Kommentar
16:37 Uhr, 18.05.2011

Bangen um das rote Gold

Die heftigen Kursanstiege vom Februar, als der Kupferpreis ein Rekordhoch von 10.190 US-Dollar pro Tonne verzeichnete, scheinen lange her. Erklären ließen sich diese mit den schwachen Kupfer-Produktionsergebnissen des vorangegangenen vierten Jahresquartals 2010, der starken volkswirtschaftlichen Daten von China, dem Einfluss der Einführung neuer Kupfer-ETFs von JP Morgan und Blackrock und dem günstiger werdenden US-Dollar. In jenen Tagen wurden noch künftige Preishochs von 13.500 US-Dollar prognostiziert - doch heute sieht es gänzlich anders aus.

Die Hausse-Phase ist überwunden - im Verlauf der letzten Handelswoche fielen die Kupferwerte so tief wie zuletzt im November 2010. Die Rohstoffblase, die sich in den vergangenen Monaten aufgebaut hatte, droht zu platzen. Zwar konnte der Kupferpreis am Dienstagmorgen mit einem Plus von 1,28 auf 8.922 US-Dollar steigen, doch einige Experten rechnen mit einem andauernden Abwärtstrend.

In den vergangenen Monaten war der chinesische Kupfer-Konsum, der mit einem Anteil von 38 Prozent am weltweiten Kupfer-Konsum den Größten darstellt, gesunken. Analog dazu fielen die Kupfer-Importe Chinas im Laufe des ersten Jahresquartals von 595.963 auf 754.581 Tonnen und somit um 21 Prozent. Desweiteren wirkte sich auch die starke Aufwertung des US-Dollars (da die meisten Rohstoffe in der US-Währung bezahlt werden), die erneut zum Ausdruck kommenden griechischen Schuldensorgen, die nicht (wie vorgesehen) durchgeführte Leitzinserhöhung der EZB und die erneute Verschärfung der chinesischen Geldpolitik nachteilig auf die Performance des Kupferwertes aus.

Der Rückgang der chinesischen Kupfer-Importe veranlasste ebenfalls zahlreiche Anleger dazu, zu verkaufen. Jedoch rührte diese Verminderung der Importe vor allem vom Schwund der Arbitrage-Geschäfte her, was viele Marktteilnehmer dazu veranlasste, auf eine nachlassende Wirtschaftsleistung Chinas zu setzen. Bisher machten sich Arbitrage-Händler die Differenz von den Kupferpreisen an der Börse LME in London und der SHFE in Shanghai zunutze und verkauften das billiger gewordene Industriemetall an der asiatischen Heimatbörse. Doch zuletzt hatte sich die Preisdifferenz an den beiden Börsen verschmälert, da die chinesische Zentralbank die Zinsen anhob. Folglich erfolgten deutlich weniger Arbitrage-Geschäfte, was die Importe fallen ließ.

Doch da die Nachfrage nach Kupfer in den Schwellenländern steigt während das Angebot nur langsam wächst, erwarten maßgebliche Metallverbände in diesem Jahr ein Kupferdefizit von 300.000 bis 500.000 Tonnen. Zwar stiegen die Kupfervorräte an der SHFE im zweiten Halbjahr vergangenen Jahres auf über 700.000 Tonnen an, können das Angebotsdefizit aber dennoch nicht ausgleichen, da der größte Anteil an diesem Bestand (etwa 70 Prozent) Finanzierungskontrakten, wie Bürgschaften chinesischer Baukonzerne, zugrunde liegt, die den Unternehmen so günstige Kredite ermöglichen. Sollten die Baukonzerne also in Zukunft weitere Kupfermengen zur Projektfinanzierung einkaufen müssen, könnte sich die Nachfrage – und somit der Preis des Edelmetalls - noch zusätzlich erhöhen.

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