Analyse

EUROPÄISCHE BANKEN – Rally vorerst zu Ende?

Ist die große Krise der Banken inzwischen ausgestanden? Betrachtet man die Kursentwicklung der letzten Monate könnte man dies durchaus meinen.

Erwähnte Instrumente

  • ESTX Banks - WKN: 965842 - ISIN: EU0009658426 - Kurs: 115,35 Pkt (STOXX)
  • Deutsche Bank AG - WKN: 514000 - ISIN: DE0005140008 - Kurs: 18,226 € (XETRA)
  • Banco Santander S.A. - WKN: 873816 - ISIN: US05964H1059 - Kurs: 5,450 $ (NYSE)
  • UBS Group AG - WKN: A12DFH - ISIN: CH0244767585 - Kurs: 15,850 Fr (VTX)
  • BNP Paribas S.A. - WKN: 887771 - ISIN: FR0000131104 - Kurs: 56,770 € (Euronext Paris)

Die Banken haben in den letzten Monaten sehr gut performt. Eine Deutsche Bank konnte sich beispielsweise verdoppeln. Nun stellt sich die Frage, war dies die große Wende für die Banken oder nur eine zwar massive, aber letztlich nur temporäre Erholung? Um dieser Frage nachzugehen, werde ich zunächst auf den Bankenindex ESTX Banks eingehen und danach einige bekannte Bankenaktien unter charttechnischen Gesichtspunkten untersuchen.

Bankenindex: (ESTX Banks)

Der Bankenindex fand im Juli 2012 ein Tief bei 72,00 Punkten. Danach setzte eine starke Aufwärtsbewegung ein, in deren Verlauf sich der Index mehr als verdoppelte. Bis auf ein Hoch bei 163,34 Punkten zog er an. Dort bildete sich allerdings ein Doppeltop heraus. Im Januar 2016 fiel der Bankenindex unter die Nackenlinie bei 122,68 Punkten ab. Dies führte noch einmal zu einem starken Abverkauf. Dieser ging im Juli 2016 mit einem Tief bei 77,24 Punkten zu Ende. Damit fiel der Index nicht unter das Tief aus dem Jahr 2012.

Seit Juli 2016 befindet sich der Bankenindex sich in einer Aufwärtsbewegung. Diese führte ihn bis an den Widerstand bei 122,68 Punkten und damit an die Nackenlinie des Doppeltops, das er von April 2014 bis Januar 2016 ausgebildet hatte. An diesem wichtigen Widerstand bildete sich nun in den letzten Wochen eine kleine Topformation in Form einer SKS. Im gestrigen Handel fiel der Index unter die Nackenlinie bei 117,48 Punkten ab. Aus dieser SKS ergibt sich ein rechnerisches Ziel bei ca. 109,58 Punkten. Dieses liegt zwar unter dem letzten Zwischenhoch bei 110,52 Punkten, aber noch deutlich über dem Aufwärtstrend seit Juli, der aktuell bei 104,16 Punkten verläuft.

Im gestrigen Handel ergab sich also ein Verkaufssignal, das auf eine größere Konsolidierung in Richtung 110,52-109,58 Punkten hindeutet. Nach Abschluss dieser Konsolidierung könnte der Index erneut den Widerstandsbereich um 122,68 Punkte attackieren. Ein Ausbruch darüber würde ihm dann größere Rallychancen in Richtung des Hochs aus dem April 2014 eröffnen. Aber dafür muss es erst zu einem signifikanten Ausbruch über 122,58 Punkte kommen.

Eine schnelle und dynamische Rückkehr über 117,48 Punkte würde das gestrige Verkaufssignal zu einem Fehlsignal machen. Anschließend bestünde die Chance auf einen zügigen Ausbruch über 122,58 und eine Rally in Richtung 163,64 Punkte.

ESTX Banks
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DEUTSCHE BANK:

Die Deutsche Bank ist noch immer eine, wenn nicht sogar die bekannteste Bank in Deutschland. Der Ruf dieser Bank hat in den letzten Jahren aber sehr gelitten. Seit dem Beginn der Finanzkrise 2008/09 befindet sich die Aktie in einer Abwärtsbewegung. Eigentlich setzte diese bereits im Mai 2007 nach dem Allzeithoch bei 103,14 EUR ein. Im September 2016 fiel der Wert auf ein Tief bei 9,89 EUR. Damit notierte er unter den Tiefpunkten von Anfang der 1990er Jahre.

Anschließend bildete die Aktie eine inverse SKS aus. Diese Bodenformation wurde mit dem Ausbruch über die Nackenlinie am 10. November 2016 vollendet. Dieser Ausbruch bot dem Wert die Chance auf eine starke Rally, die er auch nutzen konnte. Er zog bis an den Widerstand bei 18,83 EUR an. Am 25. Januar brach die Aktie sogar mit einer langen weißen Kerze darüber aus. Einen Tag später notierte sie im Hoch bei 19,97 EUR. Aber dieses Niveau hielt die Deutsche Bank nicht. In den letzten Tagen fiel sie wieder zurück und notiert nun auch wieder unter 18,83 EUR.

Mit dem Fehlausbruch über 18,83 EUR hat sich das Chartbild der Deutschen Bank auf kurzfristige Sicht wieder etwas eingetrübt. Zunächst einmal muss nun mit Abgaben in Richtung 16,80 EUR gerechnet werden. Dort liegt die Oberkante eines noch offen Gaps vom 07. Dezember 2016. Dort könnte es dann weitere Hinweise für die Entwicklung in den nächsten Wochen und Monaten geben. Kommt an dieser Stelle wieder Kaufinteresse auf, wäre ein erneuter Anstieg über 18,83 und eine anschließende Aufwärtsbewegung in Richtung 20,68 und 22,67 EUR möglich. Sollte es allerdings zu einem Rückfall unter 16,80 EUR kommen, dann würde eine Abwärtsbewegung in Richtung der Nackenlinie der inversen SKS bei 13,84 EUR drohen.

