Earnings-Trades richtig verstehen: Darauf achte ich!
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Erwähnte Instrumente
- Taiwan Semiconductor Manufacturing (ADR)Kursstand: 327,370 $ (NYSE) - Zum Zeitpunkt der VeröffentlichungVerkaufenKaufen
- Taiwan Semiconductor Manufacturing (ADR) - WKN: 909800 - ISIN: US8740391003 - Kurs: 327,370 $ (NYSE)
Welche Fundamentaldaten für Earnings-Trades relevant sind
Nicht jede Kennzahl hat dieselbe Relevanz für kurzfristige Kursreaktionen. Entscheidend ist, welche Größen der Markt aktuell beobachtet und wo Abweichungen von erwarteten Werten auftreten können.
Umsatzwachstum steht meist im Zentrum. Die Veränderung gegenüber dem Vorjahresquartal zeigt, ob ein Unternehmen organisch wächst oder stagniert. Bruttomargen zeigen, wie profitabel das Kerngeschäft ist. Sinken sie, kann das auf Preisdruck, steigende Inputkosten oder ungünstige Produktmixe hindeuten. Steigen sie, spricht das für Pricing Power oder operative Hebel. Die operative Marge fasst dann zusammen, wie gut das Unternehmen seine Fixkosten im Griff hat. Beide Margen sollten immer im Kontext der Branche betrachtet werden, denn Software-Unternehmen haben strukturell andere Margenprofile als Hardwarehersteller.
Der Free Cashflow und die FCF-Marge sind besonders bei wachstumsstarken Unternehmen relevant. Sie zeigen, ob das Wachstum auch Cash generiert oder nur auf dem Papier stattfindet. Die Cash Conversion Rate, also das Verhältnis von operativem Cashflow zu Nettogewinn, deckt auf, ob Earnings durch Working-Capital-Verschiebungen oder Bilanzpolitik geschönt sind.
Die EPS-Qualität hängt davon ab, wie der Gewinn zustande kommt. Einmaleffekte, Steuervorteile oder Währungsgewinne können das EPS kurzfristig heben, ohne dass sich das operative Geschäft verbessert hat. Deshalb lohnt der Blick auf Non-GAAP-Bereinigungen: Was wird herausgerechnet und warum? Bei Software- und SaaS-Unternehmen sind Metriken wie Net Retention oder Annual Recurring Revenue oft aussagekräftiger als klassisches EPS, weil sie die Kundenbindung und wiederkehrende Umsätze abbilden.
Bookings und Backlog geben Hinweise auf künftige Umsätze. Steigen die Auftragseingänge, während der Umsatz stagniert, kann das auf Verzögerungen bei der Umsatzrealisierung hindeuten oder auf einen künftigen Umsatzschub. Sinkt der Backlog, während die Guidance stabil bleibt, entsteht ein Widerspruch, der Fragen aufwirft. Idealerweise wächst der Backlog mindestens so schnell wie der Umsatz.
Die Guidance ist i.d.R. wichtiger als die aktuellen Zahlen selbst. Sie zeigt, wie das Management die nächsten Quartale einschätzt. Wird sie angehoben, gesenkt oder bestätigt? Und wie deutlich fällt die Anpassung aus? Auch die Struktur der Guidance zählt: Werden konkrete Spannen genannt oder nur vage Formulierungen? Je präziser, desto verlässlicher wirkt die Aussage. Allerdings muss man auch hier das Management kennen, denn viele Managements guiden sehr konservativ.
Diese Kennzahlen stehen in direkter Beziehung zu Gewinnschätzungen der Analysten. Steigen Umsätze und Margen nachhaltig, werden Gewinnschätzungen in der Regel nach oben angepasst. Fallen sie, sinken die Erwartungen. Diese Revisionsprozesse sind der Kern kurzfristiger Kursbewegungen rund um Earnings.
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Post Earnings Announcement Drift (PEAD) als Marktphänomen
Der PEAD bezeichnet die Tendenz von Aktien, sich nach einer Gewinnüberraschung noch über einen längeren Zeitraum in Richtung der ursprünglichen Reaktion zu bewegen.
