Kommentar
10:42 Uhr, 05.03.2009

EUR-USD stößt unter/bei 1.25 auf Kaufinteresse - Datenpotpourri "non-enchanting"

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Der Euro eröffnet heute morgen bei 1.2615 (08.15 Uhr), nachdem in Fernost Höchstkurse bei 1.2662 markiert wurden. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 99.60. In der Folge notiert EUR-JPY bei 125.65, während EUR-CHF bei 1.4795 oszilliert.

Gestern wurde dem Finanzmarkt von Chinas Premier Leben eingehaucht. Der chinesische Premier Wen sprach von einer deutlichen Erhöhung der chinesischen Ausgaben im Investitionsbereich, nachdem die Exportindustrie unter starken Druck geraten ist. Er bleibt der Ansicht, dass damit das 8% Wachstumsziel für die chinesische Wirtschaft weiterhin realistisch sei.

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China ist die drittgrößte Wirtschaftsnation nach den USA und Japan. Mithin spielt damit China eine wesentliche Rolle für die weitere Konjunkturentwicklung der globalen Wirtschaft. Ergo ist die Verbalakrobatik aus China mindestens beachtenswert. Deutschland steht übrigens auf Platz vier in der Rangliste der Wirtschaftsnationen.

Nach vielen "Portionen" Ernüchterung mit entsprechender Diskontierung insbesondere an den Aktienmärkten kam es in der Folge zu einer Belebung, die fraglos zum jetzigen Zeitpunkt noch als fragil und in wesentlichen Teilen als "technisch" bezeichnet werden muss. Hinsichtlich der extrem niedrigen Bewertung der japanischen als auch europäischen Aktienmärkte (im Gegensatz zum US-Aktienmarkt = impliziter Beleg für PPT) unter Buchwertgesichtspunkten kann jedoch durchaus aus einer fragilen Entwicklung eine substantiellere Bewegung mutieren.

Das Thema Ernüchterung wurde gestern gleichfalls belegt, sowohl über Verbalakrobatik als auch über den Veröffentlichungskalender.

Das "Beige Book" der Fed lieferte die erwarteten Molltöne. In zehn der zwölf Fed Bezirke kam es zu weiteren Abschwächungen der Geschäftsbedingungen und/oder der Geschäftstätigkeit. Der Arbeitsmarkt bleibt unter erheblichem Druck. Der Ausblick für die Gesamtsituation der USWirtschaft bleibt negativ. Eine Erholung wird frühestens per Ende 2009 in Aussicht gestellt. Das Deflationsrisiko wird thematisiert.

Diejenigen Stimmen, die in den USA eine schnellere Erholung als in den übrigen Regionen der Welt erwarten, dürften zunehmend enttäuscht sein.

Wenden wir uns den US-Wirtschaftsdaten zu:

Der "Challenger Report", der Aufschluss über angekündigte Massenentlassungen gibt, lieferte per Februar 2009 ein Ergebnis von 186.350 betroffenen Jobs nach zuvor 241.750 Jobs per Januar. Ergo kam es zu einem Rückgang auf Monatsbasis um 22,9%. Im Jahresvergleich stellte sich jedoch ein markanter Zuwachs um 158,5% ein!

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Der "ADP Employment Report" per Februar, der Auskunft über die Entwicklung des USArbeitsmarkts exklusive der öffentlichen Beschäftigung gibt (oder geben soll), konfrontierte den Markt mit einem Ergebnis von 697.000 Jobverlusten. Die Prognose der Analysten war bei - 610.000 Jobs angesiedelt. Der Vormonatswert wurde von -522.000 auf -614.000 revidiert. Der beigefügte Chart liefert ein Bild der Anzahl der privat Beschäftigten in den USA.

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Der ISM-Dienstleistungsindex sank per Februar von zuvor 42,9 auf 41,6 Punkte. Marktbeobachter hatten einen Rückgang auf 41,0 Zähler erwartet.

Das Niveau deutlich unter 50 Punkten impliziert weiterhin deutliche Rezession im Dienstleistungssektor.

Die Subindices lieferten ein divergentes Bild. Der Index der Geschäftstätigkeit verlor von 44,2 auf 40,2 Zähler. Der Auftragsindex ging von 41,6 auf 40,7 Punkte zurück. Der Beschäftigungsindex verbesserte sich dagegen von 34,4 auf 37,3 Punkte.

Der beigefügte Chart verdeutlicht, dass die Erholung von den Tiefstpunkten zumindest derzeit noch nicht als Trendwende interpretiert werden kann.

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Heute stehen die Zinsentscheidungen und die Verbalakrobatik der Bank of England und der EZB im Mittelpunkt des Interesses.

Die BoE befindet sich auf dem Weg zum "Quantitative Easing". Der nächste Zwischenstopp wird heute mit einer Zinssenkung von 1,00% auf 0,50% eingelegt. Dem "Patienten" wird alles zugeführt, was die "Küchen" der Zentralbank und der Politik bieten.

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Deutlich wird an derartigen Politikansätzen, dass "Scheitern keine Option" darstellt. Das gilt nicht nur für die BoE, das gilt auch für die Fed und die BoJ und schlussendlich auch für die EZB.

Die EZB hebt sich hier in wesentlichen Ansätzen (wohltuend) ab. Sie ist zu einer für ihre Verhältnisse aggressiven Gangart bereit, ohne dabei das Stabilitätsziel vollständig aus den Augen zu lassen.

Nullzinspolitik hat immer auch den faden Beigeschmack der Kapitulation der Zentralbank. Kapitulation der Zentralbank bedeutet hier allzu häufig politische Gleichschaltung der Zentralbank, also Verlust der Unabhängigkeit. Ergo sollten diejenigen die Nullzinspolitik "abfeiern", sich der Tatsache Bewusstsein, dass damit der ordnungspolitische Rahmen freier Märkte nicht unerheblich in Mitleidenschaft gezogen wird/würde.

Nun denn, die EZB wird den Leitzins von 2,00% auf 1,50% senken. Die Verbalakrobatik der EZB wird so ausfallen, dass die Option Richtung 1,00% nicht ausgeschlossen wird. Auch mit 1% Leitzins kann man heute auf der großen Bühne der G-7 ein "Hochzinsland" sein!

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Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in der Parität EUR-USD favorisiert. Die Bewegungen bieten derzeit zu wenig Trend und zu viel Stochastik.

Gleichwohl erachten wir das aktuelle Niveau grundsätzlich unter mittel- und langfristigen Aspekten für Absicherung von USD-Forderungen für interessant und adäquat.

Viel Erfolg!

© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Bremer Landesbank

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