Kommentar
10:30 Uhr, 04.03.2009

Euro gibt gegenüber dem USD weiter nach trotz massiv enttäuschender US-Daten!

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Der Euro eröffnet heute bei 1.2515, nachdem in Fernost Tiefstkurse bei 1.2458 markiert wurden. Damit ist der Bias auf neutral gedreht. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 98.50. EURJPY notiert bei 123.30, während EUR-CHF bei 1.4780 oszilliert.

Der Chart des Tages zeigt die Veränderung des BIP in wesentlichen Regionen in den vergangenen Jahren. Deutlich wird, dass Asien und Südamerika laut Prognose per 2009 die einzigen Regionen mit positiven Wachstumskontributionen sind. Ergo es gibt partielle Abkoppelung der "Emerging Markets" von dem Dilemma der Welt. Das gilt vor allen Dingen für die Länder, die nicht am Kapitaltropf des Westens hängen. Lernkurven wünschenswert …

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Die gestern veröffentlichten Daten aus den USA als auch diverse Einlassungen von der Politik zeichneten ein Bild, das für die USA als negativ interpretiert werden muss. Erneut führten negative Entwicklungen in den USA zu USD-Nachfrage und nicht zu USD-Abgaben.

Der Hintergrund für die EUR-USD Entwicklung ist vereinfacht wie folgt zu beschreiben:

Verstärkte Krise in den USA bedeutet verstärkte Abschreibungen der europäischen Banken, die sich stark in US-Papieren engagiert haben. Diese Positionen sind mit USD-Krediten refinanziert. Nach den Abschreibungen sind die USD-Kredite anzupassen. Genau das führt zu USDNachfrage. Fraglos gibt es auch noch andere Erklärungsansätze. Wir weisen darauf hin, dass diese "Korrelation" als temporär bezeichnet werden muss, da die "schiefen" Positionen der "smarten" Finanzteilnehmer Europas endliche Größen sind.

Wenden wir uns den Fakten zu:

* US-Finanzminister Geithner sagte, dass das Bankenrettungsprogramm mehr als die vom Kongress genehmigten 700 Mrd. USD kosten könnte. Ergo kommen hier neue Belastungen zustande.

* Geithner betonte dass, die amtierende US-Regierung das Budgetdefizit per 2013 auf 3% des BIP zurückführen will (Federal Budget aktuelle Planung 1,3 Billionen oder circa 9% des BIP). Der Wille ist aller Ehren wert. Wie es gemacht werden soll, ist völlig unklar!

* Die Situation amerikanischer Pensionsfonds spitzt sich zu. Bloomberg berichtet von einem möglichen weiteren notwendigen "Bailout" in der Größenordnung von 1.000 Mrd. USD (Titel Bloomberg: "Hidden Pension Fiasco may foment another $1 Trillion Bailout").

Die obigen Einlassungen implizieren, dass das Interventionsvolumen der US-Regierung und Zentralbank voraussichtlich erheblich höher ausfallen wird, als derzeit von den Märkten diskontiert. Die Frage nach der Unabhängigkeit der Fed stellt sich zunehmend, da die US-Zentralbank immer stärker als politisch gleichgeschaltete Behörde, denn als unabhängige Zentralbank agiert. Die Wirtschaftsdaten waren gestern aus den USA einmal mehr enttäuschend: Der "ABC News Money Magazine Consumer Comfort Index" sank in der Berichtswoche von -48 auf -49 Punkte. Die Prognose war bei -48 Zählern angesiedelt.

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Der Automobilabsatz sank per Februar von zuvor annualisiert 9,5 auf 9,1 Mio. Kraftfahrzeuge, dem niedrigsten Niveau seit 1981. Im Jahresvergleich entsprach das einem Rückgang um 40%. Der Vergleich mit 1981 ist natürlich Ausdruck einer schiefen Ebene. Die Situation ist heute ungleich problematischer. Heute gibt es 38% mehr Haushalte als 1981. Ergo ist die Situation viel prekärer als 1981!

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Die anhängigen Hausverkäufe per Januar lieferten eine herbe Enttäuschung. Im Monatsvergleich kam es zu einem Rückgang um 7,7%. Analysten hatten ein Minus in Höhe von 3,0% unterstellt. Darüber hinaus wurde der Vormonatswert von +6,3% auf +4,7% revidiert. Im Jahresvergleich ergab sich damit per Januar ein Rückgang um 6,4% nach einer Zunahme um 1,2% per Dezember (zuvor +2,1%).

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Bezüglich der heute anstehenden Daten verweisen wir auf die unten angeführte Datenbox. Der dezidierte Blick auf die Ergebnisse folgt morgen.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in der Parität EUR-USD favorisiert.

Viel Erfolg!

© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Bremer Landesbank

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