Wenn ein Unternehmen operative Stärke zeigt und die veröffentlichten Zahlen besser ausfallen als zuvor angenommen, steigen typischerweise die Schätzungen der Analysten. Diese Revisionen wirken wie ein zweiter Katalysator nach der eigentlichen Ergebnisveröffentlichung. Die Aktie reagiert nicht nur auf die Zahlen selbst, sondern auf die veränderte Erwartung über zukünftige Gewinne. Dieser Mechanismus funktioniert in beide Richtungen. Enttäuschende Zahlen führen zu negativen Revisionen, wodurch sich ein negativer Kreislauf aus fallenden Schätzungen und sinkenden Kursen entwickeln kann.
Eine Studie im European Journal of Finance zeigt, dass dieser Effekt besonders stark bei Unternehmen mit geringer institutioneller Abdeckung oder wenig Analysten-Coverage auftritt. Wenn weniger professionelle Marktteilnehmer ein Unternehmen beobachten, dauert es länger, bis neue Informationen vollständig im Kurs verarbeitet werden. Dadurch entstehen Nachlaufeffekte nach der eigentlichen Veröffentlichung.
Zusätzlich ist der Zeitpunkt der Veröffentlichung relevant. Unternehmen, die in den Hochphasen der Berichtssaison berichten, also in Wochen mit besonders vielen Earnings-Releases, zeigen einen stärkeren PEAD. Die gleichzeitige Flut an Informationen führt dazu, dass Investoren einzelne Meldungen langsamer einordnen.
Rolle von Analysten, Peer Groups & die Erwartungen
Nach einer Gewinnüberraschung passen Analysten ihre Modelle an. Upgrades oder Downgrades erhöhen die Aufmerksamkeit auf eine Aktie und können den PEAD verstärken. Positive Revisionen ziehen neue Investoren an, negative Revisionen verstärken Verkaufsdruck.
Gleichzeitig reagieren Märkte nicht isoliert auf ein einzelnes Unternehmen. Firmen derselben Branche oder desselben Sektors bilden sogenannte Peer Groups. Wenn ein Unternehmen innerhalb einer Peer Group starke oder schwache Zahlen liefert, beeinflusst das die Erwartungen für andere Unternehmen derselben Gruppe. Dadurch können ganze Sektoren auf einzelne Earnings reagieren.
Reported Zahlen sind immer nur im Verhältnis zu Erwartungen relevant. Der Markt reagiert nicht auf den Gewinn oder Umsatz an sich, sondern auf die Abweichung vom zuvor eingepreisten Szenario. Erwartungen spiegeln sich in Bewertungen, Kursverläufen und im allgemeinen Narrativ wider. Guidance und Management-Kommentare spielen hierbei eine zentrale Rolle. Sie beeinflussen, ob Investoren die gemeldeten Zahlen als nachhaltig oder als einmalig interpretieren. Auch Segmenttrends sind entscheidend, da Wachstum oder Schwäche einzelner Geschäftsbereiche Rückschlüsse auf die zukünftige Ertragskraft zulassen.
Kurzfristig dominieren Gewinnrevisionen, langfristig spielen Bewertungen eine größere Rolle. Im Earnings-Kontext liegt der Fokus klar auf der kurzfristigen Revisionsdynamik.
Risiken und Mechaniken beim Earnings-Trading
Earnings-Trades sind keine risikoarmen Setups. Gaps sind das offensichtlichste Risiko. Nach Zahlen öffnet eine Aktie oft mehrere Prozent über oder unter dem Schlusskurs des Vortags. Wer vor den Zahlen positioniert ist, trägt dieses Gap-Risiko voll. Wer danach einsteigt, muss entscheiden, ob das Gap gerechtfertigt ist oder übertrieben. Liquidität kann in After-Hours- und Pre-Market-Phasen dünn sein. Das führt zu breiten Spreads und erschwert präzise Ein- und Ausstiege.
Implizite Volatilität bei Optionen kollabiert nach den Zahlen oft schlagartig, selbst wenn sich der Kurs stark bewegt. Dieses Phänomen nennt sich Vola-Crush. Wer Call-Optionen hält, verliert dadurch an Wert, selbst wenn die Richtung stimmt. Deshalb sind Optionsstrategien rund um Earnings komplex und erfordern Verständnis der Griechen, also der Sensitivitäten gegenüber Zeit, Volatilität und Kurs.
