BAYWA - 1 Mrd. EUR Schuldenerlass?
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- BayWa AG - WKN: 519406 - ISIN: DE0005194062 - Kurs: 2,850 € (XETRA)
Erstmal die gute Nachricht: BayWa verzeichnet erste finanzielle Entlastungen durch den Verkauf der niederländischen Tochtergesellschaft Cefetra. Der Kaufpreis ist eingegangen und wird direkt an die Gläubigerbanken weitergeleitet. Durch den Verkaufserlös und die Dekonsolidierung der Tochtergesellschaft reduziert das Unternehmen seine Verbindlichkeiten um 600 Mio. EUR. Insgesamt senkte der Konzern seinen Schuldenberg von ursprünglich 6 Mrd. EUR durch bisherige Veräußerungen um 1,3 Mrd. EUR. Das erklärte Finanzziel lautet, die Schuldenlast bis zum Jahr 2028 um insgesamt 4 Mrd. EUR abzubauen.
Die finanzielle Gesamtlage bleibt trotz der jüngsten Verkäufe allerdings sehr angespannt. Die Haupteigentümer, das Management und die Kreditgeber verhandeln gegenwärtig über ein angepasstes Sanierungskonzept, wie das Handelsblatt berichtet.
Eine Überarbeitung der bisherigen Pläne ist zwingend erforderlich, da die Erneuerbare-Energien-Sparte Baywa r.e. hinter den Erwartungen zurückbleibt. Dies gefährdet den anvisierten Verkaufspreis für die Tochtergesellschaft. Bis Mitte 2026 planen die Kernbanken und die wesentlichen Eigentümer eine Einigung über das neue Konzept, das im Anschluss den über 300 weiteren Gläubigern vorgelegt wird.
Verhandlungen über Bilanzkorrektur und Gläubigerbeiträge
Unternehmenskreise bestätigen die Notwendigkeit eines Schuldenschnitts, er könnte ein Volumen von etwa einer Mrd. EUR erreichen. "Es ist allen klar, dass es eine Bilanzkorrektur geben wird", heißt es aus dem Unternehmensumfeld. Als finanztechnisches Instrument stehen unter anderem Besserungsscheine zur Diskussion. Das könnte also bedeuten, dass Gläubiger zunächst auf Forderungen verzichten, die bei Erreichen einer definierten wirtschaftlichen Erholung dann (teilweise oder ganz) wieder aufleben. Die konkrete Ausgestaltung und das exakte Volumen sind noch Gegenstand der laufenden Verhandlungen, heißt es.
Die Gespräche zwischen den involvierten Parteien gestalten sich erwartungsgemäß als komplex. Die wesentlichen genossenschaftlichen Eigentümer, die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG mit einem Anteil von 36,5 % und die österreichische Raiffeisen Agrar Invest mit 30,6 %, verlangen einen höheren Beitrag der Banken. Die Eigentümer berufen sich auf ihre maßgebliche finanzielle Beteiligung an den letzten Rettungsmaßnahmen. Die Banken fordern aber im Gegenzug weitere Zugeständnisse der Gesellschafter.
Operative Lichtblicke, Umbau des Kontrollgremiums
Auf der operativen Ebene verzeichnet die BayWa vorerst eine ausreichende Zahlungsfähigkeit. "Wir brauchen kein frisches Kapital", heißt es von Unternehmensseite. Nach einem verhaltenen Jahresauftakt entwickelten sich die Geschäfte im März und April 2026 angeblich positiv. Auch die neuseeländische Tochter T&G Global (Neuseelands führender Exporteur und Vermarkter von Frischobst, insbesondere von Äpfeln) meldet eine erfreuliche Geschäftsentwicklung, was die Wahrscheinlichkeit eines profitablen Verkaufs nach Verabschiedung des Sanierungskonzepts erhöht. Im bisherigen Sanierungskonzept wollte mit dem Verkaufserlös die Schulden um weitere 600 Mio. EUR senken.
Parallel zu den finanziellen Verhandlungen vollzieht die BayWa personelle Veränderungen. Das Unternehmen ernennt in Kürze drei neue Mitglieder für den Aufsichtsrat. Ende März 2026 legten die Politikerin Monika Hohlmeier und der Bankmanager Michael Höllerer ihre Mandate nieder. Ende Mai 2026 folgt der Rückzug von Monique Surges. Banken und Teile der Eigentümer fordern zudem den Abgang von Bauernpräsident Joachim Rukwied, der dem Gremium seit beinahe 13 Jahren angehört. Er gilt als letzter Repräsentant der expansiven Strategie unter dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Klaus Josef Lutz. Bislang verweigert Rukwied den Rücktritt, weshalb Aktionäre nun eine Abwahl auf der kommenden Hauptversammlung debattieren.
Fazit
BayWa bleibt ein hartnäckiger Sanierungsfall. Die weitere Entschuldung um eine Mrd. EUR kann je nach Ausgestaltung aber der Aktie helfen. Es kommt entscheidend darauf an, ob auch ein substanzieller echter Verzicht dabei ist oder über die Besserungsscheine die Aktionäre viele Jahre am möglichen Erfolg des Unternehmens nicht mehr partizipieren. Auch ist nicht ausgeschlossen, dass es nochmal eine Kapitalerhöhung gibt.
Eigentlich sollte 2028 eine "Rest-BayWa" mit 10 Mrd. EUR Umsatz und 1,3 Mrd. EUR stehen, so hatte das CEO Frank Hiller anvisiert. Dann wäre auch der Börsenwert von aktuell 280 Mio. EUR durchaus im Rahmen, bzw. würde Chancen bieten. Aber mit den Mini-Margen in diesem Geschäft einen vernünftigen Gewinn zu erwirtschaften ist nicht einfach.
Das Unternehmen strebt bis Mitte des Jahres einen finalen Konsens über das neue Sanierungsprogramm an. Die BayWa-Aktie bewegt sich in etwa auf dem Niveau der großen Kapitalerhöhung vom letzten Jahr. Es dürfte sich von selbst verstehen, dass die Aktie hochspekulativ ist. Ein Forderungsverzicht der Banken dürfte der Aktie aber einen Schub geben, unter einer Voraussetzung: dass der Beitrag der Aktionäre, wie auch immer dieser gestaltet wird, überschaubar bleibt.
Völlig irre ist nach wie vor das Eigenleben der zweiten Aktiengattung mit der ISIN DE0005194005, von denen es nur gut 1,2 Mio .Stück gibt. Diese Aktien verbriefen exakt die gleichen Rechte, kosten aber 5mal so viel!

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Danke für den Artikel. Was erklärt diese Unterscheide bei den Aktiengattungen?