Kommentar
12:05 Uhr, 28.04.2026

Aus dem ETF Magazin: "Märkte mit Potenzial"

Kurzfristig wirken Iran-Krieg und fester US-Dollar als Gegenwind. Doch mittelfristig bleiben Schwellenländer-Aktien attraktiv. Welche ETF sich anbieten, weiß das ETF-Magazin.

28. April 2026. MÜNCHEN (ETF Magazin). Für die Emerging Markets waren die vergangenen zehn Jahre aus Anlegersicht eine verlorene Dekade. Die Musik spielte an der Wall Street, nicht in Hongkong, Bombay oder São Paulo. Doch im vergangenen Jahr hat sich dies geändert. 2025 glänzten Schwellenländeraktien in Euro gerechnet mit einem Gewinn von 30 Prozent. Der MSCI Emerging Markets-Index schaffte damit erstmals seit 2017 wieder ein (deutlich) besseres Ergebnis als der MSCI World-Index, der vor allem US-Aktien sowie Titel anderer entwickelter Märkte enthält. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen, schätzen Börsenstrategen – trotz des Gegenwinds aufgrund des Iran-Kriegs.

Ursache für die Dürreperiode vor 2025 war die schwache Gewinnentwicklung der Unternehmen, „Schwächen in der Corporate Governance“, „mangelnde Kapitaldisziplin“ und unzureichender Schutz der Aktionäre, erklärt Chris Zani von PGIM. Doch die Probleme seien weitgehend behoben. Es gebe nun wieder einige gute Gründe für Investments in Schwellenländern, versichert auch James Donald von Lazard Asset Management. Er verweist vor allem auf ein deutlich erhöhtes Gewinnwachstum bei den Unternehmen der Schwellenländer. Dort dürften die Gewinne stärker wachsen als in den USA und Europa. Für den MSCI Emerging Markets Index erwartet er in diesem Jahr einen Anstieg der Unternehmensgewinne von rund 15 Prozent. „Besonders dynamisch“ seien Asien und Lateinamerika. Dort könnte sich das Gewinnwachstum nochmals beschleunigen.

Parallel dazu ist in den Emerging Markets auch ein struktureller Wandel zu beobachten. So hat sich nach Donalds Berechnungen der Anteil von Technologie-, Internet- und Halbleiterunternehmen in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt, was zu Produktivitätsgewinnen geführt habe. Insbesondere in asiatischen Ländern seien diese Branchen zu wesentlichen Wachstumstreibern avanciert.

Dazu kommt: Schwellenländeraktien sind historisch sehr günstig bewertet. „Emerging-Markets-Aktien werden aktuell mit einem Abschlag von rund 40 Prozent gegenüber US-Aktien gehandelt“, sagt Donald. Der langfristige Durchschnitt liege bei etwa 30 Prozent. Der derzeitige Abschlag sei heute also noch deutlich größer als üblich. Diese niedrige Bewertung spiegele die Wachstumsperspektiven der Emerging-Markets-Aktien nicht wider.

Hilfreicher US-Dollar

Ein weiterer Faktor, der die Schwellenländeraktien weiterhin beflügeln dürfte, ist der US-Dollar. In der Vergangenheit waren Phasen mit einem schwächeren US-Dollar regelmäßig mit einer Outperformance der Schwellenländeraktien verbunden. Der Markt folgt dabei einer einfachen Logik: Ein abwertender US-Dollar senkt bei vielen Schwellenländerunternehmen die Finanzierungskosten, leitet Kapital von den Vereinigten Staaten in die Schwellenländer, verschafft den Notenbanken der Schwellenländer zusätzlichen geldpolitischen Spielraum und verbessert die Wettbewerbsfähigkeit der Schwellenländer-Unternehmen. Die Chancen der Emerging-Markets-Aktien resultieren also zu einem Teil schon allein daraus, dass sich die US-Währung nach wie vor in einem Abwärtstrend befindet.

2025 hat der US-Dollar spürbar nachgegeben. Dieser Abwertungstrend dürfte trotz der jüngsten Gegenbewegung anhalten. Die Wahrscheinlichkeit bleibt groß, dass die US-amerikanische Notenbank für weiter sinkende Zinsen und damit für einen schwachen US-Dollar sorgt. Zinssenkungen in den USA dürften dann auch die Zentralbanken in Schwellenländern dazu veranlassen, ihre Geldpolitik zu lockern. Das würde die Neubewertung der Schwellenländer weiter unterstützen, sagt Kunjal Gala, Leiter Global Emerging Markets bei Federated Hermes. Ohnehin würden viele Schwellenländer mit besseren volkswirtschaftlichen Daten aufwarten, wie stabilen Inflationserwartungen, geringeren Wechselkursschwankungen, verbesserter Kreditqualität sowie tieferen Kapitalmärkten.

Eine besondere Rolle bei der Beurteilung der Chancen von Investments in Emerging Markets kommt China zu. Das Land der Mitte macht immerhin rund ein Viertel des MSCI Emerging Markets-Index aus. Entsprechend wirkte sich die schwache Entwicklung chinesischer Aktien in den vergangenen Jahren belastend auf die Indexentwicklung aus. Doch die Stimmung hat sich inzwischen eindeutig aufgehellt. Lazard-Manager Donald macht dafür unter anderem die chinesische Regierung verantwortlich, die jetzt wieder ihre Bereitschaft signalisiert habe, Wachstum und Stabilität zu unterstützen – unter anderem durch fiskalische Impulse, Maßnahmen zur Stärkung der Binnenkonjunktur und gezielte Förderung strategischer Branchen.

