China für Anleger - Investieren oder lieber lassen?
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- Tesla Inc. - WKN: A1CX3T - ISIN: US88160R1014 - Kurs: 379,050 $ (Nasdaq)
- Xtrackers CSI300 Swap UCITS ETF 1C - WKN: DBX0M2 - ISIN: LU0779800910 - Kurs: 17,488 € (L&S)
- BYD Co. Ltd. - WKN: A0M4W9 - ISIN: CNE100000296 - Kurs: 11,744 € (L&S)
- iShares MSCI China UCITS ETF USD (Acc) - WKN: A2PGQN - ISIN: IE00BJ5JPG56 - Kurs: 5,012 € (L&S)
- Franklin FTSE China UCITS ETF - WKN: A2PB5V - ISIN: IE00BHZRR147 - Kurs: 26,745 € (L&S)
Der jüngste Fünfjahrplan wurde im März vom Nationalen Volkskongress abgenickt und durchgewunken – nachdem er zuvor von der KP Chinas "vorgeschlagen" worden war. Medial wurde dieses Ereignis eindeutig vom Iran-Krieg verdrängt. Dieser hat nun eine Atempause eingelegt, in der die Anleger seine Effekte womöglich neu bewerten. Und obwohl China ebenfalls unter den Folgen des Irankriegs leidet, könnten die Finanzmärkte dort von einer eventuellen Neubewertung der Anleger profitieren.
Fünfjahrpläne: In China liegt die Sache anders
Aus Sicht westlicher privater (!) Investoren stellt sich zunächst die Frage, warum man sich überhaupt mit den zentralistischen Plänen eines kommunistischen Staates beschäftigen sollte. Sind solche Pläne nicht nur Mittel zum Zweck, unrealistisch und werden daher bei Bedarf "präzisiert"?
Für den Kommunismus bzw. Sozialismus alter Prägung aus der Zeit des Kalten Krieges mag das gestimmt haben. China hat jedoch als einziger der verbliebenen "kommunistischen" Staaten bedeutende wirtschaftliche Erfolge vorzuweisen. Wer Erfolg hat, hat Recht, heißt es oft. Und dann werden auch die Mittel unter die Lupe genommen, die – tatsächlich oder vermeintlich – zu diesem Erfolg geführt haben. Dazu gehören auch Chinas Fünfjahrpläne.
Fünfjahrpläne gibt es in China schon lange – genauer: seit 70 Jahren, denn der jüngst beschlossene ist der 15. seiner Art. Größere Aufmerksamkeit haben diese Pläne erst seit der Amtsübernahme von Partei- und Staatschef Xi Jinping erfahren. Der Grund: Seit seinem Amtsantritt hat er die üblichen Fünfjahrpläne mit weiteren Initiativen ergänzt bzw. flankiert.
Neue, groß angelegte Initiativen
Die bekannteste ist sicherlich die "Belt and Road Initiative" (BRI) von 2013 (kurz nach Xis Amtsantritt 2012), hierzulande oft "Neue Seidenstraße" genannt. Den 13. Fünfjahrplan von 2016, der erste unter Xis Ägide, wurde sogleich durch das "Made in China 2025"-Projekt ergänzt.
Solche groß angelegten Initiativen waren etwas Neues in Chinas Wirtschaftspolitik und erfuhren daher entsprechende Aufmerksamkeit. Zumal Xi Politik und Wirtschaft wieder stärker zentralisierte (und damit die marktwirtschaftlichen Reformen seiner Vorgänger bremste, stoppte oder rückabwickelte) und China mit ihm auch außenpolitisch selbstbewusster auftrat.
Im Westen wurden BRI und „Made in China 2025“ angesichts einzelner Erfolgsmeldungen mitunter als weitsichtige strategische Visionen gepriesen. Aber unter dem Strich blieben deren Effekte überschaubar bzw. erreichten nicht die gesetzten Ziele: Die BRI führte überwiegend nur zu Insellösungen und Leuchtturmprojekten ohne nachhaltigen ökonomischen Nutzen für die Partnerländer.