Korrelationen zum Index und Sektor sollte man bei der Kursreaktion nicht unterschätzen. Liefert ein Unternehmen starke Zahlen, während der Gesamtmarkt einbricht, kann die Aktie trotzdem fallen. Umgekehrt können schwache Zahlen in einem starken Marktumfeld abgefedert werden.
Aber am wichtigsten: Die Revisionsdynamik nach den Zahlen ist oft entscheidender als die Zahlen selbst. Wenn Analysten ihre Schätzungen nach oben revidieren, zieht der Kurs oft über Tage nach, selbst wenn die initiale Reaktion moderat war. Und gute Zahlen führen nicht automatisch zu guten Kursen. Der Markt kann bereits alles eingepreist haben. Oder die Guidance enttäuscht trotz starker Vergangenheitszahlen. Oder ein Detail in den Segmenten oder Margen sorgt für Unsicherheit. Deshalb ist es wichtig, die gesamte Story zu lesen, nicht nur die Headline-Zahlen.
Prozess für Earnings-Trades
Vorbereitung beginnt Tage vor den Zahlen. Welche Kennzahlen sind historisch relevant? Was haben Analysten zuletzt geschrieben? Wie hat sich die Peer Group entwickelt? Welche Guidance hatte das Unternehmen zuletzt gegeben? Hypothesenbildung bedeutet, eine These zu formulieren, welche Zahlen überraschen könnten und warum. Sind die Erwartungen niedrig oder hoch? Gibt es operative Trends, die noch nicht eingepreist sind? Haben andere Unternehmen derselben Branche Hinweise geliefert? Diese These ist keine Prognose, sondern eine Arbeitshypothese, die nach den Zahlen überprüft wird.
Event-Timing ist entscheidend. Earnings in der Peak-Week, also wenn viele andere Unternehmen berichten, können stärker vom PEAD profitieren, weil die Aufmerksamkeit begrenzt ist. Earnings von Large Caps lenken Aufmerksamkeit von Small und Mid Caps ab, was dort die Reaktionen verstärken kann. Teilweise laufen Aktien bereits stärker in das Earnings-Event hinein.
Und dann folgt die Post-Earnings-Review nach den Zahlen - also die initiale Reaktion bewerten. Ist der Gap gerechtfertigt? Gibt es Analystenrevisionen? Wie hat die Peer Group reagiert? Ist der PEAD intakt oder hat sich die Dynamik umgekehrt? Diese Review kann auch für Trades genutzt werden.
Beispiel eines erfolgreichen Earnings-Trades in TSMC aus dem AktienPuls360
Die Analysten haben ihre Modelle für TSMC zuletzt deutlich nach oben angepasst. GF Securities rechnet für das April-Quartal mit 74 Milliarden USD Umsatz und für das Juli-Quartal mit 89,5 Milliarden USD. Das liegt 4 % beziehungsweise 14 % über dem Konsens. JPMorgan sieht für 2026 ein Umsatzwachstum von 31 % und für 2027 von 25 %, während der Markt nur 27 beziehungsweise 22 % erwartet. Bei der Bruttomarge geht JPM für beide Jahre von etwa 62 % aus, während der Konsens bei rund 60 % liegt. Für das vierte Quartal 2025 erwartet JPM 62 %, für das erste Quartal 2026 eine Spanne von 61 bis 63 %. Goldman Sachs modelliert 60,4 % für 2026 und 60,6 % für 2027.
TSMC steht vor einem mehrjährigen Superzyklus, der sich fundamental von früheren Wachstumsphasen unterscheidet. Drei Faktoren wirken gleichzeitig.
- CoWoS-Kapazität als Engpass. GF Securities hat die Schätzung für den CoWoS-S-Kapazitätsausbau um 30.000 Wafer angehoben, überwiegend im zweiten Quartal 2026. Das entspricht rund 800.000 zusätzlichen H200-Einheiten. Laut Reuters liegen die Gesamtbestellungen bei über zwei Millionen Einheiten, wobei Großkunden rund 40 % ausmachen. Bloomberg berichtete am 8. Januar von einer erwarteten Genehmigung für H200-Käufe in China, was die Nachfrage weiter stützt. GF Securities rechnet mit H200-Volumina von 250.000 Einheiten im April-Quartal, 450.000 im Juli-Quartal und 1,1 Millionen Einheiten im Geschäftsjahr 2027. CoWoS ist das Advanced Packaging, das für High-End-KI-Chips nötig ist. Wer mehr CoWoS-Kapazität bekommt, kann mehr KI-Chips bauen. Das gibt TSMC Pricing Power.