Banco Santander:

Zu den ganz großen europäischen Banken gehört auch die Banco Santander. Diese Aktie befindet sich wie so viele andere europäische Banken in einer langfristigen, seit Jahren anhaltenden Abwärtsbewegung. Im Rahmen dieser Bewegung fiel der Wert im Februar 2016 auf ein Tief bei 3,27 EUR zurück. Mit diesem setzte eine Bodenbildung in Form eines Doppelbodens ein. Anfang Dezember 2016 gelang der Ausbruch über die Nackenlinie bei 4,53 EUR. Dieser Ausbruch löste eine weitere Aufwärtsbewegung bis knapp über den EMA200 und auf ein Hoch bei 5,51 EUR aus. Seit diesem Hoch kommt es allerdings zu Gewinnmitnahmen. Die Bank ist in eine Konsolidierung eingeschwenkt.

Diese Konsolidierung kann noch etwas andauern. Sogar ein Rückfall auf die Nackenlinie des Doppelbodens, also bis ca. 4,53 EUR, ist möglich. Dort sollte die Aktie aber eigentlich wieder nach oben drehen und in Richtung 6,26 EUR ansteigen. Ein Wochenschlusskurs deutlich unter 4,53 EUR würde allerdings nicht in dieses Szenario passen und die Gefahr eines erneuten Abrutschens in Richtung 3,27 EUR heraufbeschwören.

Banco Santander S.A.
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UBS Group:

Im März 2009 markierte die UBS Group ein Tief bei 8,20 CHF. Danach drehte der Wert nach oben und zog zunächst zügig auf 19,54 CHF an. Anschließend lief die Aktie jahrelang seitwärts. Dabei bildete sich ein aufsteigendes Dreieck heraus. Im Mai 2015 brach die Bankaktie auch aus diesem Dreieck nach oben aus und kletterte auf 22,57 CHF. Danach geriet sie aber unerwartet stark wieder unter Druck. Sie fiel bis auf den Aufwärtstrend seit März 2009 zurück. Erst nach einem Tief bei 11,58 CHF fing sich die Aktie wieder. Im November 2016 gelang sogar der Ausbruch über den Abwärtstrend ab August 2015. Bis auf 17,73 CHF zog der Aktienkurs an. Seit diesem Hoch befindet er sich in einer Konsolidierung, die als bullische Flagge eingeordnet werden kann. Dabei sitzt die Aktie aktuell auf der unteren Begrenzung der Flagge, die durch den EMA50 bei aktuell 15,54 CHF verstärkt wird, auf.

Kurzfristig könnte die UBS also an die obere Begrenzung der Flagge bei aktuell 17,37 CHF ansteigen. Ein Ausbruch darüber würde der Aktie weiteres Potenzial in Richtung 22,57 EUR eröffnen. Ein Wochenschlusskurs unter 15,54 CHF würde aber nicht zu diesem bullischen Szenario passen.

BNP PARIBAS:

Diese Aktie hatte ich bereits nach den gestern präsentierten Zahlen gecheckt. Den Check können sie unter BNP PARIBAS – Nur ein Warnschuss für die Bullen? nachlesen. An dieser Stelle füge ich nur eine kurze Zusammenfassung an.
Die Aktie scheiterte zuletzt an einem langfristig wichtigen Widerstandsbereich und setzte auf einen kurzfristigen Unterstützungsbereich um 57,05 EUR zurück. An diesem könnte nun entschieden werden, ob die Aktie noch einmal die Chance auf einen Angriff auf diesen langfristigen Widerstandsbereich erhält oder ob es zu einer größeren Konsolidierung kommt. Aktuell notiert die BNP Paribas minimal unter dem Unterstützungsbereich, aber das ist noch kein signifikanter Durchbruch.

Fazit: Seit der Katastrophenstimmung um die Banken im dritten Quartal 2016 hat sich einiges getan. Viele Chartbilder haben sich seitdem sehr konstruktiv weiterentwickelt. Aber die erste Rallyphase könnte nun durchaus vorbei sein. Darauf weist die SKS-Topformation im ESTX Banks hin. Allerdings könnte es nach einer Konsolidierung noch einmal gute Einstiegschancen geben. Diese gilt es aber zunächst abzuwarten.

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  • Ski-Ghost
    Ski-Ghost

    Sollte die Deregulierung der Banken in den USA umgesetzt werden, so bedeutet das für die europäischen Banken nichts Gutes. Es entsteht eine Schieflage im Wettbewerb, der auf mittelfristige Sicht eher für den Einstieg in US-Banken als in EU-Banken suggeriert.

    12:35 Uhr, 08.02.2017

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Über den Experten

Alexander Paulus
Alexander Paulus
Technischer Analyst und Trader

Alexander Paulus kam zunächst über Börsenspiele in der Schule mit der Börse in Kontakt. 1997 kaufte er sich seine erste Aktie. Nach einigen Glückstreffern schmolz aber in der Asienkrise 1998 der Depotbestand auf Null. Da ihm das nicht noch einmal passieren sollte, beschäftigte er sich mit der klassischen Charttechnik und veröffentlichte seine Analysen in verschiedenen Foren. Über eine Zwischenstation kam er im April 2004 zur BörseGo AG und veröffentlicht seitdem seine Analysen auf GodmodeTrader.de.

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