Und "Made in China 2025" gilt vor allem wegen des rasanten Aufstiegs von Chinas Autoindustrie als Erfolg. Dies war aber gar nicht das Ziel dieser Initiative! Hauptziel war stattdessen eine 70%-ige Eigenversorgung mit Halbleitern – erreicht wurden aber gerade einmal 20 %...
Durch Donald Trumps Anti-China-Handelspolitik geadelt
Dennoch kann China sehr zufrieden sein, denn vor allem Donald Trumps Handelspolitik gegen China hat diese Scheinerfolge sozusagen geadelt. Dabei hat China aus der Not seiner Überproduktionskrisen nur eine Tugend gemacht und mit seinen Produkten den Weltmarkt überschwemmt. Der Unterschied zu früher ist jedoch, dass diese Produkte zunehmend hochwertiger sind und damit die Konkurrenz der etablierten Hersteller (meist aus dem Westen) in Bedrängnis bringen – siehe E-Autos.
Daher kann China mit dem aktuellen (15.) Fünfjahrplan nahtlos an diese "Erfolge" anknüpfen. Denn so unangenehm die Handelssanktionen des Westens hier und da sein mögen und so bitter es der Führung aufstoßen dürfte, dass man bei Halbleitern weiter hinterherhinkt – seine Rohstoffmacht ist das Pfund, mit dem das Land weiter wuchern kann. Das gilt vor allem für Seltene Erden, aber auch vieles andere – durch den Iran-Krieg hat China nun auch bei Thema "Dünger" einen Hebel auf dem Weltmarkt.
Ein neuer Fokus im aktuellen Fünfjahrplan
Die westlichen Konkurrenten Chinas nehmen daher den aktuell beschlossenen Fünfjahrplan sehr ernst. Vor allem auch deshalb, weil China offenbar weiterhin über die Fähigkeit verfügt, in bestimmten Bereichen Überproduktionseffekte zu erzeugen und mit den so entstehenden, "überzähligen" Produkten die Weltmärkte zu fluten.
Die Schwerpunkte des neuen Fünfjahrplans sind zwar die gleichen wie bei seinen Vorgängern, aber es gibt einen wichtigen Unterschied: Früher lag der Fokus auf technologischer Innovation. Jetzt sollen Forschung und Innovationen ausdrücklich in skalierbare, hochwertige Produktion überführt werden.
China zielt dabei auf traditionelle Industrien (Metalle, Maschinenbau, Textilien). Sie sollen durch Automatisierung und digitale Technologien vorangebracht werden. Und China hat in den vergangenen Monaten einige aufsehenerregende Erfolge vorweisen können, z.B. tanzende und kämpfende, also humanoide Roboter. Damit nimmt China – ob bewusst oder "zufällig" – erneut einen Markt ins Visier, dem westliche Unternehmen bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt haben.
Ein chinesischer E-Auto-Überflieger an der Börse
Wiederholt sich also hier die Geschichte, ähnlich wie bei E-Autos? Abwarten, denn zumindest aus Sicht von Investoren hatte im direkten Vergleich der E-Auto-Pioniere der Westen gegenüber China klar die Nase vorn, wie man am folgenden Chart der Kursverläufe von Tesla und BYD sieht:

(Die Aktien etablierter Autohersteller hängen diesen beiden Überfliegern allerdings um Längen hinterher. Nur ein, zwei jüngere Branchenvertreter konnten an der Börse noch mithalten.)
Chinas neuer Fünfjahrplan hat daher vor allem im europäischen Maschinenbau Alarmstimmung ausgelöst. Mit dem warnenden Beispiel der Autoindustrie vor Augen erwarten die Unternehmen nun verstärkte Konkurrenz.
Wo man künftig besser vorsichtig bleibt
Die gibt es heute schon, aber für Branche und Anleger sind nun zwei Dinge entscheidend: Erstens, wie schnell können die etablierten Firmen ihren China-Konkurrenten gleichwertige Software, KI und Robotik entgegensetzen? In diesen Bereichen haben chinesische Unternehmen wohl die besten Chancen, wie bei E-Autos zu sehen ist. Zweitens, wie schnell können die Chinesen ein leistungsfähiges globales Servicenetz aufbauen? Letzteres könnte entscheidend für Erfolg und Misserfolg werden – abgesehen von Datenschutzbedenken potenzieller Kunden.