- Technologiesprung von 5nm auf 3nm. Goldman Sachs erwartet, dass AI-GPUs und ASICs ab 2026 verstärkt von 5- auf 3-Nanometer-Technologien wechseln. Beide Knoten bleiben laut Goldman in den Jahren 2026 und 2027 vollständig ausgelastet. Das bedeutet: TSMC profitiert doppelt. Die älteren 5nm-Kapazitäten laufen weiter, während die neuen 3nm-Fabs hochfahren. Keine Kannibalisierung, sondern parallele Auslastung. 3nm bringt höhere Waferpreise, weil die Fertigung komplexer ist und die Yields niedriger starten.
- Hot Runs und Super Hot Runs. JPM weist darauf hin, dass ein Teil der Aufträge als beschleunigte Bestellungen läuft. Diese sogenannten HotRuns und Super Hot Runs tragen deutliche Preisaufschläge. Das erklärt, warum JPM für das vierte Quartal 2025 und das erste Quartal 2026 Bruttomargen von 62 beziehungsweise 61 bis 63 % erwartet, obwohl der Markt für das zweite bis vierte Quartal 2026 unter 60 % modelliert.
- Politischer Rückenwind. Die New York Times berichtet von einem kurz vor dem Abschluss stehenden Handelsabkommen zwischen den USA und Taiwan. Die US-Zölle auf taiwanische Exporte sollen auf 15 % sinken. Im Gegenzug verpflichtet sich TSMC, mindestens fünf zusätzliche Halbleiterfabriken in Arizona zu errichten. Gleichzeitig bleiben die Taiwan-Fabs das Rückgrat der Produktion, weil dort die fortschrittlichsten Technologien am schnellsten skaliert werden können.
- Reflexivität der Revisionen. Goldman Sachs hat die Gewinnschätzungen für 2026 und 2027 um 9 bis 15 % angehoben. JPM rechnet mit einem Umsatzwachstum im mittleren 20%-Bereich für 2026. Citigroup hat TSMC auf eine 30-Tage-Catalyst-Watch-Liste gesetzt.
Risiken: Was schiefgehen kann
- Yield-Probleme bei 3nm. Wenn die Yields niedriger starten als erwartet, sinken die Margen. Das würde die Hot-Run-These schwächen.
- Übertriebene Erwartungen. Wenn Analysten zu aggressiv nach oben revidiert haben, könnte selbst ein solides Ergebnis enttäuschen. Der Markt preist derzeit ein nahezu perfektes Szenario ein.
Wie TSMC die Peer Group beeinflusst
TSMC ist kein isoliertes Investment. Die Zahlen senden Signale an den gesamten Chip-Sektor. Wenn TSMC stark liefert und die CoWoS-Nachfrage bestätigt, profitieren Nvidia oder andere GPU-Hersteller, weil das ihre Lieferfähigkeit stützt. Wenn TSMC von schwacher Smartphone- oder Auto-Nachfrage spricht, belastet das Qualcomm, NXP und andere Chip-Anbieter in diesen Segmenten. Wenn TSMC die Capex-Pläne anhebt, steigen die Aufträge für ASML, Applied Materials und Lam Research.
TSMC ist mehr als ein Foundry. Es ist der zentrale Engpass für KI-Hardware. Wer die schnellsten Chips bauen will, braucht TSMC. Wer mehr Chips braucht, als TSMC liefern kann, muss warten oder mehr zahlen.
Für Earnings-Trader ist TSMC ein Setup, das alle Kriterien erfüllt: attraktive Bewertung relativ zu den jüngsten Revisionen, klare Katalysatoren in Form von CoWoS-Nachfrage und 3nm-Ramp. Wer nicht vor den Zahlen kaufen will, kann auf den PEAD setzen. Wer langfristig denkt, sollte auf die Margen und die Capex-Guidance achten. Wenn TSMC zeigt, dass es bei um die 60 % Bruttomarge bleiben kann, während es 150 Milliarden USD investiert, ist das ein Signal für strukturelle Pricing Power. Und das rechtfertigt höhere Multiples. Im Vergleich zu. einer ASML ein Schnäppchen. Bei ASML wäre ich hingegen vorsichtiger vor den Zahlen.
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