Kommentar
10:19 Uhr, 17.04.2024

Dr. Spendigs Nachhaltigkeitssprechstunde – Taxonomy-aligning Benchmarks

Servus und moin, moin allerseits aus München!

Woran denken Sie zuerst, wenn Sie das Wort „TABex“ hören? Geschirrspüler? Haftcreme für dritte Zähne? Naheliegend, aber falsch. Bei TABex handelt es sich um die neueste Generation von nachhaltigen Indizes.

Klimaindizes – konkret die Paris-aligned Benchmarks (PABs) und Climate Transition Benchmarks (CTBs) – dürften dem einen oder anderen bekannt sein. Darauf aufsetzend gibt es jetzt den Vorschlag, „Taxonomy-aligning Benchmarks“ (TAB) einzuführen.

Paris-aligned Benchmarks spielen vor allem bei Artikel 9 Fonds der Offenlegungsverordnung eine große Rolle. Googlen Sie einfach „PAB ETFs“ und Sie werden schnell fündig. Welchen Anwendungsbereich TABs haben werden, ist noch offen. Es ist aber nicht auszuschließen, dass wir demnächst auch TAB ETFs am Markt finden werden. Grund genug, sich dieses neue Konzept einmal näher anzuschauen.

Die Paris-aligned Benchmarks wurden unter anderem als Indikator für die Dekarbonisierungsanstrengungen der Industrie kreiert: welche Unternehmen reduzieren Ihre Treibhausgasemissionen ausreichend schnell, um die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens einhalten zu können, welche sind zu langsam? Die Indexmethodik der PABs beinhaltet zur Beantwortung dieser Fragen recht spezielle und komplizierte Regeln. Das neue Regelwerk der TABs baut hierauf auf und gibt dem ganzen noch einen Schuss Extra-Komplexität hinzu.

Beginnen wir mit dem einfachen Teil. Auch die Taxonomy-aligning Benchmarks verwenden Ausschlusskriterien. Dabei gibt es wie bei den Klimaindizes eine Variante mit strengen Ausschlüssen (dort die PABs) und eine Variante mit leichteren Ausschlüssen (die CTBs). Bei den Taxonomy-aligning Benchmarks nennen sich die beiden Varianten TABex und TAB. Ein einfacher Merkspruch hilft hier: „bei TABex müssen die Zähne…“, Entschuldigung, ich meine natürlich „…die Unternehmen raus.“ Bei den weiteren Kriterien unterscheiden sich die beiden Varianten nicht. Daher spreche ich im weiteren der Einfachheit halber nur von TABs – die TABex sind immer mitgemeint.

Eine weitere Gemeinsamkeit mit den Klimaindizes gibt es: auch bei den TABs findet sich der jährliche 7% Dekarbonisierungpfad wieder. Allerdings ist der Ausgangspunkt bei TABs deutlich weniger ambitioniert als bei PABs oder CTBs. Zudem gilt die 7% Forderung nur für einen Teil des Portfolios, nämlich die „Non CapEx Securities“. Womit wir bei der zentralen Innovation der Taxonomy-aligning Benchmarks wären. Gefordert wird für sogenannte „CapEx Securities“ eine jährliche Steigerung der „grünen CapEx“ (grüner CapEx = Taxonomie-konformer CapEx) von 5%. CapEx Securities werden hierbei als Unternehmen definiert, deren „CapEx-to-price ratio“ größer als 1% ist.

Klingt kompliziert? Ja, ist es auch! Und um das Lesevergnügen nicht weiter zu schmälern, verweise ich an dieser Stelle für weitere Details auf den Vorschlag der Platform for Sustainable Finance, der im Internet frei zugänglich ist.

Auf zwei weitere Punkte möchte ich zum Abschluss noch eingehen. Zum einen die Frage, wieso bei der Taxonomiekonformität die CapEx zugrunde gelegt wurden und nicht Umsatz oder OpEx. Die einfache Antwort, CapEx sind zukunftsorientiert, Umsatz und OpEx vergangenheitsorientiert. Die TABs sind also eine progressive Benchmark!

Zweitens führt die Plattform einen meiner neuen Lieblingsbegriffe ein: „Decarbonization holidays“. Hinter diesem „Dekarbonisierungsurlaub“ verbirgt sich nicht etwa die jährliche Entschlackungskur im Wellnesshotel, sondern die Option das jährliche 7% Reduktionsziel bei bestimmten Unternehmen auszusetzen. Fakt ist, dass Sie Ihren nächsten Urlaub problemlos mit der genauen Lektüre der Vorschläge verbringen könnten. Inwiefern diese Vorschläge allerdings auch umgesetzt werden, werden wir in den nächsten Monaten sehen.

Mein Fazit daher: Es gibt ein New Kid on the Sustainability Block. Ob es ein hübsches Kind und ob es viele Freunde haben wird, gilt es abzuwarten.

Bis dahin heißt es,

Bleiben Sie nachhaltig gesund!

Ihr Dr. Bernd Spendig

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Über den Experten

Dr. Bernd Spendig
Dr. Bernd Spendig

Dr. Bernd Spendig machte während der Dotcom-Blase Ende der 90er Jahre seine ersten Erfahrungen mit dem Kapitalmarkt. Im Anschluss an seine Physikpromotion bei HSBC Trinkaus & Burkhardt startete er dort als Derivatehändler. Seit 2004 leitet Dr. Spendig im Bereich Corporate & Investment Banking der UniCredit die Strukturierung für Equity-Produkte. Seit mehreren Jahren widmet er sich dabei intensiv dem Thema ESG und unterstützt die Nachhaltigkeitswende im Finanzbereich.

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