Kommentar
10:15 Uhr, 26.08.2026

Der "Bessent-Put" zeigt erste Wirkung an den Märkten

US-Finanzminister Scott Bessent hat dem angeschlagenen Markt für langlaufende Staatsanleihen zunächst Luft verschafft. Seine überraschende Ankündigung, die Rückkäufe langlaufender US-Treasuries mindestens zu verdoppeln, drückt die Renditen und zwingt spekulative Investoren zum Umdenken.

Erwähnte Instrumente

  • Kursstand: 4,644 % (Bonds) - Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
  • US 10Y Bond Yield - Kurs: 4,644 % (Bonds)

Zugleich wächst die Kritik, dass das Finanzministerium Marktpreise beeinflusst und der Federal Reserve im Kampf gegen die Inflation in die Quere kommt.

Seit Bessents Ankündigung haben US-Staatsanleihen vergleichbare Zinsswaps deutlich übertroffen. Der Abstand zwischen der Rendite 30-jähriger Treasuries und den entsprechenden Swaps ist auf den niedrigsten Stand seit Februar gesunken. Auch bei zehnjährigen Papieren verringerte sich die Differenz um rund drei Basispunkte auf etwa 38 Basispunkte.


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Swap-Spreads gelten als Gradmesser dafür, wie attraktiv Staatsanleihen gegenüber Zinsderivaten sind. Ihre Verengung zeigt, dass Investoren mit einem größeren staatlichen Käufer rechnen. Zusätzlichen Rückenwind erhielt der Markt durch Berichte, wonach das Finanzministerium seine bei der Fed geparkten Barreserven nutzen könnte, um weitere langlaufende Anleihen zurückzukaufen.

Der "Bessent Put" verändert die Positionierung

Am Markt macht deshalb bereits der Begriff "Bessent Put" die Runde. Gemeint ist die Erwartung, dass das Finanzministerium eingreift, wenn die Renditen zu stark steigen. Händler dürften künftig vorsichtiger werden, gegen fallende Renditen zu spekulieren.


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Das zeigt sich auch am Optionsmarkt. Die Nachfrage nach Kaufoptionen auf langlaufende Treasury-Futures ist deutlich gestiegen, während die Positionierung bei kürzeren Laufzeiten weitgehend neutral blieb. Investoren sichern sich damit gegen einen stärkeren Kursanstieg langlaufender Anleihen und entsprechend fallende Renditen ab.

Auch die Umfrage von JPMorgan signalisiert wachsende Aktivität. Der Anteil neutral positionierter Treasury-Investoren fiel zum 24. August von 67 auf 54 % und damit auf den niedrigsten Stand seit Ende Mai. Sowohl Long- als auch Short-Positionen nahmen zu.

Die Wirkung auf das absolute Renditeniveau bleibt dennoch begrenzt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen lag zuletzt bei 4,64 %, nachdem sie in der Vorwoche mit 4,75 % den höchsten Stand seit Anfang 2025 erreicht hatte. Die Rendite 30-jähriger Papiere notierte bei 5,17 % und damit lediglich rund 15 Basispunkte unter ihrem höchsten Niveau seit 2007.

Konflikt mit der Federal Reserve

Bessent will die langfristigen Finanzierungskosten senken, während die Fed wegen einer Inflationsrate von zuletzt 3,7 % über weitere Zinserhöhungen diskutiert. Der Krieg der Trump-Regierung im Iran hat den Preisdruck zusätzlich verschärft und die Kosten für Verbraucher und Unternehmen erhöht. Drei Mitglieder des Offenmarktausschusses unterstützten bereits bei der Juli-Sitzung eine Zinserhöhung. Weitere regionale Fed-Präsidenten signalisierten anschließend Zustimmung zu einem Schritt um 25 Basispunkte.

Sinkende langfristige Renditen würden Hypotheken, Unternehmensfinanzierungen und Investitionen verbilligen. Das könnte die Konjunktur stimulieren und damit der von Fed-Chef Kevin Warsh angestrebten Abkühlung des Preisdrucks entgegenwirken. Warsh betrachtet steigende Treasury-Renditen als wirtschaftliches Marktsignal und will dieses möglichst nicht verzerren. Bessent hingegen hält das aktuelle Renditeniveau für nicht durch die Fundamentaldaten gerechtfertigt.

Bemerkenswert ist der Konflikt auch deshalb, weil Bessent und Warsh beide als Weggefährten des Investors Stanley Druckenmiller gelten und regelmäßig miteinander sprechen. Druckenmiller selbst bezeichnete die Rückkäufe als Fehler und warf dem Finanzministerium vor, nicht die Liquidität, sondern die Preise zu steuern.

Hinzu kommt die politische Dimension. Der Wunsch der Trump-Regierung nach niedrigeren Finanzierungskosten vor den Zwischenwahlen im November nährt die Sorge, die Fed könnte unter Druck geraten, ihre Geldpolitik an den Finanzierungsinteressen des Staates auszurichten. Ökonomen warnen in diesem Zusammenhang vor einer "fiskalischen Dominanz".

Strukturelle Belastungen bleiben

Die grundlegenden Probleme des rund 32 Bio. USD schweren Treasury-Marktes löst Bessent nicht. Hohe strukturelle Haushaltsdefizite erzwingen eine anhaltend umfangreiche Emission neuer Staatsanleihen. Hinzu kommen Inflationsrisiken, steigende Staatsschulden und der enorme Kapitalbedarf für den Ausbau der KI-Infrastruktur. Rückkäufe von zunächst mindestens 4 Mrd. USD wirken deshalb vor allem über ihr Signal.

Fazit: Bessents Intervention funktioniert bislang als psychologisches Sicherheitsnetz. Sie reduziert den Verkaufsdruck und verändert die Positionierung am langen Ende. Dauerhaft niedrigere Renditen lassen sich damit kaum erzwingen. Je häufiger das Finanzministerium eingreift, desto größer werden die Zweifel an der freien Preisbildung, der Tragfähigkeit der US-Staatsschulden und der Unabhängigkeit der Federal Reserve.

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