni zu entscheiden, was notwendig ist, um unser Ziel zu erreichen.

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