Eine andere Frage – vor allem aus Sicht Europas – ist, ob die EU wirksame Handelsschranken errichtet, und zwar nicht nur bei Maschinen, sondern auch bei anderen Produkten. Schließlich zeigt der neue Fünfjahrplan ein "Weiter so" Chinas, sodass vor allem der EU-Markt das Hauptziel chinesischer Firmen sein wird, da die USA sich sicherlich weiterhin abschotten werden.
Die Konsequenz für Anleger ist damit vor allem, wo man in den nächsten Jahren besser nicht investiert bzw. wo man zumindest sehr genau hinschauen muss. Konkrete Chancen sind dagegen viel unbestimmter, denn wie das Beispiel des 13. Fünfjahrplans gezeigt hat, waren dessen endgültige Gewinner (z.B. Autoindustrie) im Vorfeld nicht unbedingt als solche zu erkennen. So dürfte es auch diesmal sein.
Gibt es in China einen "Fünfjahrplan-Trade"?
Daher gibt es auch keinen "Fünfjahrplan-Trade", denn der Chartvergleich zeigt, dass die Phasen von Stärke und Schwäche am chinesischen Aktienmarkt nicht wirklich mit den Planzeiträumen überein-stimmen:
Es gibt aber auffällige Phasen, in denen Chinas Aktienmarkt besser als der "Rest der Welt" läuft (siehe gelbe Rechtecke). Das hat nur teilweise mit China (bzw. den Emerging Markets) selbst zu tun, wie in den 2000er-Jahren (Stichwort BRIC). Oft fällt aber der Beginn solcher Stärkephasen mit Crashs an den etablierten Märkten zusammen.
Wenn Börsianer Anlegemöglichkeiten suchen …
Hintergrund könnte sein, dass die Investoren zu diesen Zeitpunkten verzweifelt Anlegemöglichkeiten suchen. Das war vor allem zur Jahrtausendwende so, als Aktien und Anleihen "verbrannt" waren. Da kam der BRIC-Boom gerade recht. Nach der Finanzkrise 2008 galt China als unbelastet. Auch nach der Konjunktur- und Börsenschwäche 2015/16 starteten China-Aktien durch, und die Covid-Pandemie überstand China – aufgrund rigider staatlicher Maßnahmen – zunächst ebenfalls besser.
Andere Phasen der Stärke in China gab es, wenn die Investoren womöglich ein Ende der Rally an den westlichen Börsen erwarteten, z.B. 2014/15 und 2024/25.
Staatliche Eingriffe sind aber mitunter für Schwächephasen verantwortlich: 2015 machten neue Regulierungen den beginnenden Boom zunichte, und 2021 war "Zero Covid" war Gift für den chinesischen Aktienmarkt (siehe Pfeile).
Ein Szenario für die kommenden Monate
Die 2024/25er-Stärke an Chinas Aktienmarkt scheint erst einmal passé. Aber sofern es mit den etablierten Märkten – aus welchen Gründen auch immer – doch weiter abwärts geht, könnte dies der Startschuss der nächsten China-Rally sein. Dazu passt auch die anhaltende Vorliebe der Fondsmanager für Emerging-Markets-Aktien sowie die relative Stärke der Inlandsaktien (CSI 300):

Zu Beginn einer neuen China-Rally ist es am sinnvollsten, per ETFs auf den Gesamtmarkt zu setzen, z.B. die gezeigten: iShares MSCI China ETF (ISIN IE00BJ5JPG56/WKN A2PGQN), Xtrackers CSI 300 Swap ETF (ISIN LU0779800910/WKN DBX0M2) oder Franklin FTSE China ETF (ISIN IE00BHZRR147/WKN A2PB5V), die jeweils unterschiedliche Indizes repräsentieren. Erst, wenn sich die Rally als nachhaltig erweist und einzelne Favoriten sichtbar werden, kann man gegebenenfalls auch zu Einzelwerten wechseln.
Noch ist es zwar nicht so weit, aber dieses Szenario sollte man in den kommenden Monaten im Hinterkopf behalten.
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