Ein gewichtiger Vorteil von Emerging-Markets-Aktien liegt in der Diversifizierung. Anleger, die bevorzugt zum MSCI World-Index greifen, legen sich damit ein US-Exposure von rund 70 Prozent ins Depot bei null Exposure zu Aktien aus den Schwellenmärkten. Für Pascal Kielkopf, Kapitalmarktanalyst bei HQ Trust, ist das ein echtes Manko. „Wer das gesamte Aktienportfolio allein über den MSCI World abbildet, verzichtet bewusst oder unbewusst auf rund die Hälfte der Weltwirtschaft“, erinnert er. Demgegenüber empfiehlt er, einen Anteil 10 bis 20 Prozent des Depots in Schwellenländer zu investieren. Dadurch könnten sich Renditevorteile ergeben. Kielkopfs Berechnungen zufolge hat der MSCI Emerging Markets-Index seit 1988 im Schnitt einen Zuwachs von jährlich rund 10 Prozent hingelegt. Beim MSCI World-Index seien es hingegen nur rund 8,5 Prozent gewesen.

Spannende ETFs

Wer das Exposure auf Emerging Markets auszuweiten plant, findet eine große Auswahl an ETFs. Hier kommen einige der wichtigsten:

  • Mit einem Volumen von mehr als 30 Milliarden Euro ist der iShares Core MSCI Emerging Markets IMI ETF der größte ETF für Aktien der Schwellenländer. Er bildet den MSCI Emerging Markets Investable Market (IMI) Index physisch nach und bietet damit Zugang zu knapp 1.200 großen und mittelgroßen Aktien aus 24 Schwellenländern. Mit dieser Auswahl repräsentieren Index und ETF etwa 85 Prozent der Marktkapitalisierung der Emerging Markets, sagt der Indexanbieter MSCI.

    Seine schwersten Positionen hält der ETF, wie die meisten Schwellenländer-ETFs, in China, Taiwan, Indien und Südkorea. Die führenden Branchen sind Technologie, Finanzen und Konsumgüter. Mit dieser Aufteilung brachte er in den vergangenen zwölf Monaten einen Gesamtertrag von 25 Prozent, in den letzten drei Jahren waren es mehr als 50 Prozent. Die Gesamtkostenquote (TER) beträgt 0,18 Prozent.
  • Noch günstiger ist der Vanguard FTSE Emerging Markets ETF. Mit einer TER von 0,17 Prozent gehört dieser ETF zu den preiswertesten Schwellenländer-ETFs. Im Gegensatz zu den meisten anderen Fondsgesellschaften setzt Vanguard bei seinem Schwellenländer-ETF jedoch nicht auf einen Index von MSCI, sondern auf den FTSE Emerging Markets Index, der eine etwas andere Ländergewichtung aufweist.

    Die größten Gewichte entfallen auf China, Taiwan, Indien und Brasilien. Aktien aus Südkorea sind in diesem ETF nicht enthalten, weil dieses Land nach Ansicht des Indexanbieters FTSE nicht mehr zu den Emerging Markets zählt. Vermutlich blieb aufgrund dieses Ausschlusses die Wertentwicklung des Vanguard-EM-ETFs im vergangenen Jahr deutlich hinter den anderen Schwellenländer-ETFs zurück.
  • Der Amundi Prime Emerging Markets ETF ist mit seiner Kostenquote von nur 0,10 Prozent der preiswerteste ETF für Aktien der Schwellenländer. Dieser ETF bildet den Solactive GBS Emerging Markets Large & Mid Cap Index ab. Dieser enthält große und mittelgroße Aktien aus 26 Schwellenländern. Portfolio und Wertentwicklung unterscheiden sich nur geringfügig von ETFs auf den MSCI Emerging Markets Index.
  • Für Anlegerinnen und Anleger, die Schwellenländeraktien, aber keine chinesischen Titel wollen, gibt es ETFs auf den MSCI EM ex-China Index. Dieser enthält rund 600 Aktien aus 23 Schwellenländern, nur China fehlt. Die größten Gewichte liegen deshalb auf Aktien aus Taiwan, Südkorea und Indien, die zusammen fast 70 Prozent des Index stellen. Dieser Mix brachte mit einem Gesamtertrag von 34 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten eine noch höhere Rendite als der MSCI Emerging Markets Index. Mehr ging nur noch mit Investments in Value-Aktien aus den Schwellenländern.
  • Der iShares Edge MSCI EM Value Factor ETF notiert heute fast doppelt so hoch wie vor drei Jahren. Dieser ETF hält etwa 160 vergleichsweise niedrig bewertete Aktien aus den Schwellenländern.

Spezielle Ansätze

Und natürlich gibt es auch einige aktiv verwaltete ETFs für Emerging-Markets-Aktien, etwa den Fidelity Emerging Markets Equity Research Enhanced ETF. Er wählt Aktien nach Fundamental- und Nachhaltigkeitskriterien aus und will so den MSCI Emerging Markets Index schlagen. Dazu nutzt der ETF einen quantitativen Ansatz, der auf die Einschätzungen der Fidelity-Analysten abstellt.

Ähnlich arbeiten die meisten anderen aktiven ETFs von Häusern wie Avantis, JP Morgan, HSBC oder Robeco. Erkennbar sind sie häufig an dem Zusatz Enhanced im ETF-Namen. Nur wenige dieser ETFs erzielten in den vergangenen drei Jahren mehr Rendite als der MSCI Emerging Markets Index. Ihre laufenden Kosten liegen jedoch mit meist 0,30 Prozent über den Kosten der passiven ETFs.

Von Ronny Kohl, März 2026, © ETF Magazin

Der Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe des ETF Magazins, dem Fachjournal für Profis und informierte Anleger*innen.