Kommentar
11:22 Uhr, 24.02.2026

ETFs: „Trend geht Richtung Europa und Schwellenländer“

Favoritenwechsel: weniger USA und Tech, mehr Europa und Schwellenländer. Indizes wie der MSCI Europe und der MSCI EM haben schon Höchstkurse erreicht. Der Tech-Index Nasdaq 100 bleibt zurück.

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24. Februar 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Trotz neuer Zollunsicherheiten nach dem US-Supreme-Court-Urteil und drohendem Iran-Krieg zeigen sich Aktienmärkte und ETF-Nachfrage stabil. „Von Panik war auch am gestrigen Montag keine Spur, insgesamt überwiegen die Käufe“, berichtet Frank Mohr von der Société Générale. Deutlich sei der Kaufüberhang allerdings vor allem bei europäischen und Schwellenländeraktien. Bei US- und World-Aktien sei das Bild fast ausgeglichen.

„Der Trend geht in Richtung Europa und Schwellenländer“, erklärt auch Maurice Mohnfeld von Lang & Schwarz. Nicht mehr so viel los sei im Handel mit Silberpreis-ETCs. Bei der ICF Bank sind Gold- und Silber-ETCs zwar noch Umsatzspitzenreiter. „Das Volumen ist im Vergleich zu den extrem lebhaften Vorwochen aber deutlich zurückgegangen“, bemerkt Ivo Orlemann.

Skepsis gegenüber US-Aktien

Die Verkäufe von US- und Tech-Aktien aus der Vorwoche haben sich nicht fortgesetzt, die Skepsis zeigt sich aber weiter: Mohr meldet einen „nur leichten Kaufüberhang“ und Abflüsse aus S&P 500- und Nasdaq-ETFs von iShares (<IE00B5BMR087>, <IE00B53SZB19>). Käufe sieht er hingegen für S&P 500-ETFs von Vanguard oder Amundi. Auch im Handel mit World-ETFs dominierten Käufe, aber nur moderat. Hier stehen MSCI World-Tracker von iShares auf den Abgabelisten (<IE00B4L5Y983>). Beim Vanguard FTSE All-World (<IE00BK5BQT80>) und beim Amundi Global Equity Quality Income (<LU0832436512>) werde hingegen zugegriffen.

Dafür überzeugen Aktien aus Europa und den Emerging Markets. Beispiele: der iShares Core MSCI Europe (<IE00B4K48X80>), der Amundi Core Stoxx Europe 600 (<LU0908500753>) und MSCI Emerging Markets-ETFs unterschiedlicher Emittenten. Mohrfeld bestätigt das: „Gefragt sind tatsächlich MSCI Emerging Markets-, weniger MSCI Asia-ETFs.“

Der MSCI Emerging Markets hinkte viele Jahre hinter dem MSCI World her, nun hat sich das Bild gedreht. Der Index steigt seit April vergangenen Jahres fast ununterbrochen und hat ein Allzeithoch erreicht. Auch der MSCI Europe und Stoxx Europe 600 klettern auf immer neue Hochs.

ETF-Sparpläne immer beliebter

2025 wurden in Kontinentaleuropa 15,1 Millionen ETF-Sparpläne pro Monat ausgeführt – ein Plus von knapp 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie die ETF-Sparplan-Studie 2026 von extraETF zeigt. „Damit wächst der Markt deutlich schneller als viele andere Anlageformen und bestätigt, dass regelmäßiges Investieren für immer mehr Menschen zur Selbstverständlichkeit wird“, heißt es. Deutschland bleibe der größte Markt, doch sei das Wachstum ist längst paneuropäisch. „Inzwischen halten 32,8 Millionen Europäer ETFs, das entspricht 10 Prozent der erwachsenen Bevölkerung“, schreibt das ETF-Portal.

Große KI-Euphorie passé

Im Handel mit Branchen-ETFs geht es vor allem um Tech-Aktien. Gesucht bleiben Mohr zufolge der Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data (IE00BGV5VN51) und der iShares S&P 500 Information Technology Sector (<IE00B3WJKG14>), abgegeben würden der Amundi MSCI World Information Technology (<LU0533033667>) und der iShares Digital Security (<IE00BG0J4C88>). Großes Interesse beobachtet er zudem weiter an Banken-ETFs (<DE0002635307>).

Immer etwas los ist bei der ICF in Rüstungs-ETFs, allen voran dem VanEck Defense (<IE000YYE6WK5>) und dem WisdomTree Europe Defence (<IE0002Y8CX98>). „Meist sind es Käufe“, bemerkt Orlemann. In Erwartung eines US-Angriffs auf Iran stieg bei Lang & Schwarz vor dem Wochenende die Nachfrage nach Rüstungs-ETFs. „Diese Woche sehen wir aber wieder Verkäufe“, stellt Mohnfeld fest.

Geldmarkt im Fokus

Im Handel mit Anleihen-ETFs sind Geldmarkt-Tracker Umsatzspitzenreiter. Bei der Société Générale neu dabei: ein erst vergangenen November auf den Markt gebrachter aktiv gemanagter Geldmarkt-ETF, der eNOVA Active Core EUR Ultra Short Term Fund (<IE000ST59DS4>). Der bildet ultrakurzlaufende Investment Grade-Staats- und staatsnahe Anleihen in Euro ab.

Nachlassender Zuspruch für Edelmetalle, Funkstille bei Krypto-ETNs

Beruhigt hat sich die Lage bei Edelmetallen. Der Goldpreis hat sich auf hohem Niveau stabilisiert. Der Silberpreis ist zuletzt zwar wieder gestiegen, liegt mit aktuell 88 US-Dollar aber weit unter dem Kurzzeithoch über 116 US-Dollar Ende Januar. Einiges um geht bei der ICF noch im Invesco Physical Gold (<IE00B579F325>), WisdomTree Physical Silver (<JE00B1VS3333>) und WisdomTree Silver 3x Daily Leveraged (<IE00B7XD2195>). Mehr Umsatz sieht Orlemann angesichts des Ölpreisanstiegs zudem in Öl-ETCs (<IE00BMTM6B32>).

Extrem wenig los ist den Händlern zufolge im Geschäft mit Krypto-ETNs. Orlemann erwähnt noch den WisdomTree Physical Bitcoin (<GB00BJYDH287>). Der Bitcoin fällt weiter und kostet aktuell 63.300 US-Dollar. Damit hat sich der Preis seit dem Allzeithoch im Oktober vergangenen Jahres halbiert.

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Von Anna-Maria Borse, 24. Februar 2026, © Deutsche Börse AG

Über die Autorin

Anna-Maria Borse ist Finanz- und Wirtschaftsredakteurin mit den Schwerpunkten Finanzmarkt/Börse und volkswirtschaftliche Themen.

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