Analyse
17:35 Uhr, 17.02.2026

BAYER will Glyphosat-Prozesse mit neuem Vergleich beilegen

Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer hat einen Sammelvergleich zur Beilegung von US-Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit dem glyphosathaltigen Unkrautmittel Roundup geschlossen. Ist das der erhoffte Befreiungsschlag?

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Die Bayer-Tochter Monsanto hat nach Angaben von Bayer mit führenden Klägerkanzleien einen Sammelvergleich zur Beilegung von US-Rechtsstreitigkeiten um das glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel Roundup geschlossen. Im Kern geht es um Vorwürfe, eine Exposition gegenüber dem glyphosathaltigen Herbizid habe zu Erkrankungen am Non-Hodkin-Lymphom geführt. Ein Antrag auf vorläufige Genehmigung des Vergleichs wurde beim Circuit Court of the City of St. Louis im US-Bundesstaat Missouri eingereicht.

Die Vereinbarung sieht nach Unternehmensangaben Zahlungen von insgesamt bis zu 7,25 Mrd. USD über maximal 21 Jahre vor. Die jährlichen Auszahlungen sollen mit der Zeit sinken und zugleich gedeckelt sein. Der Vergleich soll Kläger abdecken, die eine Exposition vor dem 17.02.2026 angeben und entweder bereits eine NHL-Diagnose haben oder bei denen es innerhalb einer 16-jährigen Frist nach finaler Genehmigung dazu kommt.

Der Sammelvergleich muss vom Gericht genehmigt werden. Betroffene Kläger sollen informiert werden und können die Teilnahme ablehnen. Monsanto kann die Vereinbarung kündigen, falls nicht genügend Kläger beitreten.

Zuerst hatte die Finanznachrichtenagentur Bloomberg über den Vergleich berichtet. Laut Bloomberg sind im Rahmen eines Vergleichspakets weitere 3,0 Mrd. USD vorgesehen, um andere bestehende US-Verfahren beizulegen, in denen frühere Roundup-Nutzer dem Mittel eine Verursachung von Non-Hodgkin-Lymphomen zuschreiben.

Rückstellungen steigen, Bilanztermin verschoben

Bayer erwartet infolge der Vereinbarungen einschließlich Rechtskosten eine Erhöhung der Rückstellungen und Verbindlichkeiten für Rechtsstreitigkeiten von 7,8 Mrd. EUR (Ende September 2025) auf 11,8 Mrd. EUR. Der Anteil für Glyphosat soll dabei von 6,5 Mrd. EUR auf 9,6 Mrd. EUR steigen. Unter Berücksichtigung einer ersten Einschätzung zu Auszahlungen von rund 5 Mrd. EUR im laufenden Jahr rechnet Bayer für 2026 mit einem negativen Free Cashflow.

Um die Effekte in den Jahreszahlen abzubilden, verschiebt Bayer die Bilanz-Pressekonferenz vom 25. Februar auf den 4. März 2026. Die kurzfristige Finanzierung der Vergleiche sowie bestimmter Anleihefälligkeiten sei über eine Kreditlinie von 8 Mrd. USD gesichert. Eine Kapitalerhöhung schließt Bayer aus und verweist stattdessen auf Anleihen sowie Instrumente mit Equity Credit Einstufung.

Zusätzlich verweist Bayer auf weitere vertrauliche Vergleiche zu Glyphosat sowie eine Einigung zu den verbliebenen PCB Urteilen am Sky Valley Education Center (Washington) und zuvor geschlossene Vergleiche mit den US Bundesstaaten Illinois und West Virginia.

Die Glyphosat-Prozesse begleiten Bayer seit der Monsanto-Übernahme im Jahr 2018. Kritiker halten Glyphosat für krebserregend, einige Studien bzw. Gutachten kommen aber zu einem anderen Ergebnis. Aktuell sind weiterhin rund 67.000 Klagen anhängig.

Supreme-Court-Klage wird weiter verfolgt

Das laufende Supreme-Court-Verfahren bleibt vom Sammelvergleich unberührt und könnte laut Bayer insbesondere für nicht abgedeckte, noch in Rechtsmitteln befindliche Urteile wichtig sein. Vor dem obersten Gerichtshof soll unter anderem die Frage geprüft werden, ob Bundesrecht Klagen wegen angeblich fehlender Warnhinweise nach bundesstaatlichem Recht verdrängen kann.

Bayer zitiert CEO Bill Anderson mit den Worten: "Die Vergleichsvereinbarung schafft zusammen mit dem Fall beim Supreme Court einen klaren Weg aus den Unsicherheiten durch die Rechtsstreitigkeiten."

Entscheidet der Supreme Court für Bayer, sollte laut dem Unternehmen aktuellen und künftigen Klagen wegen angeblich fehlender Warnhinweise auf Basis des Rechts einzelner Bundesstaaten die Grundlage weitgehend entzogen sein. Das gelte auch für aktuelle Berufungsprozesse und Kläger, die sich gegen eine Teilnahme am Sammelvergleich entscheiden, heißt es.

Fazit: Anleger hoffen auf einen Befreiungsschlag bei Bayer. Der neue Sammelvergleich könnte den Weg dafür ebnen und dazu führen, dass die Altlasten im Zusammenhang mit Glyphosat zumindest in den USA abgehakt werden. Die Kursentwicklung hat die Hoffnungen darauf schon ein gutes Stück vorweggenommen, fundamental ist die Aktie aber weiter günstig.

Jahr 2025e* 2026e* 2027e*
Umsatz in Mrd. EUR 45,59 45,85 47,02
Ergebnis je Aktie in EUR 4,73 4,75 5,20
KGV 10 10 9
Dividende je Aktie in EUR 0,11 0,11 1,48
Dividendenrendite 0,22% 0,22% 3,00%

*e = erwartet, Erwartungen basieren bei
US-Unternehmen auf Non-GAAP-Daten

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  • masi123
    masi123

    So oder so war die Monsanto-Übernahme eine katastrophale Managementfehlentscheidung.

    18:52 Uhr, 17.02.