Ausblick 2026: „Chancen abseits des US-dominierten Mainstreams“
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Erwähnte Instrumente
5. Januar 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Um rund 23 Prozent hat der DAX (<DE00084690082025>) zugelegt – und am zweiten Handelstag im neuen Jahr nähert sich der Index mit 24.640 Punkten am Montagmorgen sogar wieder dem Allzeithoch von 24.771 Zählern. Die Prognosen für 2026 bleiben trotz schwieriger Gemengelage meist gut: Die in der traditionellen FAZ-Umfrage zum Jahresende befragten 29 Finanzinstitute rechnen im Durchschnitt mit einem DAX-Stand von knapp 26.000 Punkten per Jahresende – das wäre ein Plus 6 Prozent.
Besonders zuversichtlich ist die DZ Bank, die den DAX Ende 2026 bei 27.500 Punkten sieht. Das Gewinnwachstum werde auch in diesem Jahr wichtigster Treiber der Aktienmärkte bleiben. „Stabile makroökonomische Vorgaben, strukturelle Investitionsprogramme und eine zunehmende konjunkturelle Dynamik schaffen ein freundliches Umfeld“, erklärt Birgit Henseler.
Berenberg: „Regionale Diversifikatoren interessant“
Die Berenberg Bank zeigt sich ebenfalls optimistisch, speziell auch für Aktien aus Europa und den Schwellenländern. Diese seien im Vergleich zu US-Aktien und zu ihrer eigenen Historie günstiger bewertet. „Auch die Gewinnrevisionen fielen in Europa deutlich schwächer aus in den USA", heißt es. Die damit einhergehende geringere Erwartungshaltung machten sowohl Schwellenländer- als auch europäische Aktienmärkte als „regionale Diversifikatoren" 2026 interessant. Dazu kämen regionale Wachstumstreiber, etwa das anlaufende Konjunkturpaket in Deutschland, die Friedensverhandlungen in der Ukraine, Pekings neuer Fünfjahresplan sowie die immer dominantere Rolle der asiatischen Volkswirtschaften im KI-Boom.
Helaba: „Sehr viel Positives schon vorweggenommen“
Nur eine Seitwärtsbewegung erwartet die Helaba. „Aktien bleiben aus strukturellen Erwägungen zwar die interessanteste Asset-Klasse, unter zyklischen Aspekten ist das Potenzial für 2026 aber überschaubar“, bemerkt Helaba-Analyst Markus Reinwand. Wegen des größtenteils durch Bewertungsexpansion getragenen Kursanstiegs hätten DAX und Euro Stoxx (<EU0009658145>) bereits sehr viel Positives vorweggenommen – deutlich mehr, als durch die zaghafte Erholung der konjunkturellen Frühindikatoren zu rechtfertigen sei. „Für weitere Kursanstiege müssen die Gewinnerwartungen übertroffen werden“, betont er. Am Jahresende sieht die Bank den DAX bei rund 25.000 Punkten.
LBBW: „Chancen abseits des US-dominierten Mainstreams"
„Nach drei Jahren Hausse sind die weltweiten Aktienmärkte eher hoch bewertet“, meint auch Berndt Fernow von der LBBW. In den Köpfen der Anleger habe sich offenbar eine gewisse Sorglosigkeit breitgemacht. „Genau hierin liegt aber die Gefahr für die Märkte, denn Risiken verschwinden nicht durch Ignorieren." Die US-Zollpolitik wirke schleichend inflationär, halte die Zinsen hoch und bremse die Konjunktur sowohl in den USA als auch in exportorientierten Ländern wie Deutschland.
Die historisch einmalige Konzentration der Marktkapitalisierung auf wenige KI-Profiteure habe zudem ein erhebliches Klumpenrisiko geschaffen. „Eine sinkende Gewinndynamik dürfte die Bewertungen der US-Börsenstars unter Druck setzen." Die LBBW erwartet für 2026 eine längere Phase der Risikoaversion, mit Niveaus deutlich unter den aktuellen. Abseits des US-dominierten Mainstreams böten sich aber durchaus Chancen. „Asiatische und europäische Werte sind deutlich günstiger als amerikanische. Nachhaltig dividendenstarke Titel verdienen Beachtung, ebenso Aktien der zweiten Reihe."
In der ersten vollen Handelswoche im neuen Jahr stehen schon einige „Datenkracher“ an, wie es die Commerzbank formuliert, mit Blick auf die US-Arbeitslosenzahlen und die Inflation im Euroraum.
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten
Montag, 5. Januar
16.00 Uhr. USA: ISM-Index Dezember. Der Helaba zufolge sind die Vorzeichen für das US-Konjunkturbarometer verhalten. So hätten die regionalen Umfragewerte der Fed in New York und in Philadelphia nachgegeben. Gegenüber der Konsensschätzung eines leichten Anstiegs positioniert sich die Bank etwas pessimistischer.
Dienstag, 6. Januar
14.00 Uhr. Deutschland: Verbraucherpreise Dezember. Die DekaBank rechnet mit einem Anstieg von 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat und 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Mittwoch, 7. Dezember
11.00 Uhr. Eurozone: Verbraucherpreise Dezember. In den letzten sechs Monaten hat sich die Inflation im Euroraum der Commerzbank zufolge als sehr hartnäckig erwiesen. In den kommenden Monaten werde sich der Trend aber umkehren und eine temporäre Schwächephase der Inflation einsetzen. Bereits im Dezember dürfte die Inflation insgesamt auf das EZB-Ziel von 2 Prozent gesunken sein.
Donnerstag, 8. Januar
11.00 Uhr. Euroraum: Economic Sentiment Dezember. Das Wirtschaftsvertrauen im Euroraum hat sich laut DekaBank im Laufe des Jahres mühsam verbessert. Für den Monat Dezember zeichne sich ein kleiner Rückschlag ab.
Freitag, 9. Januar
8.00 Uhr. Deutschland: Produktion produzierendes Gewerbe November. In Deutschland konnte die Produktion im produzierenden Gewerbe zuletzt positiv überraschen, wie die DekaBank feststellt. In diesem Tempo sei es im November allerdings wohl nicht weitergegangen.
14.30 Uhr. USA: Arbeitslosenzahlen Dezember. Inzwischen hat die Arbeitslosenquote bereits gut 1 Prozentpunkt von ihrem sehr niedrigen Niveau 2022/23 aus zugelegt, wie die Commerzbank erläutert. Sie erwartet, dass sie im Dezember bei 4,6 Prozent verharrte.
Von Anna-Maria Borse, 5. Januar 2026, © Deutsche Börse AG
Über die Autorin
Anna-Maria Borse ist Finanz- und Wirtschaftsredakteurin mit den Schwerpunkten Finanzmarkt/Börse und volkswirtschaftliche Themen.
Feedback und Fragen an live@deutsche-boerse.com
