Sektor- und Style/Size-Analyse: Großer Risikoappetit
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Erwähnte Instrumente
Im Mai gab es in der Rangfolge der Sektoren nach meiner 3-Sektor-Strategie auf den ersten Blick nur wenige Änderungen: Oben, in der Spitzengruppe gab es eine erwartbare Rochade, unten blieb sogar alles unverändert.
Die üblichen Verdächtigen
Und dennoch ist das aktuelle Ranking sehr aufschlussreich. Wenig überraschend ist, dass es der IT-Sektor wieder zurück in die Top 3 geschafft hat. Dabei mag erstaunen, dass dieser Sektor trotz seiner zweifellosen Stärke nur auf Platz 3 liegt und sich damit gerade mal um einen Platz verbessern konnte:
Aber gut, das mag auch an meinen Selektionskriterien liegen; andere Methoden können zu anderen Ergebnissen kommen. Unzweifelhaft ist, dass IT derzeit wieder ein Top-Sektor ist. Damit sind wieder die "üblichen Verdächtigen" in der Spitzengruppe beisammen.
Ebenso unzweifelhaft ist die Schwäche des Gesundheitssektors: Er ist zwar erst den zweiten Monat das Schlusslicht im Ranking, aber dabei zugleich auch in einem Abwärtstrend. Und zuvor ist er vom fünften Platz im März um satte sechs Plätze auf den letzten Platz zurückgefallen. Mehr noch: Bereits von Oktober 2024 bis August 2025 war er elf Monate lang in einem Abwärtstrend und zudem Schlusslicht des Rankings.
Defensiv bleibt unbeliebt
Defensive Sektoren sind also weiterhin kaum gefragt. Das zeigt sich an zwei weiteren Details des Rankings: dem Absturz des Versorgersektors um drei Plätze von Rang 6 auf Rang 9 und dem Sprung des Gebrauchskonsumgütersektors um satte vier Plätze von Rang 10 auf Rang 6.
Gut, an Letzterem hat vor allem Tesla einen großen Anteil, deren Aktien (als zweitgrößter Wert des Sektors) im Mai um +14,2 % stiegen. Auch Sony (Platz 10 im Sektor; +10,6 %) und LVMH (Platz 9; +4,8 %) leisteten einen gewissen Beitrag, da sie als Schwergewichte stärker als der Sektorindex (+3,2 %) zulegten. Der mit Abstand größte Wert des Sektors, Amazon (+2,1 %), bremste hingegen.
Damit liegen auf den ersten sechs Plätzen durchgängig zyklische bzw. "Tech"-Sektoren. Ja, der Kommunikationssektor ("Telefongesellschaften") gilt formal als defensiv. Aber die größte Industrie des Sektors ist schon seit langem Interactive Media & Services mit Alphabet und Meta als dominierende Aktien: Diese Industrie macht 69,8 % des Sektors aus und davon entfallen auf Alphabet und Meta 98,8 %.
Beide werden aber landläufig als "Tech"-Werte angesehen und sind zudem stark im Bereich KI engagiert. Von defensiv kann daher de facto nicht mehr die Rede sein.
Wieder voll ins Risiko!
Insgesamt zeigt sich also an der jüngsten Sektorrotation, dass die Investoren wieder voll ins Risiko gehen und insbesondere Tech- bzw. KI-Werte bevorzugen.
Dieser Eindruck wird durch die Style/Size-Analyse gestärkt. Dazu habe ich hier der Einfachheit halber nur die Performance seit dem Tief des MSCI World Index am 30.03. betrachtet. Und danach sieht das aktuelle Bild so aus:
Wie man sieht, führen danach auf breiter Front die Growth-Werte – und zwar durchweg, also auf den Rängen 1 bis 4. Ganz vorn mit dabei sind zudem die Small Growth-Aktien, also die sogenannten "Hot Stocks".
Die Large Caps schaffen es nur wegen des großen Gewichts der Large Growth Caps vor den Weltindex. Und diesem sind die Small Caps dicht auf den Fersen.
US-Small Caps mit deutlicher Outperformance
In den USA, deren Aktien in allen diesen Indizes bekanntlich das höchste Gewicht haben, ist es dagegen umgekehrt. Hier liegen die Small Caps vor den Large Caps, im folgenden Chart gezeigt am Vergleich von Russell 2000 und S&P 500:

Der Dow Jones mit einigen Value-Aktien und mehreren hochgewichteten Werten aus schwachen Sektoren und Branchen (Finanzen, Gesundheit, Software) rangiert weit abgeschlagen dahinter. Auch hier wird also die "All in"-Mentalität der Anleger überdeutlich.
Fazit
Die Sektor-Rangfolge wird wieder von den "üblichen Verdächtigen" (IT, Kommunikation) bzw. den jüngsten starken Marktsegmenten (Energie, Rohstoffe) dominiert. Darüber hinaus bevorzugen die Anleger zunehmend Werte aus der zweiten und dritten Reihe, die Potenzial bieten bzw. schnell nach oben getrieben werden können.
Es ist also ein großer und weiter zunehmender Risikoappetit der Börsianer zu erkennen. Dieser kann die Kurse noch eine Weile nach oben schieben – aber spätestens, wenn alle Alternativen ausgeschöpft sind, steht die nächste Korrektur an.
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Ja, defensiv ist grad krass unbeliebt. Besonders sehe ich es auch an einer Beimischung von mir, dem iShares US Medical Devices ETF. Der performt seit einiger Zeit NOCH schlechter als der Health-Sektor insgesamt, und das, obwohl lauter tolle Werte drin sind, sollte man meinen: Abbot Labs, Intuitive Surgical, Medtronic, Stryker, Boston Scientific, Edwards Lifesciences...einige davon ehemalige "LuRo"-Aktien. Aber was ist da gerade los? Ja, manche waren hoch bewertet zeitweise und bauen das jetzt ab, aber so lange und kräftig wie die Underperformance jetzt schon ist, und so hart wie da manche Werte abstürzen, obwohl diese zweifelsohne Zukunft haben werden alle miteinander, ja sogar Teil von Megatrends wie Aging Society sind etc. => Ich investiere da weiter, wenn sie weiter stürzen, das muss sich irgendwann umkehren. Oder was anderes: ich habe heute wieder meine Position bei der Service Corporation (bekannteste und beste Bestattungsunternehmens-Aktie) leicht aufgestockt. Defensiv wie fast nichts anderes...aber läuft grad sehr mäßig.